01. Juni 2018, 07:00 Uhr

»Mongol Rally«

Rallye für Umweltschutz und Pressefreiheit

Die Bad Vilbelerin Ann-Katrin Reuel will von Prag über den Kaukasus auf der Seidenstraße bis nach Ulan Ude nahe der mongolischen Grenze in Russland die »Mongol Rally« fahren. Mitte Juli geht’s los.
01. Juni 2018, 07:00 Uhr
Mitte Juli startet Ann-Katrin Reuel mit ihrem Team bei der »Mongol Rally«. Bis dahin lernt sie in der Bad Vilbeler Stadtbibliothek Russisch. (Foto: fkl)

A ls Ann-Katrin Reuel, gebürtige Bad Vilbelerin, die nebenbei noch für den Ironman trainiert, im Internet von der »Mongol Rally« las, war die 23-Jährige begeistert. »Aber ich habe festgestellt: Alleine kannst du das nicht machen.« Über Facebook fand sie ihre beiden Mitfahrer, Matt Cramer aus Bonn und Chris Roberts aus Washington.

Sechs bis acht Wochen wollen die drei unterwegs sein – bereits eingerechnet, dass ihr Auto statistisch gesehen ungefähr achtmal kaputtgehen wird. »Deshalb sind wir auf der Suche nach einem relativ alten Auto mit möglichst wenig Elektronik, damit wir es selbst reparieren können.« Dann ist Reuel gefragt, die sich schon intensiv auf die Rolle der Teammechanikerin vorbereitet. Außerdem verbringt sie viel Zeit in der Stadtbibliothek, um Russisch zu lernen. »Wir fahren viel durch die ehemalige Sowjetunion. Ältere Generationen können uns hoffentlich auf Russisch helfen.«

Nicht nur Spaß und Abenteuer

Nicht nur der Spaß und das Abenteuer stehen für das Team im Vordergrund. »Wir werden Spenden in Höhe von mindestens 1000 britischen Pfund sammeln. Davon gehen 500 Pfund an »Cool Earth«. Die Organisation engagiert sich gegen Abholzung und für Umweltschutz«, erzählt Reuel. Außerdem will das Team »Reporter ohne Grenzen« unterstützen. Die Organisation setzt sich für Pressefreiheit in der ganzen Welt ein und hilft unterdrückten Journalisten. »Wir haben mit zunehmender Besorgnis die Attacken auf unabhängigen Journalismus verfolgt. In diesem Jahr wurden bereits 25 Journalisten getötet.« In vielen Ländern, die das Team durchqueren wird, herrsche wenig Meinungsfreiheit, etwa in Turkmenistan, Iran und Usbekistan. Die drei hoffen, auf ihrer Reise Journalisten zu begegnen, mit denen sie sprechen können. »Diese Interviews wollen wir dann auf sozialen Netzwerken posten, um ihnen mehr Unterstützung zukommen zu lassen.« Außerdem werde jedes Teammitglied 262 Kilometer laufen – einen für jeden Journalisten, der 2017 inhaftiert war.

Budget für Korruption

Besonders freut sich Reuel auf die Begegnungen mit den Einheimischen. »Ich möchte die andere Seite der zumeist negativen Berichte über die Region kennenlernen. Dort leben ganz normale Menschen mit Wünschen, Träumen und Zielen.« Sie habe gehört, dass besonders die Menschen im Iran sehr herzlich seien. »Dort würden wir sehr gerne hinfahren, sind aber nervös wegen der politischen Situation. Wir stürzen uns nicht in unnötige Risiken.« Auch sonst versuchten sie Gebiete zu meiden, wo es politische Spannungen gibt. Etwa an der Grenze zwischen Armenien und Aserbaidschan.

Die Feindschaft zwischen den beiden Ländern galt es auch bei der Organisation der Visa zu beachten. »Wenn man den Stempel des einen Landes im Pass hat, darf man gegebenenfalls nicht in das andere Land einreisen.« Deshalb haben die Abenteurer zwei Pässe beantragt. »Das ist übrigens ganz legal«, betont Reuel, die in Harvard den Masterstudiengang »Software Engineering« absolviert. Sicherheitshalber haben sie außerdem ein Budget für Korruption eingeplant.

Das Team sucht noch Sponsoren

Visa, Impfungen, ein Medizinpaket und Notfallversorgung gilt es vorzubereiten. »Wir können drei Tage ohne Zivilisation leben. Wir nehmen Huel mit, das ist Nahrung in Pulverform, die man in Wasser auflöst.« Auch Tabletten zur Wasserreinigung haben sie im Gepäck. Außerdem suchen sie nach Sponsoren, die ihnen Teile der Ausrüstung finanzieren – oder ein Auto. Auch wenn es noch viel zu regeln gibt, blickt Reuel voller Vorfreude auf den Start: »Ich bin bekennende Abenteurerin, ich brauche Herausforderungen, neuen Input. Ich fühle mich am wohlsten außerhalb meiner Komfortzone.«

Unter www.rallyforrsf.com, bei Facebook und Instagram berichtet das Team von seinen Erlebnissen. Die Route kann per GPS verfolgt werden.

Info

Wer darf mitfahren?

Seit 2004 gibt es die »Mongol Rally«, an der bis zu 300 Teams teilnehmen. Die Veranstalter »The Adventurists« (Abenteurer) stellen auf ihrer Internetseite drei Regeln für die Teilnahme auf. Das Auto darf höchstens einen Liter Hubraum haben. Die Teilnehmer erhalten keine Unterstützung. Sie können ihre Route wählen, nur der Start in Prag und das Ziel in Ulan Ude sind festgelegt. Die Teams müssen mindestens 1000 britische Pfund für Hilfsorganisationen sammeln, wovon 500 Pfund an die Organisation »Cool Earth« gehen. (fkl)

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