13. Januar 2019, 18:41 Uhr

Mit der Brotdose auf Einkaufstour

13. Januar 2019, 18:41 Uhr

Müll, Müll, Müll. Schon wieder muss ein gelber Sack in den Keller getragen werden, die Restmülltonne ist auch schon wieder voll, und wohin eigentlich mit all den Pappkartons? Das muss doch auch ohne die ganzen Verpackungen gehen, hat sich unsere Autorin gedacht und beim Einkaufen den Test gemacht.

»Guten Tag!« Freundlich bedient das Team der Metzgerei Dürr in Bad Vilbel die Kundschaft. Unter anderem dort möchte ich in Erfahrung bringen, wie das verpackungsfreie Einkaufen von Lebensmitteln funktioniert. Als ich an der Reihe bin, zücke ich eine mitgebrachte Plastikdose. »Verpacken Sie mir die Wurst auch darin?«, erkundige ich mich. Die Fleischereifachverkäuferinnen Liane Molisina und Doris Müller sagen: »Ja, machen wir.« Mitinhaberin Evi Kreil nickt dazu. Wie sie schildert, »kommen genug Leute, die ihre eigenen Behältnisse mitbringen«.

So wenig wie möglich

Die Menschen würden aufmerksamer in diesen Dingen. Manchmal sei es zwei Tage lang niemand, der einen eigenen Behälter dabei hat. Und manchmal seien es zwei oder drei Kunden am Tag, die fragten, ob’s auch ohne Verpackung gehe. Die Antwort ist stets gleich: »Natürlich machen wir das – selbstverständlich.« Um die Umwelt zu schonen, schlägt die Metzgerei ihre Waren ansonsten in biologisch abbaubares Papier ein, verwendet nur Papiertüten. »Es ist ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz«, sagt Kreil.

Auch im Dottenfelderhof ist am fortgeschrittenen Nachmittag einiges los. Hinter der Wurst- und Fleischtheke gleich am Eingang steht Luca Schiprowski (28). Für ihn ist es nicht ungewöhnlich, wenn jemand eine Kunststoffdose mitbringt. »Vereinzelt fragen Leute, ob so etwas möglich ist.«

Schiprowski stellt die Dose auf ein Tablett, das er vorher mit einem Papier bedeckt hat. Das wiegt er, »es sind 480 Gramm«, sagt er. Anschließend legt er ein Stück Rinderfilet hinein, zieht das Gewicht der Dose und des Tabletts wieder ab. Wenn der 28-Jährige für den Eigenbedarf einkauft, bringt er sich ebenfalls eine Dose mit. »Und wenn ich es vergesse, packe ich es so einfach wie möglich ein.« Der Dottenfelderhof achte darauf, so wenig Verpackung wie möglich zu verwenden. »Für Obst und Gemüse haben wir Netze«, schildert Schiprowski. Ein solch wiederverwendbares Netz verwenden gerade zwei junge Frauen, die Äpfel hineinpacken. Zwei Netze haben sie dabei, die sie vorher in dem Hofladen gekauft haben. »Das ist toll, so eins will ich auch«, sagt eine Kundin.

Doch nicht nur in inhabergeführten Geschäften ist dies möglich, auch Supermärkte tun immer mehr für den verpackungsfreien Einkauf. Wie Rewe-Pressesprecher Thomas Bonrath erläutert, ermöglichen die Rewe-Märkte durch die große Zahl an lose angebotenen Obst- und Gemüsesorten einen verpackungsfreien Einkauf. »Diese können Kunden in mitgebrachten Behältnissen zum Abwiegen bis zur Kasse transportieren und anschließend auch darin wieder verstauen.«

Seit Oktober biete Rewe bundesweit mit Mehrweg-Frischenetzen eine Alternative zum sogenannten Knotenbeutel aus Kunststoff an. »Wir appellieren an die Kunden, vermehrt zum losen Obst und Gemüse zu greifen.« Die Netze bestünden aus Polyester, seien hygienisch, langlebig und gut zu reinigen. Ihr Gewicht ermittle der Kassenscanner anhand eines festgenähten Strichcodes.

»Da jede Obst- und Gemüsesorte für sich ausgewogen werden muss, ist es ratsam, für jede auch ein separates Netz zu nutzen oder aber lose zur Kasse mitzubringen und nach dem Wiegen im Netz zu verstauen«, empfiehlt Bonrath.

Hygiene im Blick behalten

Eine Annahme mitgebrachter Behälter an den Wurst-, Fleisch und Käsetheken sei aus Sicht von Rewe allerdings nicht unkritisch.

»Das liegt an der Verantwortung des Lebensmittelunternehmers und des schwer prüfbaren Hygienezustandes der mitgebrachten Behälter.« Um hier sowohl den hygienerechtlichen Anforderungen zu genügen als auch einen maximalen Verbraucherschutz zu gewährleisten, bedürfe es der Installierung eines weitreichenden Handhabungskonzepts, fährt Bonrath fort. Deshalb seien Märkte teilweise wieder davon abgekommen, mitgebrachte Behälter an den Frischetheken zu befüllen. Das Unternehmen arbeite aber weiter daran, Lösungen zu finden.

Metzgerei-Mitinhaberin Kreil kann solche Bedenken nicht nachvollziehen. Bonrath: »Wenn man ein einzelnes Geschäft ist, ist es etwas anderes, als wenn man wie Rewe 3500 Märkte und 27 Millionen Kunden wöchentlich hat. Dann hat es für die Behörden auch einen anderen Stellenwert, einheitliche Regelungen freizugeben.«

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