31. August 2018, 19:52 Uhr

Karbens neue Kicker

31. August 2018, 19:52 Uhr
JKÖ
In eigenen Trikots: Dank der Unterstützung der Flüchtlingshilfe konnten sich die Spieler der Mannschaft bei einem eritreischen Turnier in Gießen jüngst einheitlich präsentieren. (F.: pv)

Was sie eint, ist die gemeinsame Heimat – und die Liebe zum Fußball: Über zwei Dutzend Flüchtlinge aus Eritrea haben sich zu einem neuen Karbener Team zusammengefunden. Um sich sportlich etablieren zu können, hoffen die Kicker nun auf die Unterstützung der einheimischen Vereine.

»Gol!« Der Ruf, der ein wenig klingt wie das englische Wort »Goal«, ist eritreisch – und bedeutet in der Tat auch »Tor«. Gerade hat Robel (25) den Ball auf der einen Seite des Bolzplatzes im Tor versenkt, sein Team freut sich. Am Spielfeldrand sitzen einige Freunde, schauen interessiert, aus kleinen Boxen ertönt eritreische Musik.

Für Karbens neueste Fußballmannschaft ist die Trainingszeit ein wichtiger Treffpunkt – für die sportliche Begegnung, aber auch für den Austausch. Sie alle sind Flüchtlinge, die aus Eritrea nach Karben gekommen sind. Vor gut zwei Jahren hatte Spieler und Trainer Habtom Semere (27) die Idee, ein Team zu gründen und die Flüchtlingshilfe um Hilfe gebeten. Seither treffen sich die Spieler zweimal die Woche auf dem Kloppenheimer Bolzplatz.

»Für uns sind die regelmäßigen Treffen schön«, erklärt Spieler Tachle (32). Gemeinsam mit seinem Freund Robel spricht er über die besondere Verbundenheit im Team. So müssten sie sich eben keine Gedanken über die Sprache machen, was bei einem Mitspielen bei einer deutschen Mannschaft vielleicht der Fall wäre. »Auch mit einem Blick auf die bestehenden türkischen Mannschaften zeigt sich, dass auf dieser Ebene wohl noch einmal ein anderer, tieferer Austausch möglich ist«, erklärt Elke Stelz, die das Projekt für die Flüchtlingshilfe unterstützt hat.

Dass das Angebot ankommt, zeigt die Trainingsbereitschaft: Viele der jungen Männer stoßen noch nach der Arbeit dazu, ein Spieler kommt gar mit dem Rad aus Nieder-Wöllstadt, um an den regelmäßigen Trainings teilzunehmen.

Doch gerade bei einem Blick auf die Trainingszeiten wird ein Problem deutlich. Denn die Flüchtlingshilfe kann zwar unterstützen – etwa in Form von 20 Euro pro Person beim Kauf von Fußballschuhen oder des neu gekauften, leuchtend orangen Trikotsatzes, mit dem sich die Spieler als Team präsentieren können. Doch die ehrenamtliche Hilfe stößt an ihre Grenzen – dort nämlich, wo der Kontakt zu anderen Fußballmannschaften nötig ist.

So trainiert die Truppe bislang noch ohne eigene Trainingszeiten und ohne festen Coach. Zwar treffen sie sich regelmäßig auf dem Bolzplatz – doch eine Gewähr, dass dieser auch frei ist, gibt es nicht. »Wir suchen daher dringend einen festen Trainingsplatz mit festen Trainingszeiten«, betont Stelz. Da dies jedoch Vereins- und nicht Sache der Stadt Karben sei, ist der Kontakt zu anderen Vereinen dafür essenziell. »Wo genau das ist, ist den Spielern egal.«

Und auch bei der Suche nach einem Coach baut sie auf die Karbener Vereine. Denn Trainer Habtom, Ansprechpartner für die Mannschaft, spielt selbst – auch im Groß-Karbener Verein. Seine Zeit ist daher knapp bemessen, die Trainerfunktion nur ein »Nebenbei«. Der Wunsch: ein fester Coach, der die Potenziale erkennt und fördert. Dass diese vorhanden sind, zeigen die ersten Erfolge: So haben sie jüngst erstmals an einem Gießener Turnier teilgenommen und dort den zweiten Platz belegt, außerdem den ersten Preis für faires Spiel gewonnen.

Künftig, hofft Stelz, können sich die Spieler auch gegen Karbener Teams messen: So freut sich das Team auch über den Kontakt zu Vereinen für Freundschaftsspiele. Denn nur unter sich zu bleiben, sei auch nicht das Ziel – und der internationale Torjubel ist schließlich umso schöner.

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