11. September 2018, 20:17 Uhr

Wo Menschen zusammenkommen

11. September 2018, 20:17 Uhr
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Sie freuen sich über 30 Jahre Bürgeraktive (v. l.): Silke Schöck von der Sebsthilfekontaktstelle, Susanne Strombach (AOK), Bürgermeister Thomas Stöhr und Eva Rabold von der Sebsthilfekontaktstelle. (Foto: Seipp)

»Ich erinnere mich zurück, als wäre es gestern gewesen«, erzählt Anke Tuengerthal. Sie spricht über die Gründungszeit der Bürgeraktive von 30 Jahren. »Einmal standen wir am Bahnhof und haben Leute angeregt, mitzumachen, manche haben uns komisch angeschaut. Fremde Leute einfach ansprechen, das war damals gar nicht üblich«, sagt sie.

Mehr als 100 Gäste im Gemeindezentrum St. Nikolaus hören ihr am Samstag zu. Thüngerthal gehört zu den Personen, die bei der Gründung mit dabei waren. »Bürgermeister Biwer wollte einen Ort zur Begegnung schaffen. Ehrenamtlich sollte das sein.« In vielerlei Hinsicht sei das Konzept der Bürgeraktive neu gewesen. So ging es dem Verein nicht um Sport oder Veranstaltungen, sondern einzig um den Menschen und Möglichkeiten zu schaffen, Menschen zusammenzubringen und gesellige Gemeinschaft zu stiften.

Schnell war ein aktiver Kern gefunden. »Das war eine großartige Aufbruchstimmung«, erinnert sich Thüngerthal. »Der Zusammenhalt war sehr stark und wir halfen uns gegenseitig.« Das Motto »Eine Stadt hilft sich selbst« entstand. »Es gab keine Konkurrenz zu anderen Vereinen«, sagt Helga Bluhm. »Es wurde zusammengearbeitet.« An der Frankfurter Straße Nummer 15 entstand das Büro. »Es stand immer offen für alle. Und so ist es ja heute noch.«

Geben gehört dazu

Langfristige Ziele gab es nie. Stets entwickelte sich der Verein am Bedarf der Menschen: »Wir fragten: Was interessiert uns, was möchten wir teilen«, erklärt Bluhm. »Zuerst entstand ein Kreis zu Erziehungsfragen, dann ein Frauenkreis. Alles diente der Selbstfindung und dem Helfen.« Auch in den folgenden Jahren tat sich einiges: Immer neue Gruppen entstanden und immer mehr Leute kamen dazu. Eine davon ist Doris Hofmann-Berger. »Gute Erinnerungen habe ich an die ›Atem ist Leben‹-Gruppe«, erzählt sie. »Noch heute wende ich damals gelernte Techniken an. Doch ich wollte nie nur nehmen: Für mich gehört bei der Bürgeraktive das Geben dazu. Angebote aktiv mitgestalten, das war mir sehr wichtig.«

»Nachdem ich in Rente ging, wollte ich wieder Englisch lernen«, erzählt Georg Brennig. In der Gruppe könne er sich ausprobieren und mal Fehler machen. Mit der Zeit verschob sich der Fokus der Bürgeraktive: Es entstanden viele Selbsthilfegruppen zu medizinischen Fällen. »Für uns ist das eine wichtige Stütze«, sagt Rüdiger Hamber von der BiLi-Gruppe, bei der es darum geht Menschen mit Behinderungen zu integrieren. »Wir haben viel Spaß. Besonders schätzen es die Teilnehmer, dass wir dort auch mal nicht über die Krankheit sprechen, sondern Ausflüge unternehmen und einfach mal leben können. Das alles hat das Leben so vieler Menschen bereichert.«

»Ohne unsere Förderer wäre die ehrenamtliche Arbeit nicht möglich«, sagt Eva Rabold von der Selbsthilfekontaktstelle der Bürgeraktive. Ihr Dank ging an den Wetteraukreis, die gesetzlichen Krankenkassen und die Stadt Bad Vilbel.

»Die Arbeit, die in den Selbsthilfegruppen geleistet wird, kann man nicht hoch genug schätzen«, sagt Landrat Jan Weckler. »Es ist eine große Aufgabe bei mittlerweile 35 000 Einwohnern unserer Stadt solche Aufgaben zu leisten. Als mein Vorgänger Günther Biwer damals auf die Idee kam, konnte noch niemand ahnen, wie sich alles entwickeln würde«, sagt Bürgermeister Thomas Stöhr. Das langfristige Engagement der Bürgeraktive zeige, wie lebendig die Stadt ist, hier werde niemand im Stich gelassen.

»Gerne helfen wir bei ihrer Arbeit mit Fortbildungen weiter«, sagt Susanne Strombach, Koordinatorin Patienten und Selbsthilfe bei der AOK. »Die Gesundheitskompetenz zu fördern, muss in Zukunft ein wichtiges Anliegen werden. Wir müssen weg vom Bild des Arztes als Halbgott in Weiß, hin zu einem informierten Patienten. Sie leisten da wirklich unschätzbar wichtige Arbeit.«

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