11. September 2018, 21:50 Uhr

Herr Müller und die Kiwis

Pflaumen, Kirschen und Äpfel hängen in vielen Gießener Gärten. Aber Kiwis? Die grüne Frucht ist in heimischen Gefilden eine Rarität, auch, weil der Anbau oftmals schiefgeht. Burkhard Müller hat damit keine Probleme. Der Allendorfer kann sich vor Kiwis kaum noch retten.
11. September 2018, 21:50 Uhr
Burkhard Müller schätzt, dass er im Herbst bis zu 2000 Kiwis von seiner Hauswand ernten kann. (Foto: Schepp)

Das Haus in der Hüttenberger Straße ist schon von Weitem ein Blickfang. Die Backsteinfassade ist fast vollständig von grünen Ranken bewachsen. Wein? Efeu? Nein. Erst bei einem genaueren Blick fallen die braunen stacheligen Früchte auf, die unter dem Blätterdach hängen.

»Es kommt häufiger vor, dass mich Passanten fragen, was das für eine Frucht ist«, sagt Burkhard Müller schmunzelnd. Im Supermarkt würden sie die Frage vermutlich nicht stellen. Die Ungläubigkeit hängt weniger mit dem Aussehen, sondern vielmehr mit dem Standort der Frucht zusammen. Wer rechnet schon damit, ein mit Kiwis bewachsenes Haus mitten in Allendorf zu sehen? Für die Dorfbewohner gehören die grünen Früchte hingegen schon lange zum Alltag. Müller hat sie bereits vor 22 Jahren hier gepflanzt. »Ich war damals auf der Suche nach einer geeigneten Pflanze, um das Haus zu begrünen.

Efeu wollte ich nicht, da er in den Putz geht. Ein Bekannter hat mir dann die Kiwis empfohlen.« Und so habe er die drei Bäume – zwei weibliche und einen männlichen – angepflanzt und zum Halt Drahtseile um die Fassade gespannt. Die exotische Wahl sollte sich als Glücksgriff erweisen: In Windeseile kletterten die Ranken die Mauer hinauf, im dritten Jahr konnte Müller erstmals ernten. »Anfangs habe ich die Triebe im Winter noch abgedeckt. Inzwischen mache ich das nicht mehr. Es klappt auch prima ohne.«

Es ist nicht so, dass Müller der einzige Gießener wäre, der zu Hause Kiwis anbaut. Aber oftmals bleibt es beim Versuch, die Früchte bilden sich einfach nicht aus. »Viele Leute fragen mich daher, was mein Erfolgsrezept ist«, sagt Müller und fügt achselzuckend hinzu: »Ich weiß es ehrlich gesagt selber nicht.« Womöglich liegt es daran, dass er im Gegensatz zu vielen anderen Hobbygärtnern nicht auf selbstfruchtende Sorten setzt, also auf Pflanzen, deren eigene Blüten sich gegenseitig befruchten.

Der Allendorfer wählt den klassischen Weg: Männlein, Weiblein, den Rest macht die Natur. Der Fruchterfolg erfreut nicht nur Müller, der aus den bis zu 2000 Kiwis vorwiegend Marmelade macht, sondern auch viele seiner Nachbarn. »Ich gehe oft durchs Dorf und verschenke die Früchte, vor allem an die älteren Menschen.« Aber auch Kinder würden auf dem Schulweg hin und wieder eine Kiwi pflücken. »Derzeit spucken sie sie aber noch aus«, sagt Müller und lacht. »So sieht dann auch der Bürgersteig aus.«

Denn bis die Kiwis genießbar sind, dauert es noch eine Weile. Zum Beweis zupft Müller eine Frucht und zerteilt sie mit dem »Kneipchen«. »Die ist fest wie eine Kartoffel, sie hat auch noch keinen Geschmack.«

Geerntet werde daher erst im Oktober, anschließend müssten die Kiwis noch einige Monate im Keller reifen. »Zwischen Januar und Mai kann man sie dann essen.« Auch wenn die Ernte mit rund 2000 Früchten durchaus beachtlich ausfällt, ist der Kiwi-Anbau für Müller lediglich ein Hobby. Oder besser gesagt: ein Ausgleich. »Ich arbeite als Krankenpfleger im Uniklinikum. Das ist ein stressiger Job.« Das Gärtnern sei perfekt zum Abschalten.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Vogelsberg
  • Redaktion
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 20 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.