26. November 2018, 05:00 Uhr

Arzt hebt ab

Karbener Kardiologe: Kunstflug als Freizeitbeschäftigung

In Karben führt er eine kardiologische Praxis, was harte Arbeit und oft einen langen Tag bedeutet. Als Ausgleich geht er in seiner Freizeit gerne in die Luft. Dr. Martin Gräf ist begeisterter Kunstflieger.
26. November 2018, 05:00 Uhr
Der Karbener Kardiologe Dr. Martin Gräf hebt in seinem roten Doppeldecker zu einem seiner Kunstflüge ab. (Fotos: pv)

Schwimmen, Laufen, Radfahren sind die Disziplinen im Triathlon. Dr. Martin Gräf ist ein begeisterter Triathlet, hat schon fünf Mal am Ironman unter anderem auf Hawaii teilgenommen. Er trainiert nach eigenen Angaben immer noch. Der 55-Jährige, der einst in Rendel gewohnt hat, dann aber nach Bad Homburg umgezogen ist, betreibt im City-Center in Karbens Stadtmitte eine kardiologische Praxis. Neben dem Triathlon-Sport hat er eine weitere Leidenschaft: das Fliegen. Häufig, wenn er Urlaub hat, ist er bei Kunstflugveranstaltungen.

»Ich fliege schon seit 1988«, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Zunächst glitt er im Segelflieger lautlos über die Landschaft. Dann habe ihm ein Freund eines Tages eine Beteiligung an einem roten Doppeldeckerflugzeug angeboten. »Der rote Doppeldecker ist ein Urgestein der Kunstfliegerei«, sagt er. Dessen Konzept stamme von 1943. 1970 wurde die »Christan Eagle« als Bausatz verkauft Der aktuelle Flieger wurde 1986 von Dirk Sondermann in Hamburg gebaut. Gräf machte bei der Beteiligung mit, und so fliegt er seit 2016 den roten PS-starken Doppeldecker.

Punktabzug für jede Abweichung

Dafür muss er viel trainieren, denn beim Kunstfliegen muss exakt geflogen werden. Trainiert wird Dr. Martin Gräf von Klaus Schrodt. »Es ist mein großes Glück, dass ich einen guten Trainer habe«, sagt Gräf. Ein Kunstflieger, erläutert er, beherrsche die von ihm verlangten Figuren.

»Diese Figuren müssen exakt geflogen werden.« Das seien oft vier Linien in einem dreidimensionalen Raum. Jede Abweichung davon werde mit einem Punktabzug bestraft, erläutert er die Regeln. »Dieser Sport hat eher etwas mit Bogenschießen zu tun«, vergleicht er. Die Schiedsrichter am Boden würden alles genau beobachten und jede kleinste Abweichung registrieren.

Viel Disziplin nötig

Weil so viel Disziplin nötig ist, ist auch das Training genauestes dosiert. »Ich mache maximal drei Flüge am Tag«, sagt der fliegende Arzt. Die dauerten je 20 Minuten. »Das ist das Maximum, was effektiv ist.« Zudem sei das auch anstrengend, schließlich werde der Pilot eines Kunstflugzeugs mit dem Siebenfachen seines Körpergewichts in die Sitze gedrückt.

Der 55-Jährige vergleicht das Training für seine Kunstflüge mit dem eines Marathonläufers. »Kein Marathonläufer läuft die volle Distanz. Dieser Sport hat sehr viel mit Kunstturnen zu tun.« Beim Kunstfliegen bedeute »mehr Training auch mehr Fehler«. Drei Trainingslager pro Jahr zu je einer Woche absolviert der Mediziner, um seine Flugfiguren zu perfektionieren. Zu den Trainingseinheiten gehöre nach seinen Angaben auch, »sich aktiv auszuruhen«. Gräf zählt hierzu Sport oder autogenes Training.

2017 erster Wettbewerb

Solchermaßen geübt nahm er bereits an einigen Kunstflugwettbewerben und -shows teil. Im Sommer 2017 schnupperte Martin Gräf mit seiner »Christen Eagle«, so heißt der rote Doppeldecker, zum ersten Mal Wettbewerbsluft. Der jetzt in Bad Homburg lebende Gräf landete bei der Deutschen Meisterschaft im Motorkunstflug in Gera in der Sportsman-Kategorie prompt auf dem ersten Platz. Im Juni dieses Jahres trat er erneut bei einer Meisterschaft an. Am Flugplatz Treuchtlingen-Bubenheim, auf halber Strecke zwischen Nürnberg und Augsburg gelegen, flog er bei der Bayerischen Meisterschaft im Motorkunstflug auf den dritten Platz.

Außer bei Wettbewerben ist Martin Gräf nun auch bei Flugshows im In- und Ausland zu sehen. Im Spätsommer war er in Ungarn und Griechenland. Gerade bei der renommierten Flugshow »Athens Flying Week«, traf sein Doppeldecker auf hochkarätige Teams der italienischen und spanischen Luftwaffen sowie auf die Patrouille de Swiss. Dort konnte der Karbener Kardiologe sein ganzes Können demonstrieren. Für ihn war das ein großer Tag. »Am Boden standen rund 40 000 Zuschauer«, blickt er voller Freude auf diese Flugtage zurück.

Solche Shows seien eine gute Gelegenheit, »einen positiven Eindruck von der Luftfahrt zu vermitteln und die Begeisterung fürs Fliegen zu steigern«. Für das kommende Jahr hat Martin Gräf, der auch Flugmediziner ist, schon wieder Einladungen zu Flugshows. Das sei, sagt er lächelnd, »ein bisschen wie Holiday on Ice«.

 

Info

Amerikanischer Doppeldecker

Sein »Christen Eagle« ist ein amerikanischer Doppeldecker. Das voll kunstflugtaugliche Gerät darf beim Start maximal 720 Kilogramm wiegen und wird von einem 200 PS starken Lycoming-Motor angetrieben. Seine Trainings absolviert Dr. Martin Gräf auf seinem Heimatflugplatz Egelsbach. Mehr Infos und Bilder gibt es bei Instagram unter aerobatic_eagle. (pe)

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