31. August 2018, 12:00 Uhr

Oberburg-Diskussion

Oberburg: Es wird spannend

Ein spannender Sonntag steht Burg-Gräfenrode bevor. Denn es fällt die endgültige Entscheidung, ob die Oberburg verkauft wird oder nicht. Die Kirchengemeinde möchte die sanierungsbedürftige Immobilie loswerden. Aber Gegner des Verkaufs sammeln im Ort Unterschriften.
31. August 2018, 12:00 Uhr
Soll die Kirchengemeinde die sanierungsbedürftige Oberburg verkaufen oder nicht? Darüber entscheidet am Sonntag die Gemeindeversammlung. (Foto: pe)

Dass das historische Gebäude in der Burggasse saniert werden muss, steht schon seit vergangenem Sommer fest. Da musste die evangelische Kita wegen der maroden Elektrik ihren Betrieb einstellen. Doch auch die Fenster, häufig noch einfach verglast, entsprechen nicht mehr heutigem Standard. Auch die Fußböden und die Sanitäranlagen sind in dem Gebäude von vorgestern. Auf 300 000 Euro hat die Kirchengemeinde allein die Sanierung der Elektrik beziffert. Auf einer Pressekonferenz Anfang Mai wurde seitens des Kirchenvorstandes sogar schon ein potenzieller Käufer präsentiert: Patron Philipp von Leonhardi.

 

Gegner des Verkaufs sprechen von »Geschmäckle«

 

Für die Gegner eines Verkaufs hat das ein »Geschmäckle«. Sie zweifeln auch die genannten Zahlen an. Die Gruppe, in der sich auch Ortsvorsteher Karlfred Heidelbach engagiert, möchte das Gebäude weiter in Kirchenhand lassen und stemmt sich gegen einen Verkauf. Zudem verlangen die Verkaufsgegner mehr Informationen. Die sollen sie nun am Sonntag erhalten. Es wird sowohl der Architekt, der die Sanierungskosten geschätzt hat, anwesend sein, ebenso wie Vertreter der Amtskirche, sagt die stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende Ina Lauster-Ulrich. Namentlich will der Vorsitzende der Liegenschaftsabteilung der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau (EKHN), Markus Keller, nach Burg-Gräfenrode kommen. Er soll der Gemeinde belastbare Zahlen nennen. Auf Anfrage dieser Zeitung sagt er, die Gesamtkosten für eine Sanierung würden auf eine Million Euro beziffert. Dabei sei eine Kostensteigerung beim Bau von aktuell zehn Prozent noch gar nicht eingerechnet. Er bestätigt, was Lauster-Ulrich sagt: »Die 300 000 Euro für die Elektrik stehen.« Das sei die vom Architekten ermittelte Summe zur kompletten Erneuerung der Elektrik im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss. Eine detaillierte Kostenübersicht wird auch versprochen für die Sanierung der früheren Kita-Räume.

Zudem muss laut der stellvertretenden Kirchenvorstandsvorsitzenden bedacht werden, dass die Heizung über 25 Jahre alt sei. Das Dach sei nicht gedämmt, »und in dem Gebäude gibt es 70 Holzfenster«. Einige wenige seien schon ausgetauscht worden, das Gros aber sei immer noch einfach verglast. »Das wird eine teure Angelegenheit«, weiß die Stellvertreterin von Pfarrer Eckart Dautenheimer.

Sie hat die Finanzen fest im Blick und sagt, inzwischen gehe man auf nur noch rund 500 Gemeindemitglieder zu. Nach deren Zahl berechne sich die Zuweisung von Zuschüssen, die man für ein solches Sanierungsvorhaben von der EKHN erhalten könne. Keller ergänzt, die Gemeinde könne bei dieser Größe mit einem Zuschuss von knapp 100 000 Euro rechnen. »Die übrigen Sanierungskosten müsste die Gemeinde selbst aufbringen.« Dafür habe sie aber keine Rücklagen gebildet. Rücklagen existierten nur für die vermieteten Wohnungen im Obergeschoss.

Am Sonntag will der Kirchenvorstand, der wie die EKHN für den Verkauf des Anwesens eintritt, das Wertgutachten für das Grundstück vorlegen. Zudem wolle die Amtskirche den Verkauf öffentlich ausschreiben, wie Keller bestätigt. »Die Kirche will lediglich das Gebäude verkaufen. Aber die Kirchengemeinde will es weiterhin nutzen«, sagt Lauster-Ulrich. Es sei alles eine Frage, wie der Kaufvertrag gestaltet werde. So werde man auch hineinschreiben, dass der neue Eigentümer das Grundstück für die Öffentlichkeit weiter zugänglich machen müsse.

Lauster-Ulrich vermutet, dass die Gegner ihre Unterschriften in der Versammlung an den Gemeindevorstand überreichen werden. Aktuell seien fünf Leute damit befasst, im Ort Unterschriften zu sammeln, sagt Heidelbach. Wie viele zusammenkommen, könne er noch nicht sagen. »Die Oberburg ist doch das Herz von Roggau«, betont der Ortsvorsteher. Ihm und den Gegnern des Verkaufs geht es auch darum, mehr Infos zu erhalten. Man glaube nämlich, dass das Geld zur Verfügung stehe für eine Sanierung. »Wir wollen auch, dass die Stadt auf dem Freigelände einen Spielplatz baut.«

Es wird also spannend nach dem 11-Uhr-Gottesdienst in der Kirche. Gegner Heidelbach sagt, man stehe dem Projekt zwar kritisch gegenüber, »aber wir wollen auch keinen Keil in die Gemeinde treiben«.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Evangelische Kirche
  • Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
  • Immobilien
  • Kirchengemeinden
  • Markus Keller
  • Sanierungskosten
  • Karben
  • Holger Pegelow
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 3 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.