17. Juli 2013, 12:48 Uhr

Bei 80 Grad am Grill: »Habe längst Opferorden verdient«

Bad Nauheim (cor). Endlich ist er da, der Sommer. Während viele Familien den Urlaub mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen genießen, geht für zahlreiche Arbeitnehmer der Alltag ganz normal weiter. Wohl dem, der in einem klimatisierten Büro arbeitet. Doch was macht der Schwimmmeister in der Sauna oder der Imbissverkäufer, der täglich seine Hähnchen an den Mann bringt? Die WZ besuchte Menschen an heißen Arbeitsplätzen.
17. Juli 2013, 12:48 Uhr
Hubertus Kuhl (links) sorgt für den Aufguss und verliert dabei schnell mal einen Liter Wasser.

»Man muss ein Schwein sein«, sagt Karl-Heinz Horch. Jeden Mittwoch steht er mit dem Hähnchen-Wagen in der Frankfurter Straße, bietet sein Geflügel an. »Jeden Tag an einem anderen Platz in der Region.« Im Winter und im Sommer. »Seit 24 Jahren«, erzählt der fleißige Verkäufer. Über 30 Grad kann er nur schmunzeln. »Wenn es draußen 32 Grad sind, habe ich hier am Hähnchengrill um die 80.« Da kann einem schon ganz schön heiß werden.

»Ich trinke viel, damit der Kreislauf nicht zusammenklappt«, meint Horch. Das sei ihm nämlich schon einmal passiert, als er mit dem Wagen in Berstadt stand. »Da habe ich zu wenig getrunken und landete im Krankenhaus.« Wer glaubt, dass ihm der Winter lieber sei, irrt allerdings. »Da bekomme ich auch am Grill kalte Füße.« Horch nimmt die Temperaturen mit Humor und lacht. »Eigentlich habe ich längst einen Opferorden verdient.«

Zwölf Stunden am Herd

Diesen Orden könnte man getrost auch an zahlreiche Bauarbeiter verteilen. Auf vielen Baustellen herrscht derzeit Hochbetrieb. Einer, der in der prallen Sonne arbeiten muss, ist Yildiz Muharäm. Der Handwerker ist in einem Neubau für Estrich-Arbeiten zuständig. »Die Temperaturen machen mir nichts aus, daran habe ich mich längst gewöhnt«, sagt er gelassen. Mehrere Stunden verbringt er täglich auf der Baustelle, gegen die Sonne schützt er sich nur mit einem T-Shirt.

Heiß wird es auch Richard Holländer bei seiner Arbeit an der Gulaschkanone in Nieder-Mörlen. »Am Gasherd in der Küche werden es schnell über 40 Grad«, erzählt Holländer. »Da achte ich schon darauf, viel zu trinken.« Außerdem trage er lockere, luftige Kleidung. Am Tag steht Holländer etwa zwölf Stunden in der Küche. »Los geht es morgens um neun.« Egal wie hoch die Quecksilbersäule des Thermometers klettert, ab 11 Uhr müsse der Mittagstisch nun mal fertig sein.

»Wenn ich draußen im Freien arbeite, ist es erträglich.« Bei über 30 Grad und Sonnenschein könne es allerdings schnell wieder anstrengend werden. Am letzten Wochenende war Richard Holländer beim Dreschfest in Nieder-Mörlen im Einsatz und bereitete Erbsensuppe und Fleischgerichte für die Besucher zu. Dabei hantierte er mit Schnellkochtöpfen, Bratpfannen und Backröhren. »Die ideale Außentemperatur wäre da sicherlich 20 Grad gewesen.« Schlechtes Wetter sei nämlich auch nicht das Wahre.

Puls auf 190

Ob Sonne, Regen oder Kälte – am Arbeitsplatz von Hubertus Kuhl ist es immer heiß. Er arbeitet nämlich als Saunameister in der Therme am Park. »Bei bis zu 110 Grad«, sagt Kuhl. Seinen Beruf übt der sportliche Saunameister schon seit 15 Jahren aus. Er habe bereits als Testperson für den Saunabund agiert, der den gesundheitlichen Auswirkungen dieser Tätigkeit auf den Grund gehen wollte. Heraus kamen beachtliche Ergebnisse. »Während eines zehnminütigen Aufgusses verliert mein Körper einen Liter Wasser.« Außerdem steige sein Puls in der Sauna auf 190, beruhige sich aber nach dem Saunagang schnell wieder.

»Ich habe meinen Körper gut im Griff, trinke viel und achte auf genügend Vitamine und Spurenelemente«, berichtet der erfahrene Saunameister. Die sommerlichen Temperaturen bedeuteten für ihn nur einen kleinen Unterschied: »Der Körper braucht nach dem Saunagang fünf Minuten länger zum Abkühlen.«

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