09. September 2018, 12:05 Uhr

Bürgerhilfe

91-Jährige gibt der Einsamkeit keine Chance

Erika Werner lebt noch im eigenen Haus. Mit 91 Jahren. Das funktioniert, weil ihre Familie sich um sie kümmert. Manchmal aber fühlt die Florstädterin sich einsam. Bis die Bürgerhilfe ihr Irmtraud Lehr vorgestellt hat.
09. September 2018, 12:05 Uhr
Gesucht und gefunden: Erika Werner (l.) hat sich von der Bürgerhilfe eine Gesellschafterin gewünscht – und mit Irmtraud Lehr eine neue Freundin bekommen. (Foto: dab)

Vornehmer Kram ist nichts für Erika Werner, die in halb Florstadt unter ihrem Mädchennamen bekannt ist: Erika Braun, oder, wie es im Ort heißt, »Die Braune Erika«. Wenn sie erzählt, dass sie jetzt eine »Gesellschafterin« hat, ist klar, dass sie das mit einem Augenzwinkern sagt. Und doch ist es ihr ernst mit ihrem Anliegen: andere Ältere zu ermuntern, sich jemanden zu suchen, der zuhört, mit einem schwätzt und von früher erzählt.

Keine Frage: Auf ihre Familie kann Werner sich verlassen: Arztbesuche, Einkäufe oder Mittagessen – selbstverständlich ist immer jemand da, der sich kümmert, sie fährt, etwas besorgt, kurz: der ihr den Alltag erleichtert. Und dadurch ermöglicht, dass sie auch mit 91 Jahren noch in ihrem vertrauten Zuhause wohnen kann.

 

Vermittlung dauerte keine Woche

 

»Ich bin nie allein – aber manchmal bin ich einsam«, sagt Werner. Jemand zum Reden, mal zwischendurch, einfach nur so, das wäre schön. Natürlich haben ihre (Enkel-)Kinder nicht immer Zeit dafür, dafür hat die 91-Jährige Verständnis. Sie haben selbst eine Familie, einen Beruf, und sie kümmern sich ja schon.

Früher, als Erika Werner noch mobil und ehrenamtlich tätig war, kam sie ständig unter Leute – und sofort mit ihnen in Kontakt. Sie ist eine herzliche Frau, die offen auf andere zugeht und ihnen gerne zuhört. Heute bleiben ihr nur Telefonate, um den Kontakt nach außen zu halten, und hin und wieder die Besuche von Freunden und Bekannten.

Doch auch Lamentieren ist nichts für Erika Werner, die drei Kinder großgezogen hat und dabei immer arbeiten gegangen ist. Drei Wochen traurig sein reichten aus, um zur Tat zu schreiten. Da gibt es doch die Bürgerhilfe, erinnerte sie sich. Die hat sie bislang nie gebraucht, weil die Familie sie ja entlastet, wo es nur geht. Das ist schon viel. Viel mehr, als andere Senioren haben. Das weiß Erika Werner.

Trotzdem. Ein Anruf kann ja nicht schaden. Sie schildert ihre Wünsche, und die Ehrenamtlichen der Bürgerhilfe legen mit ihrer Arbeit los. Wer könnte infrage kommen? Wer kann gut mit älteren Menschen umgehen? Und, besonders wichtig, wer passt zu Erika Werner – und umgekehrt?

Die seit 13 Jahren erfahrenen Nachbarschaftshelfer haben bald eine Antwort gefunden: Irmtraud Lehr, das müsste doch klappen! Beide Frauen interessieren sich für die Florstädter Geschichte, das könnte eine gute Basis sein. Keine Woche später steht die 69-Jährige das erste Mal vor Werners Tür, das war Ende Juni. Und die beiden passen wirklich zueinander: Aus den angedachten zwei Stunden pro Woche werden gerne mal vier oder fünf.

Die beiden verbindet nicht nur, dass sie gebürtige Florstädterinnen sind, sie dieselben Menschen und Geschichten kennen und sich nicht erst groß erklären müssen, was wann wo einmal war. Erika Werner erzählt der Jüngeren auch von deren Familie: Dort ist sie ein- und ausgegangen. »Das waren die einzigen in Florstadt, die draußen gegessen haben«, erinnert sich Werner.

 

Traute Runde am Küchentisch

 

Lehr wiederum betont die Lebenserfahrung der Älteren, von der sie profitiere. Und: »Sie war immer schick gekleidet, nicht in Kittelschürze, so wie die anderen, das sah toll aus!« – »Ach«, wiegelt die 91-Jährige ab, die jahrelang im Außendienst tätig war und allein deshalb auf ihre Kleidung achten musste, wie sie sagt: »Oft habe ich aus zwei Kleidungsstücken eins gemacht.«

So sitzen die beiden in trauter Runde am Küchentisch und sprechen von früher. »Wir brauchen kein Programm«, sagt Werner. »Es fällt eins ins andere. Die Chemie stimmt einfach zwischen uns.«

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