08. Januar 2019, 12:15 Uhr

Fahrverbote

"Ausbaden, was Autokonzerne verbockt haben"

Auch Anfang des Jahres wissen viele Dieselfahrer nicht, in welchen Städten sie 2019 fahren dürfen. Warum gibt es keinen Aufschrei von Betroffenen? Das sagen Handwerker aus dem Vogelsberg.
08. Januar 2019, 12:15 Uhr
Für Handwerker, die nach Frankfurt zu fahren, könnte es bei einen Fahrverbot ab Februar Probleme geben. Sie gehen aber davon aus, dass es nicht soweit kommt. (Foto: dpa)

Die Unsicherheit bleibt. Wenn Fahrverbote kommen, dann würde das auch etliche Pendler und Handwerker aus dem Kreis treffen. Was sagen die Handwerker? »Wir schaffen uns erst mal kein neues Auto an«, meint Rolf Schönhals von der Firma Holz-Art in Mücke. Seine Firma ist zwar nicht mehr ganz so häufig wie früher, aber trotzdem noch im Rhein-Main-Gebiet tätig. Es gibt einen Bus und einen Sprinter, der mit Diesel betankt wird und für Fahrten zu weiter entfernten Baustellen eingesetzt wird. Sollten wirklich Fahrverbote kommen, dann sei es unter dem Strich günstiger, ein Auto zu leihen als den funktionieren Sprinter gegen ein Neufahrzeug einzutauschen.

Die normalen Leute sollen ausbaden, was die Autokonzerne verbockt haben

Karl-Heinrich Linker, Dieselfahrer

Schreiner Karl-Heinrich Linker aus Homberg ärgert sich generell: »Die normalen Leute sollen ausbaden, was die Autokonzerne verbockt haben, die Kunden lässt man im Regen stehen«. Diese hätten ihre Fahrzeuge im guten Glauben gekauft, einen fahrbaren Untersatz zu haben, der auf dem neuesten Stand ist. Ihn würden Fahrverbote, sollten sie denn wirklich kommen, wohl nicht treffen. Er hat Glück, dass er gewartet hat, denn schon vor drei Jahren hatte er über eine Neuanschaffung nachgedacht, als sein alter Sprinter langsam den Geist aufgab. Nun war es so weit, es musste ein neuer her, der mit der Abgasnorm Euro 6d-Temp ausgestattet ist. Ob er damit wirklich auf der sicheren Seite ist? »Ich hoffe,« sagt er auf Anfrage. Auf Benziner umstellen kommt nicht in Frage, macht Linker an einem Beispiel deutlich. Die Kosten wären dann viel zu hoch.

 

Hohe Kosten für Umstellung auf Benziner

Wenn er das grob umrechnet, dann käme er bei einem üblichen 3,5 Tonner, wie ihn viele Handwerksbetriebe nutzen, auf einen Spritverbrauch von 20 Litern auf 100 Kilometer. »Wer soll das bezahlen?« Er rechnet vor, dass ein Neufahrzeug um die 50 000 Euro kostet, das hätten die wenigsten mal so eben in der Portokasse. Zumindest konnte er die Umweltprämie mitnehmen: »Versprochen wurden mir 9000 Euro, aber ob es die auch wirklich gibt?« Was die Aufträge angeht, so sind die Mitarbeiter viel im erweiterten heimischen Raum unterwegs, so im Durchschnitt etwa zwei Mal im Monat werden sie im Raum Frankfurt tätig. Was mögliche Fahrverbote angeht: »Ich hätte noch verstanden, wenn einen Tag die mit geraden Nummernschildern rein dürfen, am anderen die mit ungeraden.« Und wer das Geld hat, der könne sich ja zwei Autos kaufen.

Die Politik mache sich gegenwärtig stark dafür, dass es keine Fahrverbote geben wird, davon geht Erwin Mönnig aus. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft ist wie viele der Kollegen der festen Überzeugung, »dass es schon irgendwie so gehen wird.« Erst wenn wirklich Fahrverbote für die Euro-Normen 4 und 5 verhängt werden, dann müsse man wohl umdenken.

 

Keine schlaflosen Nächte bei Handwerkern

Das Rhein-Main-Gebiet und die Stadt Frankfurt seien sehr daran interessiert, dass die Vogelsberger Handwerker dort weiterhin ohne größere Probleme tätig sein können, ist Mönnig überzeugt. Das habe in erster Linie auch mit der hohen Qualität der Handwerkerleistungen zu tun: »Ein mittelprächtiger Geselle von uns ist in Frankfurt eine Spitzenkraft,« sagt er ganz selbstbewusst. Weniger das Baugewerbe, aber Schreiner, Elektriker, Heizungsbauer werden teilweise deutschlandweit tätig, als Beispiel nennt er hier die Firma Fehl in Freiensteinau.

Das Dieselthema sorge derzeit nicht für schlaflose Nächte bei den Handwerksbetrieben, »wir diskutieren darüber gar nicht, anders als über den akuten Mangel an Fachkräften oder an Leuten, die als Meister einen Betrieb übernehmen oder gründen wollen. Daran fehlt es.«

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