Bismarckstraße: 120-jährige Robinie wegen Fäulnis gefällt

Friedberg (jw). Wieviele Schoppen sind unter diesem Baum gepetzt worden? 120 Jahre alt soll er sein, 17 Meter hoch, 1,30 Meter Durchmesser. An heißen Sommertagen warf er kühlen Schatten auf den Garten der Musikkneipe »Bei Costa« in der Bismarckstraße. Gestern wurde die Robinie gefällt.
02. April 2012, 16:18 Uhr
Passanten beobachten, wie die rund 17 Meter hohe Robinie Ast für Ast verliert.

Die Wurzeln waren morsch, die Standsicherheit nicht mehr gegeben. Ein Skandal, meint die BI Pro Baum und kritisiert die Naturschutzbehörde.

Die Robinie am Eingang der Bismarckstraße kennt jeder, der dort einmal vorbeigegangen ist. Ein mächtiger Baum, höher als das vierstöckige Wohnhaus dahinter. Gestern Morgen schreiten die Baumpfleger der Firma Bleul aus Rosbach zur Tat. »Der Baum ist nicht mehr zu retten«, sagt Thomas Bleul gegenüber der WZ. »An der Wurzel ist er ausgehöhlt.« Zum Beweis steckt Bleul seinen rechten Unterarm in den Baum. Bei Bauarbeiten, als vor Jahren der Gehweg neu angelegt wurde, seien die Wurzeln so stark beschädigt worden, dass sie faulten.

Ein Mitarbeiter des Stadtbauamtes bestätigt die Bauarbeiten, zwischen 2000 und 2002 sei dies gewesen. Ob damals Schäden am Wurzelwerk gemeldet wurden, sei aber nicht bekannt und nicht nachvollziehbar; der damals zuständige Mitarbeiter sei in Rente. Ausschachtarbeiten an Wurzeln müssen mit der Hand vorgenommen werden. »Viele machen das trotzdem mit dem Bagger«, sagt ein Baumpfleger. Kontrolliert werde das nicht. Ein Rathausmitarbeiter bestätigt das indirekt: »Da machen die Bauarbeiter dann schnell Schotter drauf und die Behörde kriegt den Schaden erst gar nicht mit.«

Die BI Pro Baum wollte laut Jürgen Schmalfuß die Pflege des kranken Riesen übernehmen. »20 bis 30 Jahre« hätte der Baum noch leben können, sagt Schmalfuß. Bleul widerspricht: »Der Baum hat keine Chance mehr.« An den dicken Ästen, die nach und nach abgesägt werden, bricht die Rinde ab, darunter kommt eine mehlige Schicht zum Vorschein. Kleine Äste aus der Krone sind total morsch, brechen wie Streichhölzer weg.

Schmalfuß wirft der Unteren Naturschutzbehörde vor, den Eigentümer nicht dabei unterstützt zu haben, als der den Baum zum Naturdenkmal erklären lassen wollte. Wie eine Sprecherin des Wetteraukreises sagt, sei der Baum »schon vor zehn Jahren kränkelnd« gewesen: »Der Pflegeaufwand hätte den Kreis enorm viel Geld gekostet, deshalb haben wir dies abgelehnt. »Der Eigentümer wurde alleingelassen«, urteilt BI-Sprecher Schmalfuß. Man könne daher verstehen, warum er nun aus Sicherheitsgründen diese Entscheidung getroffen habe.

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