29. März 2012, 14:08 Uhr

Hausärzte fordern Abschaffung der Praxisgebühr

Friedberg (jw). In den letzten Tagen wurde wieder über das Für und Wider der Praxisgebühr diskutiert. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) forderte, die Praxisgebühr in Zukunft nicht mehr zu erheben. Die CDU jedoch lehnt dies ab. Der Hausärzteverband Wetterau kann das nicht nachvollziehen.
29. März 2012, 14:08 Uhr
Die Praxisgebühr bleibt ein Zankapfel in der Berliner Koalition. Die Hausärzte kritisieren dies. (Foto: Matthias Preising/Pixelio)

Wie der Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Pilz (Ockstadt) vom Vorstand des Hausärzteverbandes mitteilt, verursacht die Abrechnung der Gebühr – die an die Krankenkassen weitergegeben wird – in den Arztpraxen enorme Kosten.

Der bei Ärzten wie bei der Bevölkerung populäre Vorschlag der FDP, die Praxisgebühr abzuschaffen, wurde nach Ansicht von Pilz »wohl aus Gründen der Revanche für die Wahl unseres neuen Bundespräsidenten Gauck von der CDU in der Bundesregierung wieder verworfen«. Viele Personen und Institutionen hätten bislang zu dieser Frage Stellung bezogen. »Die Meinung der Hauptbetroffenen, nämlich der Allgemeinmediziner, hat bislang niemanden interessiert.«

Hauptbetroffen seien die Allgemeinmediziner deshalb, »weil in unseren Praxen der größte Anteil der Praxisgebühr einzogen, verbucht und mit dem Honorar verrechnet werden muss«. Der Aufwand für diese Tätigkeit sei, da es rund 70 unterschiedliche Tatbestände bei der Einziehung der Gebühr gebe, enorm hoch. Pilz: »Leider hat der Gesetzgeber vergessen, den Praxen für die Tätigkeit des Inkassos für die Krankenkassen auch eine entsprechende Vergütung zuzugestehen. « Deshalb habe jede Praxis entweder eine halbe Arzthelferinnenstelle zusätzlich schaffen oder die Arbeit des bestehenden Personal nach einmal deutlich verdichten müssen. Beim Inkasso solcher großer Summen komme es immer wider zu Unklarheiten, Konflikten und Auslegungsschwierigkeiten, am Ende des Quartals fehlten oft nicht unbeträchtliche Summen der Kassengebühr. Pilz: »Diese Summe muss die Praxis aus ihrem Gewinn begleichen und gleichzeitig auch noch versteuern, da sie als erhaltenes Honorar auf der Honorarabrechnung erscheint. So bleiben wir auf insgesamt hohen Kosten sitzen, ohne dass die Steuerungsfunktion der Gebühr, die für ihre Einführung herhalten musste, erkennbar wäre.«

Zuletzt wurden in der Presse Projekte vorgestellt, wie der Hausärztemangel besonders auf dem Lande bekämpft werden kann. Pilz: »Die Abschaffung der Praxisgebühr ist unseres Erachtens eine ganz wichtige Maßnahme, den beruflichen Alltag in einer Allgemeinarztpraxis zu entlasten und den Beruf für jüngere Kollegen und Kolleginnen wieder attraktiver zu machen.« Keinesfalls dürfe die Klärung dieser Fragen »irgendwelchen politischen Opportunitäten oder Eifersüchteleien innerhalb der Regierung zum Opfer fallen«, meint Pilz. Die Wetterauer FDP-Vorsitzende Elke Sommermeyer sieht das ähnlich: »Ich bin völlig der Meinung der Ärzte, dass die Praxisgebühr abgeschafft werden muss. Wenn genug Geld bei den Krankenkassen vorhanden ist, sollen die das den Bürgern zugute kommen lassen.« Die Liberalen vor Ort hätten allerdings wenig Einfluss bei dieser Frage. Sommermeyer: »Wir haben unsere Meinung dazu bereits an die höheren Parteiebenen weitergegeben, die Frage wird im Landesverband weiter diskutiert.«

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