16. Oktober 2018, 20:27 Uhr

Ärger über frauenfreie Zonen

16. Oktober 2018, 20:27 Uhr
Frauenpower (v. l.): Die Bürgermeisterinnen Ulrike Pfeiffer-Pantring und Cäcilia Reichert-Dietzel, Ministerin Katarina Barley, MdL Lisa Gnadl, Direktkandidatin Mirjam Fuhrmann, Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch und MdB Bettina Müller. (Foto: pm)

Zu einem Frauenfrühstück mit der Bundesjustizministerin Katarina Barley hatte die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl eingeladen. Das Thema lautete »100 Jahre Frauenwahlrecht. Ziel erreicht und weiter?«.

Gut 100 Frauen folgten der Einladung ins Bürgerhaus Ober-Mockstadt, teilt Gnadl mit. Neben Barley hielt auch Ranstadts Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel (»Als Frau muss man auch heute noch härter arbeiten und besser sein als die männlichen Kollegen, um sich den Respekt zu erkämpfen«) ein Grußwort. Die musikalische Begleitung übernahm die Jugendabteilung des Fanfaren- und Spielmannszuges aus Altenstadt unter der Leitung von Rebecca Horn.

In ihrer Begrüßungsrede sagte Gnadl, dass es unter den CDU-Landesregierungen in den letzten 19 Jahren in Hessen beim Thema Frauenpolitik nicht vorangegangen sei. »Immer noch gibt es Ministerien, die in der die Führungsebene frauenfreie Zonen sind.« Weder im Innen-, noch im Wirtschafts- oder im Finanzministerium gebe es Abteilungsleiterinnen. Gnadl: »Das sagt mehr über die Auffassung dieser Minister über Gleichberechtigung aus als jede Rede.«

Bei der landespolitischen Verantwortung, Frauen vor Gewalt zu schützen, fand Gnadl deutliche Worte. Die Situation der Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen und -notrufe in Hessen müsse personell und finanziell verbessert werden. Es sei unverständlich, dass es nicht überall in Hessen eine Soforthilfe nach Vergewaltigung gebe.

Mehr Thomas’ und Michaels

Katarina Barley spannte in ihrer Festrede einen großen Bogen von der Erkämpfung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren bis hin zur heutigen Zusammensetzung des Bundestags. Dass der Frauenanteil dort nur 31,8 Prozent betrage, sei alarmierend. Der Rückgang um fast 5 Prozent führte sie auf den Einzug der FDP und AfD, aber auch den geringen Frauenanteil in der Fraktion der CDU/CSU zurück. »Das darf nicht sein und kann von uns nicht einfach so hingenommen werden. Gerade deshalb müssen Frauen sich nochmal mehr engagieren und für ihre Interessen gemeinsam streiten.«

In der freien Wirtschaft sei die Situation nicht weniger alarmierend. In deutschen Aufsichtsräten und Vorständen seien mehr Männer mit dem Vornamen Thomas oder Michael vorzufinden als Frauen. Barley fragte ketzerisch: »Ob sich Männer wohlfühlen würden, dass sie einen Vorstandsplatz nur haben, weil sie ein Mann sind?«

Die SPD werde durch gesetzliche Regelungen die Gleichberechtigung stärken und habe bereits Erfolge erzielt, sagte Barley und verwies auf das Lohntransparenzgesetz, den gesetzlichen Mindestlohn und die Frauenquote für die Aufsichtsräte der Dax-Konzerne hin, von denen Frauen profitierten.

In der Wetterau gebe es eine starke Basis von Frauen in der Kommunalpolitik, konnte die Bundesjustizministerin erfreut feststellen. Alleine beim Frauenfrühstück hatte Gnadl zu Beginn die Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch, die Bundestagsabgeordnete Bettina Müller, die beiden Bürgermeisterinnen Cäcilia Reichert-Dietzel und Ulrike Pfeiffer-Pantring, die Landtagskandidatin Mirjam Fuhrmann sowie viele weitere engagierte Frauen – ob im Seniorenbeirat, bei FAB, Frauennotruf, Behindertenhilfe oder Frauenzentrum – begrüßen können. Ihr Appell an die Frauen im Saal: »Selbst, wenn ihr die Wahl in der Politik oder Auseinandersetzung im Berufsleben mal nicht gewinnt, gewinnt ihr für Euch, und ihr seid ein Vorbild für andere Frauen und Mädchen.« Frauen in der Politik sollten andere Frauen ermutigen, aktiv zu werden.

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