03. September 2018, 05:00 Uhr

Burg-Gräfenrode

Oberburg-Verkauf: Neue Zahlen, neues Feuer

Die Oberburg in Burg-Gräfenrode soll den Besitzer wechseln: Möglichst noch diesen Monat soll ein entsprechendes Inserat online gehen. In der Gemeindeversammlung haben die neuen Zahlen rund um den Verkauf erneut für hitzige Diskussionen gesorgt.
03. September 2018, 05:00 Uhr
JKÖ

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. 44 500 Euro laufende Kosten, 26 500 Euro Einnahmen durch Vermietung und Zuweisungen der Landeskirche – macht ein jährliches Defizit von 18 000 Euro. Selbst wenn die Kirche die noch in ihrem Besitz befindliche Oberburg grundsanieren würde – in einem ersten Schritt würden die Basisarbeiten mit 297 500 Euro zu Buche schlagen –, sieht der Kirchenvorstand der Gemeinde aufgrund dieser Zahlen keine Möglichkeit, das historische Gebäude zu halten.

Mit den neu präsentierten Zahlen hat Ina Lauster-Ulrich in der Gemeindeversammlung einmal mehr die Entscheidung des Kirchenvorstands klargemacht. Dieser sieht sich gezwungen, die Oberburg zu verkaufen (diese Zeitung berichtete). Laut einer Berechnung des Architekten Roland Trägner würde die Instandhaltung der Oberburg über einen Zeitraum von 30 Jahren die Summe von rund 1,2 Millionen Euro beanspruchen, sagte Lauster-Ulrich. Zahlen, wie sie in der letzten Versammlung explizit von den Roggauern gefordert wurden, konnte sie nun auch zum Thema Wert vorlegen: Laut einem neuen Gutachten beträgt der Verkehrswert der Oberburg 590 000 Euro.

 

Hitzige Debatte

 

Diese Zahlen haben in der jüngsten Versammlung deutlich gezeigt, dass das Thema weiterhin emotional aufgeladen ist. Im Stadtteil hat sich mittlerweile Widerstand gebildet, die Unterschriftenliste gegen den Verkauf der Burg wurde an die Kirchenvertreter übergeben. In einer erneut teils hitzigen Debatte wurde der Vorwurf laut, die nötigen Ausgaben würden ungleich in die Höhe gerechnet, während die Einnahmen gering gehalten würden, weil möglicherweise finanzielle Mittel für den Denkmalschutz fließen könnten.

Auch der Verkaufswert sorgte für Unmut und Spekulationen: So betonte ein Roggauer, dass für vergleichbare Gebäude und Areale in anderen Ländern mehr als eine Million Euro gezahlt würde, während eine andere Anwesende daran erinnerte, dass der Verkauf nur mit einer – sicherlich den Wert senkenden – Einschränkung verknüpft werde: Das Gelände soll weiter öffentlich zugänglich bleiben.

 

Architekt kommt nicht

 

Und auch an einer konkreten Zahl entzündete sich neuer Ärger: Rund 5000 Euro seien für die bisherige Arbeit des Architekten gezahlt worden, sagte die stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende auf eine Frage aus der voll besetzten Kirche. Auch wenn sich das Honorar an einer festen Gebührenordnung orientiert, kritisierten Anwesende die Summe. Der Architekt selbst konnte sich aufgrund eines »persönlichen Notfalls« nicht den Fragen der Roggauer stellen.

An der Entscheidung des Kirchenvorstands, zu verkaufen, hat der erneute Schlagabtausch nicht gerüttelt. Die Gemeindeversammlung kann zwar Bedenken, Wünsche und Bitten einbringen, die Entscheidung über den Verkauf liegt jedoch allein beim Kirchenvorstand. Und der hat einen entsprechenden Beschluss bereits vor Wochen getroffen. Die Landeskirche stärkt der Truppe um Lauster-Ulrich dabei den Rücken: Der Größe der Kirchengemeinde – nur rund 500 der 1500 Roggauer sind Mitglied – folgend stehen der Gemeinde laut Regularien 40 Quadratmeter zu, rechnete Markus Keller, Vorsitzender der Liegenschaftsabteilung der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, vor. Auch aus Sicht der Landeskirche sei der Verkauf daher »die richtige Entscheidung«.

 

Inserat auf Immobilienscout

 

Keller und seine Liegenschaftsabteilung werden den Verkauf nun offiziell ausschreiben und ein Inserat auf Immobilienscout stellen. Neben bislang drei potenziellen Interessenten – einer davon Philipp Freiherr von Leonhardi – sollen so weitere Kaufinteressenten die Möglichkeit bekommen, sich zu beteiligen.

Dass die Stadt als Käuferin auftritt, diesem Vorstoß erteilte Bürgermeister Guido Rahn (CDU) eine klare Absage. Zwar liege der Stadt viel daran, das Gelände weiter der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, Roggau bevorzugen könne er jedoch nicht. Auch er argumentierte mit Zahlen: Mit unter anderem neuem Feuerwehrhaus und einer neuen Trauerhalle würden in den nächsten Jahren bereits über drei Millionen Euro in Burg-Gräfenrode investiert.

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