10. Juni 2017, 06:00 Uhr

Sexueller Missbrauch

47-Jähriger fordert Nacktfotos von Minderjährigen

Immer wieder hat sich ein Ortenberger im Netz als 14-Jähriger ausgegeben und von seinen minderjährigen Opfern Nacktfotos gefordert. Jetzt wurde er verurteit. Die Strafe verwundert.
10. Juni 2017, 06:00 Uhr
Immer wieder hat sich der 47-jährige Angeklagte als 14-Jähriger ausgegeben und seine Opfer im Netz dazu aufgefordert, ihm Nacktfotos zu schicken. (Symbolfoto: dpa)

Mit einem blauen Auge, einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung, ist ein 47-jähriger Straßenbauarbeiter aus Ortenberg für seine sexuellen Verfehlungen an Kindern davon gekommen. Über das Chatportal »Moviestar« im Internet hatte sich der Angeklagte, selber Vater einer erst fünf Jahre alten Tochter, als 14-Jähriger ausgegeben und an kleine Mädchen herangemacht.

Bei zwei Mädchen, einer Zwölfjährigen und einer Elfjährigen, war er, trotz Aufbietung alle seiner Verführungskunst gescheitert. Sie hatten seinen Schmeicheleien und Komplimenten widerstanden und nicht wie von ihm gefordert ihre Oberkörper entblößt. Dies wertete die Staatsanwaltschaft deshalb auch nur als versuchte sexuelle Misshandlung von Minderjährigen.

Ganz anders hingegen verhielt es sich bei einer anderen Elfjährigen. Auch ihr gegenüber gab sich der Angeklagte Anfang Oktober 2014 als 14-Jähriger aus, erklärte aber im selben Atemzug, dass sie eigentlich viel zu jung für ihn sei. Weil die Elfjährige das Gespräch daraufhin aber nicht abbrach, forderte er sie zu gezielten sexuellen Handlungen auf. So sollte sie sich mit Gegenständen selbst befriedigen und davon Bilder machen, die sie ihm zusenden sollte. Als sie ihm mitteilte, dass ihr das wehtäte, hatte er ihr noch genauere Anleitungen gegeben und angeboten, selbst vorbeizukommen, um mit ihr zu schlafen. Während dieses Chats am 4. Oktober wurden auch Fotos von den Geschlechtsteilen der beiden Gesprächspartner ausgetauscht.

Auf die Schliche war die Polizei dem Angeklagten gekommen, weil er mit pornografischen Bildern und Videos von Kindern im Internet gehandelt hatte. Bei einer Untersuchung seiner Wohnung wurden über 700 Fotos und 60 Videos von Kindern bei pornografischen Handlungen bei ihm gefunden. Dafür wurde der Angeklagte zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Bei der späteren Auswertung seines Handys wurden dann auch die beiden Versuche sexuellen Missbrauchs an Kindern sowie die eine vollendete Tat durch den Angeklagten festgestellt. Der 47-Jährige räumte die Taten bei der Verhandlung unumwunden ein. Er habe schwere Fehler gemacht und sei in die Angelegenheit mit den Fotos mit der Zeit immer tiefer hineingerutscht. Eine Veranlagung hin zur Kinderpornografie wollte er bei sich aber nicht festgestellt haben.

In therapeutischer Behandlung

Trotzdem habe er sich nach dem ersten Gerichtsprozess sofort in therapeutische Behandlungen begeben. »Er lässt sich seither in Einzelgesprächen therapieren, um eine ähnliche Handlung zukünftig ausschließen zu können«, sagte sein Verteidiger vor Gericht. Da sich die Taten alle vor dem ersten Gerichtsverfahren abgespielt hatten, ließ auch die Staatsanwaltschaft Milde walten und forderte, zumal sich der Angeklagte im vollen Umfang geständig zeigte und deshalb auch auf die Aussagen der minderjährigen Mädchen verzichtet werden konnte, deshalb nur eine Gefängnisstraße von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung. In diesem Strafrahmen war auch die Vorstrafe wegen Besitz kinderpornografischer Bilder enthalten.

Das Gericht blieb, auch auf Anraten der Verteidigung, sogar noch unter diesem Strafmaß und verurteilte den Angeklagten lediglich zu 20 Monaten Haft auf Bewährung. Damit bleibe Luft für eine weitere Bestrafung auf Bewährung in einem eventuell weiteren Verfahren aus den damaligen Vorgängen, das sich im Zuge der Ermittlung gegen Dritte wegen Kinderpornografie möglicherweise auch noch gegen den Angeklagten ergeben könnte. Der Angeklagte wie auch die Staatsanwaltschaft verzichteten noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel gegen das Urteil, sodass es rechtskräftig ist.

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