27. Januar 2015, 17:33 Uhr

Songwriter-Wettbewerb: Mit Flut und Wind zum Sieg

Friedberg . Sebastian Göbel hat den ersten von sechs geplanten Singer-Wongwriter-Wettbewerben in der Musikkneipe »Backstage« gewonnen. Damit ist er der erste Teilnehmer des großen Finales am Jahresende.
27. Januar 2015, 17:33 Uhr
Sebastian Göbel beim Auftritt im »Backstage«. (Foto: Jürgen Wagner)

Als Anfang der 1960er Jahre mit Künstlern wie Bob Dylan oder Joni Mitchell der Begriff Singer-Songwriter populär wurde, gab es noch keine Slams. Im »Wettstreit« standen die Musiker dennoch, wenn sie in den Kneipen des Greenwich Village in Manhattan ihre eigenen Songs vorspielten. Wer auffiel, konnte auf neue Auftritte und Plattenverträge hoffen. Der Singer-Songwriter-Slam am Samstagabend in der Musik- und Kleinkunst-Kneipe »Backstage« von Harry Thyssen setzt diese Tradition fort. Sechs Abende und ein großes Finale sind übers Jahr hinweg geplant, den ersten Slam gewann der Wölfersheimer Gitarrist und Sänger Sebastian Göbel, der das Publikum mit der berührenden Ballade »Flut und Wind« sowie filigranem Fingerpicking überzeugte. Ein starker Auftakt.

Der Singer-Songwriter-Slam könnte sich zur Kultveranstaltung entwickeln. Musiker wie Publikum hatten ihren Spaß, was auch an den Moderatoren lag. Olli Grommet und Mike Sonntag von der Band Landratten führten mit Witz und guter Laune durch den Abend. Sie überzeugten auch selbst als versierte Liedermacher, die in Songs wie »Das ist unsere kleine Welt« groovigen Jazz mit launischem Chanson verbinden. Auf Gitarre, Cajón, Akkordeon, Kazoo und Milcheimer-Deckel spielten sie Lieder vom »Fichtekränzi«, das einst überm Eingang der Äppelwoikneipen hing oder von der Fraa Rauscher aus Galapagos, sorry, aus der Klappergass, die bekanntlich »e Beul am Ei« hat.

Fünf Kandidaten traten an, das Publikum durfte am Ende Punkte verteilen und den Sieger bestimmen. Wobei es den Akteuren allesamt gar nicht so sehr um den Sieg ging. Claus »Cede« Weber (Friedberg) zum Beispiel gab als Motto »Wer probt, ist feige« aus und räumte unumwunden ein, »dass ich gar keine Gitarre spielen kann«. Stimmt. Macht aber nichts, denn der Song war klasse. »Travellers in time« heißt er, ein Stück über Freundschaft, das Cede, der »eigentlich Drummer« ist, mit schöner, rauchiger Stimme vortrug.

Ein guter Songwriter müsse Geschichten erzählen, sagte Laslo Schütt aus Gründau, der nächste Kandidat. »Ich bin« heißt sein Song, der musikalisch von der Musik James Taylors inspiriert ist und zu gefühlvollem Gitarrenspiel Fragen nach dem eigenen Standpunkt im Leben aufwirft. Ein dynamischer, überzeugender Vortrag.

»Ich bin eigentlich kein Gitarrist«, stellte sich Thommes aus Glauburg-Stockheim vor und fügte zur Freude des Publikums hinzu: »Ich bin Drummer.« Keine schlechten Voraussetzungen für einen Gitarristen, denn Thommes prägnante Schlagtechnik und sein klarer Gesang können sich hören lassen. »Frieden auf Erden« lautete sein Titel, der zwar etwas plakativ klingen mag, aber dennoch in einfachen Worten ein Problem zur Sprache bringt, das alle etwas angeht: Wir sollten mehr miteinander reden als uns die Köpfe einzuschlagen.

Das Losglück wollte es, dass die beiden letzten Künstler am Ende die ersten in der Wertung waren. Volker Michel (Friedberg), der mit seinen Songs bereits einen Soloauftritt im »Backstage« absolvierte, brachte die Zuhörer zunächst zum Schmunzeln (»Ich bin eigentlich kein Gitarrist« – allerdings ist er auch kein Drummer, sondern klassischer Hornist). Sein mit viel Tempo und Drive vorgetragener Song »Geiler Abend« meint eigentlich den späten Vormittag nach einem solchen Abend, wenn sich in der Küche das Geschirr türmt und man am besten nicht in den Spiegel schaut, bevor man geduscht hat. Bei der Zugabe klatschte das Publikum begeistert mit, der Sieger schien festzustehen.

Gänsehaut-Feeling

Doch dann kam Sebastian Göbel und sorgte im »Backstage« für dreieinhalb Minuten atemlose Stille, die nur vom perfekten Fingerpicking und seiner sanft-rauchigen Stimme erfüllt war. Behutsam und zerbrechlich wirkte die, und sie war ganz nah dran an dem, was er in »Flut und Wind« besang: die langen Straßen dieser Welt, die Flut, die ihn mit fortreißt und der Wind, der ihn treiben lässt – und irgendwann wieder nach Hause lotst. »Das war deep from the bottom of your heart«, zollte Grommet dem jungen Kollegen Respekt, und das Publikum sah es genauso. Zigmal gab es für ihn die volle Punktzahl, 207 waren es am Ende, gefolgt von Volker Michel mit 158 Punkten und den drei Kollegen, die in der Wertung ganz eng beieinander lagen. Als Preis durfte Göbel weitere Songs spielen, es gab einen Verzehrgutschein und er ist im Dezember beim großen Finale dabei.

Der nächste Singer-Songwriter-Slam steigt im März, alle zwei Monate geht es dann weiter. Wer am Ende des Jahres die Nase vorn hat, darf sich auf einen Auftritt bei einem großen Festival freuen. Harry Thyssen hat schon eine ganze Reihe von Kandidaten für die nächsten Gigs, Anmeldungen sind aber noch möglich (www.backstage-friedberg.de). Jürgen Wagner

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