07. September 2018, 12:16 Uhr

Innovativer Stadtteil

So soll in Bad Vilbel die Arbeitswelt der Zukunft entstehen

Im »Spring Park Valley« in Bad Vilbel sollen kluge Köpfe Ideen entwickeln. Sie können im Stadtteil leben und arbeiten. Zwischen Bahnhof und B 3 wird ein ein Quartier der Zukunft entstehen.
07. September 2018, 12:16 Uhr
Die neue Arbeits- und Wohnwelt der Zukunft soll in Bad Vilbel entstehen. Die Architekten haben schon mal eine Art Nachanimation produziert, so könnte die Smart City also im Dunkeln aussehen. (Fotos: Schultheis/pv)

Mehrere tausend Arbeitsplätze sollen ab dem 2022 vor den Toren Frankfurts entstehen. »Mit einem herkömmlichen Gewerbegebiet hat das, was wir hier entwickeln, aber nichts zu tun«, sagt Mit-Investor Jörg Peter Schultheis. Der 53-Jährige, der in Bad Homburg sein Büro hat, hat kürzlich die neueste Planung vor rund 100 Gästen beim Heuer-Forum beim Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main vorgestellt. »Über das, was wir da vorhaben, haben alle gestaunt«, sagt er selbstsicher.

Seit Schultheis die Pläne der Berliner Cesa-Group im März im Vilbeler Bau- und Planungsausschuss erstmals öffentlich präsentiert hat, sind sie präziser geworden. Herzstück sind acht sogenannte Themen-Domes, das sind Gebäude von ganz unterschiedlichem Charakter.

 

Treffen im Welcome-Dome

»Im Welcome-Dome machen wir regelmäßige Treffen. Dort finden Veranstaltungen zum Kennenlernen der Mitarbeiter verschiedener Unternehmen statt.« Denn auf dem Gelände sollen sich Entwickler aus großen und mittelständischen Unternehmen mit Start-ups treffen, also jungen Leuten, die Ideen haben. Gemeinsam sollen sie Projekte entwickeln, etwa im Bereich der Technik.

Dem steht etwa der Crazy-Chaos-Dome gegenüber: »Hier können die Mitarbeiter nach Lust und Laune was machen.« Ruhiger soll es dagegen im Quiet-Dome zugehen, ein Gebäude, in dem kein Handy-Empfang möglich sein wird »und in dem die Menschen entschleunigen können«, sagt Schultheis. Ihm schwebt dafür auch eine digitale Bibliothek vor.

Schultheis
Schultheis

Der Bad Homburger Mit-Investor des von ihm selbst auf rund 600 bis 800 Millionen Euro Investitionssumme geschätzten Projektes, will »den Begriff Arbeiten umgehen«. Vielmehr sollen die Menschen auf das Gelände kommen, »um Ideen zu verwirklichen in einem guten, stressfreien Umfeld«.

 

Food-Plaza in der Mitte

Deshalb werde es auf allen Gebäuden auch begrünte Dächer geben, auf denen zum Teil auch Gastronomie angesiedelt werde. Die Restaurants und sonstigen Geschäfte, etwa kleine Kaffee-Shops oder die Einrichtungen des Food-Plaza in der Mitte des Geländes, sollen laut Schultheis für alle Bad Vilbeler zugänglich sein. »Wir wollen hier keine Closed-Area schaffen«, betont er. Das gesamte Gelände sei für alle zugänglich.

Firmen, die sich dort ansiedeln wollen, können bis maximal 20 Prozent der Flächen zu einem Quadratmeterpreis von 25 Euro anmieten, »aber alle Flächen auf dem Gelände nutzen«. Schultheis sagt: »Auf 80 Prozent der Flächen können sich die Mitarbeiter frei bewegen.« Sprich: Mal in diesem, mal in jenem Gebäude konferieren, sich mal in dieser Gruppe treffen, mal in einer anderen. »Auf dem Gelände wird viel Bewegung sein«, schätzt er.

 

Einmaliges Projekt

Mobilität spielt demzufolge eine große Rolle. Außer dem Stadtbus, der das Gelände umfährt, sollen zwölfsitzige Elektro-Shuttle-Busse mit maximal 20 Stundenkilometern die Menschen von einem zum anderen Gebäude bringen. »Wir werden auch in den Gebäuden insgesamt 1500 Parkplätze für Fahrräder schaffen.« Am Rande des Geländes soll ein riesiges Parkhaus mit 3800 Stellplätzen erbaut werden. »Wir planen mit 8000 Mitarbeitern«, sagt der Mit-Investor. Zudem soll es 200 kleine E-Autos geben, die nicht nur den Mitarbeitern auf dem Gelände, »sondern allen Bad Vilbelern zur Verfügung stehen«. Die Verkehrsplanung von IMB-Plan sei komplett, sie sei genehmigt »und wird funktionieren«. Zudem sei auch das Grünflächenkonzept fertiggestellt, bis Ende des Jahres sei das Raumkonzept vollständig.

Mit dem Baubeginn für das Mega-Projekt, das nach Meinung der Investoren »weltweit einmalig ist«, dürfte es aber noch dauern. Im Oktober 2019 sollen die Erschließungsarbeiten starten, im Frühjahr 2020 dann der Bau der Gebäude. Zwei Jahre später sollen die ersten Firmen dort einziehen. Welche das sind, mag Schultheis noch nicht preisgeben. Bei dem Gespräch fällt allerdings dann doch der erste Name: »Mit der Firma Bosch diskutiere ich intensiv.«

 

Info

Wohnen, Gewerbe, Freizeit

Die Smart City soll nahe dem Neubau-Wohnviertel Quellenpark entstehen. Die Investoren wollen Wohnen, Freizeit und Arbeiten miteinander verknüpfen. Auf rund 90 000 Quadratmetern Fläche ist ein High-Tech-Campus für Großfirmen, mittelständische Unternehmen und Start-ups geplant. Hier soll auf der Basis allerneuster Glasfasertechnik und flächendeckender 5G-Funktechnologie flexibel gearbeitet werden. Den Visionären schwebt die Arbeitswelt von morgen vor: freie Platzwahl statt fester Büros, zwischendurch ein Essen mit Freunden oder Familie oder ein Besuch im Fitnessstudio. Die Investitionssumme schätzt Schultheis auf 600 bis 800 Millionen Euro. In einem Interview hat er gesagt, Grundstücke und erste Bauschritte sollen aus dem Kapital bezahlt werden, das die Gesellschaft habe. Rund 400 Millionen Euro sollen von Finanzpartnern kommen. Im Oktober wird sich das Stadtparlament mit der Offenlage des Bebauungsplans befassen. Der Mit-Investor hat angekündigt, dass er ein Update des Projektes in einer Ausschusssitzung vorstellen will. (pe)

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