28. Juli 2015, 18:13 Uhr

Kampf gegen Jakobs-Kreuzkraut: Hübsch, aber hochgiftig

Bad Nauheim (ui/bk). Die Nachricht kam von verschiedenen Seiten: Im Kurpark ist Jakobskreuzkraut entdeckt worden. Das Gewächs gilt als hochgiftig, kann die Leber schädigen. Eine besorgte Steinfurther Pferdehalterin hat sich an die Redaktion gewandt, auch das Erna-Ente-Team ist auf das Problem aufmerksam geworden.
28. Juli 2015, 18:13 Uhr
Sein schönes Aussehen täuscht: Das Jakobskreuzkraut, das an den Teichen bekämpft werden musste, ist tückisch. (Foto: Dr. Ulla-Ira Stamm)

Eine erste Suche verlief ergebnislos, im zweiten Anlauf wurde das Kraut an den Teichen entdeckt. Das Erna-Ente-Team wurde sofort aktiv. Mitglieder, die ihre Haut mit langärmeliger Kleidung und Handschuhen schützten, machten sich am Sonntag daran, die Büsche zurückzuschneiden. Die Zeit drängte, da sich die ersten Samen gerade auf die Reise machen wollten.

Das Jakobskreuzkraut sieht hübsch aus, ist aber giftig. Die kräftigen gelben Blütenstände leuchten von Weitem. Die Einzelblüten sind sehr klein. Schnell werden Flugschirme ausgebildet, die mit den Samen bis zu 500 Meter fliegen können. Eine Pflanze kann bis zu 100 000 Samen bilden, deshalb hatten es die Ehrenamtlichen eilig, eine Weiterverbreitung der Pflanze zu verhindern.

Von Pferdebesitzern wird das Jakobs-kreuzkraut gefürchtet, sind doch wiederholt Tiere durch das Abweiden der Pflanzen gestorben. Besonders gefährlich: Das Gift wird im Körper nicht abgebaut, sondern es reichert sich an. Wenn zwei, drei Jahre später die kritische Dosis erreicht wird, kommt für die Tiere jede Hilfe zu spät. Auch Kühe und Rinder sind gefährdet. Auf der Weide lassen sie das Kraut meist stehen. Die getrockneten Pflanzenteile im Heu fressen sie dagegen, die Giftstoffe sind dann noch wirksam.

Wie Brigitte Wiechmann vom Erna-Ente-Team berichtet, wurden die meisten Blütenstände neben der Brücke zwischen den Teichen gefunden. Einige Pflanzen wurden zudem in der Nähe des Holzdecks zurückgeschnitten. »Wie wir gelesen haben, blüht das Jakobskreuzkraut erst im zweiten Jahr. Vor zwei Jahren muss hier mindestens eine Pflanze geblüht und ihre Samen verteilt haben. Im vorigen Jahr wuchsen im Park niedrige und unauffällige Blattrosetten, jetzt sind es ein Meter hohe Blütenstände. Kaum zu glauben, wie stark sich diese Pflanze verbreitet. Normalerweise wächst sie eher an trockenen Standorten«, sagt Wiechmann.

»Beinahe aussichtsloser Kampf«

Die Steinfurther Pferdehalterin schreibt der WZ: »Die Pflanze sieht schick aus, doch Landwirte und Pferdebesitzer kämpfen einen beinahe aussichtslosen Kampf gegen dieses (mit Verlaub) Dreckszeug ...« Sie berichtet von tagelangen Arbeitseinsätzen, bei denen die Pflanzen mit ihren Pfahlwurzeln ausgegraben wurden, um eine Wiese wieder nutzbar zu machen. Deshalb appelliert sie an Gartenbesitzer und Gärtner, frühzeitig einzugreifen, solange das Problem begrenzt ist.

Was den Kurpark betrifft, wurde der städtische Kur- und Servicebetrieb benachrichtigt. Am Steilhang des Großen Teichs konnte das Erna-Ernte-Team wegen Rutschgefahr nämlich nicht arbeiten. Dort war ebenfalls ein Ausgraben der Pflanzen erforderlich. Nach Aussage des stellvertretenden Fachbereichsleiters Volkmar Dörn sind die Beschäftigten am Montag tätig geworden. »Ein Mitarbeiter hat alle noch vorhandenen Büsche ausgegraben. Jetzt dürfte das Jakobskreuzkraut verschwunden sein«, sagt Dörn. Bei dem Versuch, solche schnell wachsenden Pflanzen von bestimmten Standorten fernzuhalten, handele es sich allerdings oft um einen »Kampf gegen Windmühlen«. Auch das Jakobskreuzkraut breite sich offenbar sehr, sehr stark aus. Es sei durchaus möglich, dass wieder zahlreiche Samen in den Park flögen. »Beim Ausgraben muss man sehr vorsichtig sein. Einerseits muss die Haut geschützt werden, andererseits muss man die Pflanze behutsam entfernen, damit sich die Samen nicht lösen und verbreiten. Das Kraut landet natürlich nicht im Grünabfall, sondern wird verbrannt«, erläutert Dörn.

Die Gärtner des Baubetriebshofs seien immer bemüht, den Überblick bezüglich der Pflanzenarten zu behalten, die in den Parks wachsen. Für Hinweise von Parkbesuchern, was giftige Pflanzen angeht, sei der Baubetriebshof immer dankbar.

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