12. Februar 2019, 18:15 Uhr

Übergangskandidat

Bothner legt Vorsitz der SPD Karben nieder

Jürgen Bothner ist nicht mehr Vorsitzender der Karbener SPD. Als Grund gibt er die Arbeitsbelastung als hessischer Verdi-Vorsitzender an.
12. Februar 2019, 18:15 Uhr
Der hessische Verdi-Vorsitzende Jürgen Bothner ist vom Vorsitz der SPD Karben zurückgetreten. Als Grund nennt er die berufliche Belastung in seiner Funktion als Landesvorsitzender der Gewerkschaft. (Foto: Holger Pegelow)

Politische Beobachter haben sich schon länger gefragt: Wo ist der SPD-Vorsitzende Jürgen Bothner? Beim politischen Aschermittwoch seiner Partei Ende Februar vergangenen Jahres fehlte er ebenso wie etwa bei der Mitgliederversammlung Ende September, nur wenige Wochen vor den Landtagswahlen. Als Rednerin war stattdessen die stellvertretende Vorsitzende Nora Zado zu sehen und zu hören. Auch an den internen Sitzungen soll der Vorsitzende nicht mehr teilgenommen haben.

Jetzt ist zur Gewissheit geworden, was viele in der Partei befürchtet und einige geahnt haben: Jürgen Bothner ist als Vorsitzender der SPD Karben zurückgetreten. Mit Bothner wollte die in der Wählergunst von einstmals absoluter Mehrheit auf nicht mal 22 Prozent stark geschrumpfte Partei wieder so etwas wie Aufbruchstimmung erzeugen. Und fast kam es einem auch so vor, als im Sommer 2016 rund ein Drittel der gut 200 Karbener Sozialdemokraten in der Kloppenheimer Ratsschänke zur Mitgliederversammlung erschien. Auch Jüngere hatten sich nach der verheerenden Schlappe bei den Bürgermeister- und den Kommunalwahlen bereit erklärt, Verantwortung zu übernehmen. Die Vorstandsmitglieder wurden dann fast einstimmig oder mit nur zwei oder drei Gegenstimmen oder Enthaltungen gewählt. So viel Einigkeit war schon lange nicht mehr in der SPD Karben.

 

Als Gewerkschafter gefordert

Was der Öffentlichkeit nicht gesagt wurde, Insider aber gewusst haben: Bothner soll sich nur für zwei Jahre zur Verfügung gestellt haben, ein etwaig darüber hinausgehendes Engagement aber von seinen beruflichen Verpflichtungen abhängig gemacht haben. Als hessischer Vorsitzender des Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist er seit Monaten stark gefordert. Denn Verdi wird umstrukturiert. Als diese Zeitung den zurückgetretenen Vorsitzenden nach den Gründen fragt, ist dieser kurz angebunden: »Aus beruflichen Gründen bin ich vom Vorstand zurückgetreten.« Dessen Stellvertretrerin, die aktuell die Partei führt, bestätigt, dass Jürgen Bothner aufgrund seiner vielfältigen beruflichen Belastungen nicht mehr den SPD-Vorsitz in Karben führen könne. »Er hat aber im Vorfeld erklärt, dass das passieren kann«, sagt Zado. Auf den letzten Treffen der Partei sei er schon nicht mehr dabei gewesen.

Im Vorjahr hatte die Partei laut Zado wegen der Landtagswahlen keine Vorstandwswahlen in Karben, obwohl bereits zwei Jahre nach der Wahl Bothners und der anderen Mitglieder vorüber waren. Auch auf der jüngsten Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche wollte die Partei keine neuen Vorstand wählen. »Der jetzige Vorstand, der kommissarisch im Amt ist, ist gut arbeitsfähig«, schätzt Nora Zado. Bothner ist nach Einschätzung seiner Stellvertreterin ein Gewinn für die Partei gewesen. Er habe »viele gute neue Ideen eingebracht und organisatorisch einiges neu geordnet«.

 

Nachfolger noch nicht in Sicht

Auch hinter Bothner gab es Veränderungen im Vorstand. Von den auf der Mitgliederversammlung vom 30. Juni 2016 gewählten Beisitzern sind einige nicht mehr dabei, so etwa Nachwuchs Nikita Golygiz und Helge Gottschalk. Weiter mit wirken hingegen Kassierer Kai Grunenberg und Ludwig Gresch als Schriftführer und Pressesprecher. Angela Georgis, Marcel Kalif, Anja Singer und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament, Thomas Görlich, gehören dem Karbenert SPD-Vorstand noch an.

Die nächsten Wahlen will die Partei nach Angaben von Nora Zado »zwischen Juli und September« durchführen. Wer die Partei dann führen wird, ist noch nicht ausgemacht. Hinter den Kulissen sind noch Gespräche im Gange, wer Bothner folgen soll.

Nora Zado hofft, dass der Verdi-Vorsitzende dem künftigen Vorstand wenigstens als Beisitzer angehören wird. Diese Hoffnung hat Bothner im Gespräch mit dieser Zeitung allerdings schon zunichte gemacht: »Ich bin ja aus besagtem Grund vom Vorstand zurückgetreten. Und dieser Grund hält noch an.«

 

Meinung

Absehbarer Abgang

Als Jürgen Bothner zum neuen SPD-Chef gewählt wurde, glaubten viele an einen Neuanfang. Dabei wussten Insider, dass er nur ein Übergangskandidat war. Denn ein Mann mit dieser Fülle an Verantwortung als Vorsitzender der hessischen Gewerkschaften, kann nicht gleichzeitig mit ganzer Kraft noch den Vorsitz seiner Partei vor Ort ausfüllen. Somit war eigentlich sein Abgang schon bei seiner Wahl programmiert. Wer etwas anderes erwartet hatte, hat sich etwas vorgemacht. Das haben bestimmt viele in der Partei getan, die nicht im engeren Führungskreis waren. Nun also nach den Wahldebakeln für sie wieder eine Enttäuschung. Zudem ist der angekündigte intensive und regelmäßige Dialog mit den Bürgern offenbar kaum in Gang gekommen. Die regelmäßigen Sprechstunden in der Geschäftsstelle in Groß-Karben sind schon längere Zeit eingestellt. Die Beiträge auf Facebook werden weitgehend von Parteimitgliedern geliked. Irgendwann im Spätsommer soll also nun ein neuer Vorstand gewählt werden. Wenn dann kein Neuanfang mit einem auf Dauer angelegten Vorsitzenden gelingt, können es sich die CDU und ihr Bürgermeister auf lange Sicht bequem machen: Von dieser Opposition haben sie wirklich nichts zu befürchten.

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