22. Juni 2018, 05:00 Uhr

Nidderauer Nahverkehr

Viabus übernimmt am Sonntag

Eine neue Epoche beginnt im Nidderauer Nahverkehr: Ab Sonntag ist der neue Stadtbus unterwegs – mit neuem Betreiber. Fahrzeuge des umstrittenen Unternehmens Viabus fahren dann auf neuen Linien. Die Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) gibt sich Mühe, dass alles reibungslos klappt.
22. Juni 2018, 05:00 Uhr
Bisher interimsweise, ab Montag jeden Tag sind die Busse von Viabus in Nidderau unterwegs. Sie verkehren dann auch als neuer Stadtbus der Linie 45. (Foto: Zöllner)

Spricht man dieser Tage mit Verantwortlichen des Langenselbolder Busunternehmens Heuser, dann klingt tiefe Traurigkeit aus den Stimmen. Nein, eigentlich möchte sie gar nichts mehr dazu sagen, erklärt Firmenchefin Inge Bahr. Busse von Heuser sind ab Sonntag nicht mehr im Raum Gelnhausen/Langenselbold unterwegs. Ebenso wie kein Bus des Altenstädter Unternehmens Stroh mehr durch Nidderau fährt. Beide waren bei der Neuvergabe der Buslinien unterlegen gewesen: Die KVG hatte der Firma Viabus aus Speyer den Zuschlag gegeben, einer Tochter eines britischen Finanzinvestors. Gegen die Entscheidung haben die unterlegenen Firmen Widerspruch eingelegt. Denn Viabus hält sich laut eigener Finanzberichte nur durch Finanzspritzen der Konzernmutter über Wasser.

Regierungspräsidium entscheidet

Ist die Vergabe an Viabus daher unfair? Darüber entscheidet die Vergabekammer des Regierungspräsidiums in Darmstadt. Mehrfach schon hatte sie den Termin für eine Entscheidung verschoben. Jetzt gerade ein erneutes Mal, bestätigt RP-Sprecher Dieter Ohl. So lange liegt die Vergabe auf Eis.

Damit überhaupt ab Montag noch Busse fahren, hat die KVG eine Notvergabe gemacht – und dafür ebenso Viabus gewählt statt der lokalen Anbieter. Allein der Preis habe gezählt, hatte Landrat Thorsten Stolz (SPD) betont.

Klar ist: Nach einem halben Jahr Pause wird wieder ein Stadtbus fahren, und zwar wieder ein »großer« Bus statt des glücklosen »Bürgerbus-Express«. Der war zweieinhalb Jahre lang nur mit einem Kleinbus durch die Stadt gegondelt – häufig ohne Gäste.

»Um alle betroffenen Bürger über die umfangreichen Fahrplanänderungen zu informieren, hat die KVG ein großes Rundum-Paket geschnürt«, erläutert Landrat Stolz.

Warum aber hätte die KVG nicht die lokalen Betreiber weiterfahren lassen können? »Bei der Vergabe von Verkehrsdienstleistungen ist – auch wenn man persönlich eine andere Auffassung hat – allein das Vergaberecht maßgebend«, erklärt der Landrat als oberster KVG-Aufseher. Es sei »immer unbefriedigend, wenn Aufträge an Unternehmen außerhalb unseres Landkreises gehen«, sagt Thorsten Stolz. »Diesen Wettbewerb hat der Gesetzgeber aber ausdrücklich so gewollt.«

Wettbewerb hat Folgen

Die Folgen dieses Wettbewerbs kann der deutlich größere Betrieb Stroh aus Altenstadt wohl noch wegstecken. »Wir waren mit einem Fahrzeug in Nidderau unterwegs«, erklärt Prokurist Rolf Heuser. Fahrzeug und Fahrer werden nun auf anderen Linien eingesetzt.

Beim Unternehmen Heuser dagegen gibt es den größten Teil der Fahraufträge ab Sonntag nicht mehr. Die meisten der Fahrer seien bei benachbarten Betrieben wie Stroh, Racktours in Erlensee und den Kreiswerken in Gelnhausen untergekommen, erklärt Bahr. Nach 88 Jahren dürften 2019 wohl die Lichter ausgehen in dem Traditionsbetrieb.

Spannend wird es jetzt dennoch für die Fahrgäste in Nidderau. Spätestens zum Schuljahresbeginn am 6. August wird sich zeigen, ob das neue Fahrplankonzept der KVG funktioniert, Betreiber Viabus es umsetzen kann und sich dann auch mehr Kunden anlocken lassen.

Warten auf Schnellbus-Linie X27

Schon jetzt tut sich eine Lücke im Angebot auf. Eine der Linien beginnt ihren Dienst am Montag nicht wie geplant: der Schnellbus X27 Karben–Nidderau. Dessen Start hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) wegen Bauarbeiten in Karben auf Eis gelegt. In Nidderau sind seine stündlichen Rundfahrten durch Heldenbergen und Windecken jedoch als Ergänzung des Stadtbusses fest eingeplant.

Info

Die neue Linie 45

Eine neue Linie 45 verbindet ab Sonntag als Nidderauer Stadtbus alle Stadtteile mit der Kernstadt, gesplittet in mehrere Teil- Linien. - In einem großen Rundkurs werden Ostheim, Eichen, Erbstadt und Kaichen angebunden. Wer von dort zum Bahnhof will, muss aber oft noch eine Heldenbergen-Rundfahrt über sich ergehen lassen. - Positiv für Schüler aus Eichen, Erbstadt und Ostheim: Sie müssen ab 6. August morgens erst später los zur Bertha-von-Suttner-Schule und kommen schneller heim. - Die KVG hat eine eigene Beratungsstelle für den Fahrplanwechsel geschaffen: Telefon 0 61 81/9 19 20 und www.kvg-main -kinzig.de im Internet. (dpg)

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