15. August 2018, 20:16 Uhr

Die Nidda wird aufgeweckt

Es ist ein Mammutprojekt: In einem Jahr soll sich an der Karbener Nidda einiges ändern. Vom ASB-Heim bis zur Brücke der Dortelweiler Straße soll sich auf anderthalb Kilometer ein ganz anderes Bild ergeben: Flache Strände, Rückzugsgebiete für Tiere, Erlebnisorte und kleine Inseln werden entstehen, wo bisher nur Steine und eine steile Böschung vorherrschen.
15. August 2018, 20:16 Uhr
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Die Freude über den ersten »Spatenstich«: zur Renaturierung der Nidda im Karbener Stadtgebiet ist groß. 2,5 Millionen Euro investiert das Land Hessen. (Fotos: app/dpg)

Über fünf Jahre wurde geplant, nun geht es endlich los«, sagt Karbens Bürgermeister Guido Rahn. Sichtlich erfreut steht er neben dem Bagger, der am Dienstagnachmittag gerade die erste Erde aus der Böschung holt. Nun geht es auch offiziell los mit der Niddarenaturierung.

»Die Nidda hat ein enormes Potenzial, das wir nun ausnutzen«, sagt Rahn. »Der Fluss als Naherholungsort ist für uns sehr wichtig, endlich kann aus dem Kanal ein richtiges Gewässer werden. Der Spielplatz wird erweitert und neue interessante Orte werden überall entstehen.«

Bevor die neue Flusslandschaft sich entwickelt, muss einiges in Bewegung gesetzt werden. »Rohre und Leitungen mussten umverlegt, Bäume gefällt werden, bevor es überhaupt losgehen konnte«, sagt der Bürgermeister. »60 000 Kubikmeter Erde müssen nun in neue Formen gebracht werden, damit am Ende etwas Gutes bei rauskommt.«

Das Projekt stellte die Planer durchaus vor Herausforderungen, wie Paul Lehmann vom Ingenieurbüro Dr. Gebler, zuständig für Planung und Bauüberwachung berichtet: »Das ist schon ein spezielles Projekt. Der Fluss fließt mitten durch Karben, aber ist mehr trennendes Element als zusammenführend. Das möchten wir ändern.«

Die neue Nidda erhält ein breiteres Profil, die Böschungen werden stark abgeflacht, sodass der Mensch leicht ans Wasser herankommt. 600 Tonnen Kies und 2500 Tonnen Gestein werden verbaut. »Inselchen, Buhnen und vieles mehr werden entlang des Flusses entstehen, der Fluss soll nicht nur durch, sondern auch in Karben fließen. Ob sich die Fische am Ende wohlfühlen, das weiß ich natürlich nicht, aber ich hoffe die Menschen werden es auf jeden Fall tun.« Eines soll bei dem Projekt jedoch auf jeden Fall nicht vergessen werden: Die Karbener Bürger. »Viele gehen mit Bedenken ran«, sagt Rahn. »Im Hessenring haben zum Beispiel viele Angst, dass ihre Straße zum Abtransport genutzt wird. Doch der Großteil der Erde wird mit Lastern direkt am Rathaus vorbei transportiert werden, oder innerhalb der Renaturierung verbaut. Die Lastwagen werden extra gereinigt, damit der Dreck nicht auf die Straße getragen wird.«

Kanal verschwindet

Der Hochwasserschutz wird nicht vernachlässigt. »Während den Bauarbeiten wird sich mit unseren Planungen die Hochwassergefahr nicht verschlechtern«, beruhigt Lehmann. »Danach wird der Hochwasserschutz besser sein als zuvor.« Auch für die Radfahrer gibt er Entwarnung: »Wir sperren nur dort ab, wo auch gebaut wird. Da dies in Bauabschnitten geschehen wird, wird es keine großen Umleitungen geben.«

Bereits Ende Oktober soll der erste Bauabschnitt zwischen dem ASB-Heim und der Bahnhofsstraßenbrücke abgeschlossen sein, bis Juli 2019 soll auch der südliche Teil stehen. »Dort entsteht eines der Highlights: Eine neue Insel in der Nidda«, erklärt Lehmann. »Während der neue Flusslauf entsteht, wird der Alte an dieser Stelle nicht zugebaggert: Es entsteht ein Altarm. Neben dem ökologischen Faktor kann das bei Hochwasser sehr praktisch sein.«

Nun muss nur noch das Wetter mitspielen: »Zu viel Regen wäre natürlich schlecht, dann versinken wir im Schlamm«, sagt Kevin Kerßenfischer von der Bauleitung. »Wir sind optimistisch. Bleiben wir im Zeitplan steht bis zur Winterpause der erste Teil.«

Katja Imhof von der Regionalparkroute freut sich auf die Renaturierung. »Die Verknüpfung von Ökologie und Erholung ist sehr wichtig und ich denke hier können wir etwas tolles schaffen und den Fluss attraktiv machen«, sagt sie. »Ich bin wirklich gespannt, wie das Ergebnis am Ende aussieht, besonders auf den Aussichtspunkt nahe der Insel. Davon ist auch Harald Lütkenhaus-Kopp vom Regierungspräsidium Darmstadt überzeugt. »Dass dieses Projekt endlich losgeht, das freut mich sehr, besonders aber, dass hier nicht gegen die Leute sondern mit den Leuten gemeinsam, mitten in der Stadt ein so großes Projekt verwirklicht wird.« Seit den 60er Jahren sei die Nidda hier mehr Kanal als Fluss, nun werde sie befreit.

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