23. Oktober 2018, 08:00 Uhr

Adolf Reichwein

Adolf Reichweins Botschaft gilt bis heute

74 Jahre ist es her, dass sein Vater von den Nazis ermordet worden ist – am 20. Oktober 1944. Nun, am 20. Oktober 2018, steht Prof. Roland Reichwein in der Adolf-Reichwein-Halle in Rosbach.
23. Oktober 2018, 08:00 Uhr
Die Familie Reichwein in Rosbach (v.l): die Enkel Anna und Christian Martin sowie die Kinder Sabine Reichwein, Prof. Roland Reichwein und Katharina Pesch.

74 Jahre ist es her, dass sein Vater von den Nazis ermordet worden ist – am 20. Oktober 1944. Nun, am 20. Oktober 2018, steht Prof. Roland Reichwein am Rednerpult in der Adolf-Reichwein-Halle in Rosbach. »Ich glaube, in einer Zeit, in der wieder der braune Ungeist auf den Straßen marschiert, ist es besonders wichtig, sich an Schicksale wie die von Adolf Reichwein zu erinnern«, sagt er. Hinter ihm sind gerade Schautafeln enthüllt worden, die das Leben und Wirken seines Vaters umreißen. Eckdaten zur Kindheit und Jugend in Rosbach stehen dort ebenso wie Hintergründe zu seiner Arbeit als Pädagoge und seiner Zeit als Widerstandskämpfer. Auch Bilder von Adolf Reichwein sind auf den Tafeln zu sehen. Die Ähnlichkeit ist unverkennbar, als Roland Reichwein vor dem Porträt seines Vaters steht und sagt: »Erinnerung kann uns dabei helfen, Zivilcourage gegen diesen braunen Ungeist zu entwickeln.« Das habe er sagen wollen, mehr nicht; dann verlässt er das Rednerpult wieder.

Seine Schwester kommt, die jüngste der vier Kinder von Adolf und Rosemarie Reichwein, Sabine Reichwein. Auch in ihrem Gesicht ist der Vater zu erkennen. Sie zitiert ihn, sagt, dass sich eine Gesellschaft immer daran messen lassen muss, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht. Die Veranstaltung sei, so glaubt sie, ganz im Sinne ihres Vaters – weil ihr Vater stets dafür eingetreten ist, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen.

 

Eine von drei Gedenkveranstaltungen

Es ist eine von drei Reichwein-Gedenkveranstaltungen im Jahr seines 120. Geburtstags, die die Stadt Rosbach veranstaltet. Am Samstag, als zahlreiche weitere Gäste in der Halle zusammenkommen, jährt sich der Tag, an dem Adolf Reichwein im Gefängnis erhängt wurde. Er hinterließ eine Frau und vier Kinder. Eine Tochter ist bereits gestorben. Die anderen drei Kinder sowie zwei Enkel – Roland und Sabine Reichwein und Katharina Pesch sowie Anna und Christian Martin – sind nach Rosbach gekommen. In die Heimat ihres Vaters und Großvaters, den das Leben dort sehr geprägt hat (»Ohne meine Jugend im Dorf wäre ich wohl in keiner Weise denkbar«).

Damit, dass die Feier im Sinne ihres Vaters ist, meint Sabine Reichwein die vielen Beiträge, die auf dem Programm stehen, das Verwaltungsmitarbeiterin Marion Hallwirth zum größten Teil ausgearbeitet hat. Da ist etwa der Grundschulchor der Friedberger Adolf-Reichwein-Schule, der u.a. das Friedberg-Lied singt (»Ich bin lustig, ich bin schlau, ich bin aus der Wetterau«), das Schulorchester oder die zehnjährige Klavierspielerin Ksenia Yanchuk, auch von der Friedberger Schule, die heute in Rosbach spielt, aber bereits in New York und London aufgetreten ist. Und da ist die Eintracht Rodheim, die zwei Spirituals präsentiert.

Zwischen den Programmpunkten werden Ausschnitte aus dem Film »Der Mut des Fliegers« über Reichwein gezeigt. Zu Gast sind zudem die Bürgermeister der drei Partnerstädte – weil die Veranstaltung auch einen europäischen Kontext hat, wie Bürgermeister Thomas Alber sagt, der durch das dreieinhalbstündige Programm leitet. Reichwein habe stets betont, sich als Europäer zu sehen. Und so hält Bürgermeister Miroslaw Reczko aus der polnischen Stadt Ciechanowiec eine Rede.

 

Drei Tafeln für die Halle

Am Pult steht auch Dr. Konrad Vanja, lange Vorsitzende des Adolf-Reichwein-Vereins, der sich kürzlich aufgelöst hat. Eine Besonderheit ist die Enthüllung der drei Schautafeln, die von nun an in der Halle hängen werden. Für die Konzeption ist vor allem der Heimat- und Geschichtsverein zuständig gewesen. Wenn die Erinnerung an das Leben und Werk Reichweins und seine bis heute gültigen Botschaften dazu beitragen, Menschen für gesellschaftliches Engagement zu motivieren, sagt Vorsitzender Dr. Carsten Wenzel, haben die Tafeln einen höheren Zweck erfüllt. Auch Politiker sprechen: Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) und SPD-Landtagsabgeordnete Nancy Faeser. Landrat Jan Weckler spricht auch die »erstarkte Fremdenfeindlichkeit« heutzutage an und sagt im Hinblick auf Reichwein als Vorbild: »Er sprach sich immer für interkulturellen Austausch aus.« (Fotos: sda)

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