03. September 2018, 10:01 Uhr

Gegenprotest

AfD-Veranstaltung: Großes Interesse an Gauland und Gegendemo in der Wetterau

Mit dem Aufgebot der geballten Parteiprominenz sprengte die AfD das Fassungsvermögen des Bürgerhauses Lindheim. Nachdem mehr als 300 Besucher in der Halle Platz gefunden hatten, musste die Partei am Sonntag weitere Interessenten abweisen. In unmittelbarer Nachbarschaft demonstrierten rund 250 Gegner der AfD-Veranstaltung.
03. September 2018, 10:01 Uhr

Von Oliver Potengowski , 3 Kommentare
In Lindheim haben die DGB-Jugend und weitere Gruppen gegen den Besuch des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland protestiert.

Katrin Harth von der DGB-Jugend Südhessen kritisierte die »menschenverachtende Sprache« der AfD, die angekündigt habe, ihre Gegner zu jagen. »Das Ziel von Jagen ist Töten.« Damit zog sie eine Parallele zu den Vorgängen in Chemnitz. Neidhard Dahlen von der Lagergemeinschaft Auschwitz erinnerte an die Entwicklung des Nationalsozialismus. Er forderte die Besucher in Altenstadt Lindheim auf, sich in Gesprächen unter anderem am Arbeitsplatz offen gegen Rechtsextremismus auszusprechen. Die Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl (SPD) freute sich über die große Zahl der Teilnehmer der Gegenkundgebung. Dies sei gelebte Solidarität.

 
Fotostrecke: Protest gegen Alexander Gauland in Altenstadt

»Es waren sehr viele Menschen aus Lindheim dabei. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden kam aus Altenstadt und Ortsteilen«, schrieb die Antifa-BI am Abend auf Facebook . Es sei eine »deutliche Absage aus der Region an die herangekarrten AfD-Fans« gewesen. »Wir waren jünger, pluralistischer sowie spürbar besser gelaunt.«

Wir waren jünger, pluralistischer sowie spürbar besser gelaunt

Antifa-BI

Im Bürgerhaus hatte die AfD mit den beiden Bundessprechern, Alexander Gauland und Jörg Meuthen, mit Mariana Harder-Kühnel und Martin Hohmann gleich mehrere Bundestagsabgeordnete, dazu Andreas Kalbitz, Fraktions- und Landesvorsitzender der AfD in Brandenburg, und schließlich den Spitzenkandidat der Partei für die Landtagswahl in Hessen, Dr. Rainer Rahn sowie den Wetterauer Kandidaten Andreas Lichert aufgeboten.

Alexander Gauland
Alexander Gauland

Meuthen sorgt für die schrillen Töne

Jörg Meuthen ist an diesem Nachmittag der Redner für die schrilleren Töne. Er begründet, warum die AfD immer wieder auf das Thema Migranten zu sprechen kommt. Sie wolle »handeln, wo die Gefahr am größten ist, und das ist die illegale Massenmigration in unser Land.« Er behauptet, »Deutschland verändert sich Tag für Tag.« Und die Wahrscheinlichkeit etwas zu ändern werde stetig geringer. Die AfD sei nicht »fremdenfeindlich, wir sind bloß gegen feindliche Fremde.«

Gauland begründet diese Fokussierung ähnlich. »Ohne die Masseneinwanderung hätten wir die Hälfte aller Probleme in Deutschland nicht, zum Beispiel auch die Frage bezahlbarer Wohnungen.«

Er spricht deutlich ruhiger als Meuthen oder gar Lichert, im Ton geradezu väterlich. Seine Botschaften dagegen sind keineswegs sachlicher. So bezeichnet er die Leistungen für Asylbewerber als »eine Mischung aus Ablasshandel und Schutzgeld und trotzdem lesen wir jeden Tag von der nächsten Messerattacke oder Massenschlägerei.«

Wo die Wurzel eines Übels liegt, ist immer klar, auch im Bildungssystem: »In internationalen Studien schneiden deutsche Schüler immer schlechter ab, was auch daran liegt, dass es immer seltener deutsche Schüler sind«, erklärt Gauland.

* Korrektur (16.09.2018):

In einer früheren Fassung des Beitrages hatten wir berichtet, Herr Kalbitz habe behauptet, jeder Asylbewerber koste 5000 Euro im Monat. Das war unrichtig. Tatsächlich hat Herr Kalbitz die Kosten eines unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings auf 5000 Euro pro Monat beziffert.

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