27. August 2018, 11:00 Uhr

Dortelweiler sorgen sich

Immer mehr leere Läden: Was wird aus dem Brunnen-Center?

Die schlechten Nachrichten aus dem Einkaufszentrum Brunnen-Center in Bad Vilbel-Dortelweil reißen nicht ab. Nun hat sich der Ortsbeirat Dortelweil mit dem Thema beschäftigt.
27. August 2018, 11:00 Uhr
Dem Brunnen-Center gehen die Mieter aus.

Die Berichterstattung in den Zeitungen hält der Dortelweiler Friedrich Pauler in den Händen, als er dem Ortsbeirat im Zuge der sich an die Sitzung anschließenden Bürgersprechstunde Fragen stellt, die vielen Dortelweilern auf den Nägeln brennen. »Was läuft da falsch?«, will er wissen. Er befürchtet die Schließung des Brunnen-Centers, dem Nahversorgungszentrum des Stadtteils am Dortelweiler Platz. Nach dem Verkauf des Unternehmens Charles Vögele an einen niederländischen Konzern soll die Filiale zum Januar 2019 schließen. Das ist dann der sechste Leerstand bei insgesamt 20 Flächen.

SPD sorgt sich um Standort

Doch das ist nicht alles. So schreibt Ortsbeirat Rainer Fich (SPD) in einem in dieser Woche an Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) versendeten Brief: »Das Blumengeschäft, das seinen Stand im Foyer seit Jahren aufgebaut hat, ist seit drei Tagen nicht mehr vor Ort, weil man im Brunnen-Center keine Perspektive mehr gesehen hat. Zudem hat der Optiker Joachim Brüderl angekündigt, im Herbst in Ruhestand zu gehen. Ob er sein Geschäft an einen Nachfolger übergibt, ist unklar. Leerstand droht. Die Betreiber des Eiscafés Venezia und der Kioskbesitzer haben sich gemeinsam gegenüber des Dortelweiler Platzes ein zweites Standbein, nämlich einen Cafébetrieb, geschaffen. Sicher nicht ohne Grund.« Mehrere der in der Sitzung am Mittwochabend anwesenden Bürger haben ähnliches von anderen Geschäften gehört. Friedrich Pauler stellt angesichts der widersprüchlichen Nachrichten die These auf: »Entweder ist das Management schlecht informiert oder es arbeitet einfach grottenschlecht.« Dem Eigentümer des Brunnen-Centers, dem Immobilienfonds der Deutschen Bank RREEF Investment GmbH, seien die Entwicklungen wohl egal, vermuten andere. Äußerungen, die von ehemaligen und aktuellen Mietern im Center bestätigt werden.

Die Modekette Steengrafe hat auf die vermehrten Nachfragen mit einer Notiz auf dem Verkaufstresen reagiert. Dort heißt es, dass man an »Veränderungen in naher Zukunft« glaubt und zuversichtlich ist, im Brunnen-Center bleiben zu können. Und das trotz eines bereits unterschriebenen Mietvertrags für eine weitere Filiale in Karben; spätestens im kommenden Juni will Inhaberin Susanne Schaab in der Neuen Mitte eröffnen.

Stadt soll eingreifen

Zuversichtlich stimmt sie ein Gespräch mit Vertretern von RREEF. »Dort scheint man aufgewacht zu sein. Es sollen verstärkt neue Mieter gesucht werden«, weiß Schaab, die im Werbevorstand der Center-Geschäftsleute sitzt. Sie plädiert auf Vielfalt der Branchen. »Die lässt gerade zu wünschen übrig.« Sauer seien die Rest-Mieter, weil das Engagement der Eigentümer in der Vergangenheit so gering gewesen sei.

Die in der Ortsbeiratssitzung anwesenden Bürger sind sich einig: Die Stadt muss eingreifen. Doch hier schränkt Ortsvorsteher Herbert Anders (CDU) ein: Die Stadt habe keinen Einfluss auf private Eigentümer. Recht hat er, doch den Bürgern und Ortsbeiräten reicht das nicht. »Wohlwissend, dass der Einfluss des Magistrats der Stadt Bad Vilbel auf die Entwicklung des Brunnen-Centers seine Grenzen hat, sollte man nichts unversucht lassen, um zu unterstützen. Das war die einhellige Meinung der Mitglieder des Ortsbeirats und der Gäste«, schreibt Fich an Stöhr. Er bittet darum, dass der Magistrat ein Gespräch mit dem Center-Management oder mit RREEF führt.

 

Infobox

Fich regt Center-Verkauf an

Ortsbeirat Rainer Fich sagt: »Wir als SPD könnten uns vorstellen, dass eine Aktion nach dem Motto ›Wir kaufen in Dortelweil‹, die von den Dortelweiler Vereinen und Parteien getragen wird, den Standort festigen könnte.« Auch er vermutet, dass die Deutsche Bank als Eigentümerin ein Problem für die Entwicklung des Centers darstelle. »Die Frage ist, inwieweit Gespräche mit der Eigentümerin klären können, ob diese verkaufsbereit ist und ob man als Stadt einen Erwerber ins Spiel bringen könnte. Am Niddaplatz gibt es bekanntlich eine Stiftung, die als Eigentümerin der Ladengeschäfte agiert«, schreibt Fich. Er bezieht sich auf Investor Hansgeorg Jehner und dessen Humanistische Stiftung. Die habe sich damals eine gute Geschäftsbelegung errechnet, wenn die Stadt ihre neue Bibliothek an dieser Stelle platziere. Das Konzept scheint aufzugehen. »Die vielbesprochene Belebung des Dortelweiler Platzes mit einem attraktiven Wochenmarkt könnte den Standort Brunnen-Center bereichern«, ist sich Fich sicher. So will am Ende auch Ortsvorsteher Anders ein derartiges Gespräch anregen. (kop)

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