17. November 2018, 08:00 Uhr

A 49

Carsten Rottmann hätte 15 Schritte bis zur Autobahn

Die A 49 würde künftig durch seinen Garten verlaufen. Mit 15 Schritten wäre er auf dem Seitenstreifen. Dr. Carsten Rottmann muss sein Wohnhaus bei Maulbach aufgeben.
17. November 2018, 08:00 Uhr
Die neue Autobahn verläuft durch fast ein Viertel des Gartens von Carsten Rottmann, der oben am Gartenzaun und damit auf dem künftigen Seitenstreifen steht. (Foto: jol)

Der Arzt Dr. Carsten Rottmann (50) ist ein ruhiger Zeitgenosse. Wenn aber wenn er auf die Pläne für den Bau der Autobahn 49 zu sprechen kommt, merkt man schnell, dass er den Glauben an eine gewisse Gerechtigkeit verloren hat. Er wohnt etwas außerhalb von Maulbach, im sogenannten Jagdhaus. »Ich wohne hier ganz legal, bin hier mit ersten Wohnsitz gemeldet,« betont er. Der Trassenverlauf der A 49 ging künftig durch das hintere Viertel seines Gartens. »Ich habe dann vom Wohnhaus 15 Schritte zum Standstreifen«, macht er deutlich. Für die 348 Quadratmeter Grundstück soll er 1740 Euro Entschädigung erhalten. Und er hat eventuell zusätzlich einen Anspruch auf Schallschutzfenster zum Schutz vor dem Lärm der dann wenige Meter entfernt vorbeirauschenden Fahrzeuge. »Das ist beschämend«, sagt er. Das Landesamt für Geoinformation und Bodenmanagement bestätigt die Höhe der ermittelten Entschädigunszahlung. Die angegebenen Größenordnungen der Wertberechnungen für die Wiesenfläche und das Gartenland sind korrekt, wie Pressesprecher Uwe Gärtner mitteilt. »Ein Übernahmeanspruch für das sogenannte Jagdhaus des Herrn Dr. Rottmann besteht gemäß dem bereits im Jahr 2012 unanfechtbar gewordenen Planfeststellungsbeschluss nicht«, fügt er an. Die Autobahn-Planungsgesellschaft Deges reagierte nicht auf eine Anfrage. Natürlich sucht der Homberger Arzt nun nach einem anderen Haus, aber das kostet ihn hunderttausende Euro. Dabei war das Leben in einem alleinstehenden Haus die Erfüllung eines Kindheitstraums. Er habe das Landarztdasein in Homberg auch deshalb gewählt, weil er das Haus am Waldrand gefunden hat. Nun lebt er seit 13 Jahren rund 400 Meter unterhalb des Maulbacher Sportplatzes, zur Zeit noch mit Blick auf eine große Waldwiese, die er mit erworben hat.

Es gibt allerdings auch Homberger, die einwenden, er habe von Anfang an gewusst, dass dort eine Autobahn gebaut werden soll. »Es gab damals verschiedene Trassenvarianten, so über das Blaue Eck bei Kirtorf und an Deckenbach vorbei – das war alles andere als sicher, wo sie hinkommt«, betont Rottmann. Auf keinen Fall hat er damit gerechnet, dass ihm für eine Autobahn in seinem Garten eine so mickrige Kompensation geboten wird.

So ist der Erwerb der Wiese in der Talaue mit einem Euro pro Quadratmeter angesetzt, das ist in Ordnung, wie Rottmann sagt. »Was mich fuchst, ist dass man mir einen Gutteil des Grundstücks mit einer Autobahn zubaut und das mit 1700 Euro abgelten will.« Zwar sei es möglich, eine Entschädigung für den zu erwartenden Lärm zu bekommen. In vergleichbaren Fällen würden da 3600 Euro gezahlt, hat Rottmann recherchiert. Zudem könnte analog zu dem Vorgehen im Nahbereich des Frankfurter Flughafens der Einbau von Schallschutzfenstern bezuschusst werden. Für ihn, der die ruhige Alleinlage so schätzt, bleibt nur die Suche nach einer neuen Bleibe. Er möchte eigentlich in Homberg bleiben, »hier habe ich meine Praxis und damit meine Lebensgrundlage.« Er hat sich aber auch schon in Bad Vilbel umgeschaut. Bei einem frei stehenden Einfamilienhaus kommt man schnell auf Kosten von 300 000 Euro. Rottmann: »Mir wird nicht einmal der Verkehrswert meines jetzigen Hauses ersetzt«.

Er könnte im Entschädigungsverfahren klagen. Dann müsste er sich unter Umständen auf ein langes Verfahren einstellen und würde er den Bau der Autobahn nicht hinauszögern. Es gilt ein übergeordnetes öffentliches Interesse und sofortiges Vollzugsrecht. Zudem nutzt ihm eine höhere Entschädigung, sollte sie ihm das Gericht irgendwann einmal zusprechen, dann nichts mehr viel: »Ich muss mir jetzt ein neues Haus suchen.«

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