26. Oktober 2018, 08:00 Uhr

Zu wenig Fußgänger

Kein Zebrastreifen am Klein-Karbener Kreisel

Die Stadt Karben hätte ihn wegen der höheren Verkehrssicherheit am Schulweg gerne gehabt, doch die Behörden lehnen ab. Einen Zebrastreifen am Kreisel in Klein-Karben wird es nicht geben. Und dafür präsentieren sie handfeste Gründe.
26. Oktober 2018, 08:00 Uhr
Ginge es nach der Stadt, würden vor dem Kreisel Zebrastreifen aufgezeichnet. Doch die übergeordneten Behörden lehnen solche Überwege ab. Zu wenig Fußgänger, zu viele Autos, lautet das Argument. (Foto: pe)

Es ist wenig los an diesem regnerischen Vormittag: Am Kreisel nahe der katholischen Kirche will nur eine Seniorin über eine der Fußgängerfurten gehen. Allerdings sind weit mehr Autos unterwegs. Sie kommen aus dem Karbener Weg, aus dem Selzerbachweg und von der Homburger Straße. Morgens und mittags, wenn die Schulen ihren Betrieb aufnehmen und beenden, ist hier weit mehr los. Fortlaufend überqueren Schüler aus der Kurt-Schumacher- und der Pestalozzischule die Furten vor dem Kreisel. Ob diese Beobachtungen repräsentativ sind?

Das wollten auch die Verkehrsbehörden wissen und ließen im März eine Zählung durchführen. Denn für die Frage, ob die von der Stadt gewünschten Zebrastreifen dort aufgebracht werden können, sind die Zahlen der Fußgänger entscheidend. Die gesetzlichen Vorgaben sehen vor, dass mindestens 50 Fußgänger oder 30 Schüler pro Stunde über die Straße laufen müssen.

Gehörte die Straße der Stadt, dürfte sie selber entscheiden, ob sie die weißen Linien aufträgt. Weil es aber eine Landesstraße ist, haben die übergeordneten Behörden das Sagen. Und die sagen nein, denn die Zählung hatte ergeben, dass die Vorgaben nicht erreicht werden. Der Sprecher des Wetteraukreises, Michael Elsaß, informiert, dass im März maximal 18 Schüler und 23 Fußgänger gezählt worden seien. Die Vertreter der Verkehrsbehörde des Kreises hätten der Stadt daraufhin die Ergebnisse erläutert.

 

Zu wenig Kinder, zu viele Autos

Doch die Stadt wollte sich mit diesen für sie ernüchternden Ergebnissen nicht zufrieden geben. Immerhin ist das Schulzentrum mit den über 1200 Kurt-Schumacher-Schülern und den über 300 Pestalozzischülern in der Nähe. Deshalb zählte sie am vergangenen Mittwoch selber, wie der städtische Verkehrsexperte Ekkehart Böing sagt. Das Ergebnis habe die Zählung vom Frühjahr bestätigt.

Das teilte auch Erster Stadtrat Friedrich Schwaab den versammelten Ortsbeiratsmitgliedern in der jüngsten öffentlichen Sitzung mit. »Wir sind weit weg von den gesetzlichen Vorgaben. Zu wenig Kinder, zu viele Autos.« Ungläubiges Staunen bei den Beiräten und den anwesenden Bürgern. Wenigstens in Richtung Schulzentrum, also im Karbener Weg, müsste doch die Zahl erreicht sein, meinte einer. Nein, erwiderte Schwaab: »Es waren auf allen vier Überwegen zu wenig Fußgänger.« Deshalb lehnten die Behörden Zebrastreifen definitiv ab.

Bereits im Mai hatte es im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung geheißen, dass die Vorgaben nicht erreicht würden. Zudem verweisen die Behörden darauf, dass das Queren der Landesstraße jeweils Hundert Meter weiter westlich und südlich ganz sicher über Fußgängerampeln möglich sei.

Bürgermister Guido Rahn hatte dazu gesagt: »Wir benötigen an dieser Kreuzung mehr Sicherheit für die Fußgänger.« Dafür will die Stadt einige zehntausend Euro extra in den Umbau des Kreisverkehrs investieren. Die Idee: Die Pflanzinseln werden mit den Fußgängerfurten getauscht. Die Diskussion war im Zuge der laufenden Umbauarbeiten der Ortsdurchfahrt aufgekommen, ein Gemeinschaftsprojekt von Land und Stadt. Hessen Mobil, die Landesstraßenbehörde, saniert die Fahrbahn, die Stadt die Gehwege, Überwege und Bushaltestellen auf dem 2,4 Kilometer langen Abschnitt der Ortsdurchfahrt. Im Frühjahr kommenden Jahres soll der Kreisverkehrsplatz, wie er offiziell heißt, umgestaltet werden – dann also ohne Zebrastreifen.

Meinung

Neue Ideen gefragt

Auch wenn es wehtut: Die Stadt sollte sich damit abfinden, dass die zuständigen Behörden keinen Zebrastreifen am Klein-Karbener Kreisel genehmigen. Gewiss, der Autoverkehr nimmt ständig zu und stellt eine potenzielle Gefahr für Fußgänger gerade auf dem Weg zum Schulzentrum dar. Übrigens nicht zuletzt deshalb, weil die Kinder mit Autos bis vor die Schultür gefahren werden. Es ist nicht ganz unverständlich, wenn die Behörden damit argumentieren, dass die Autos bei Anlage eines Zebrastreifens ständig angehalten würden und gerade zu Stoßzeiten den Verkehrfluss auf der Durchgangsstraße aufhalten würde. Es gibt eben gesetzliche Vorgaben, die manchmal auch nicht unsinnig sind. Wenn zwei Anläufe für einen Zebrastreifen gescheitert sind, wie wäre es denn mit neuen Ideen? Eine starke Ausleuchtung des Bereichs, blinkende Verkehrszeichen »Achtung Fußgänger!« oder etwa Piktogramme auf der Straßenoberfläche, die die Autofahrer warnen. Zudem ist im Zuge des Straßenumbaus eh daran gedacht, die Fußgängerfurten weiter weg vom Kreisel zu verlegen. Das könnte schon ein Beitrag zur Sicherheit sein. Totale Sicherheit gibt es im heutigen Verkehrsgewühl sowieso nicht. (pe)

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