08. September 2018, 11:20 Uhr

Kirchen

Atzenhainer Kirche wird nach Sanierung fast wie neu sein

Sie ist von außen unscheinbar, könnte aber viel erzählen. Aber jetzt reichen Schönheitskorrekturen an der steinalten Dame nicht mehr aus. Die Atzenhainer Kirche wird saniert. Das gefällt nicht allen.
08. September 2018, 11:20 Uhr
Handwerk in luftiger Höhe: An der Kirche laufen derzeit die Arbeiten im Inneren des neu gezimmerten Turmes. (Fotos: ks)

Das war eine emotionale Sache. Nach dem letzten Gemeindelied und dem Segen mussten Kirchenmitglieder Ende Mai nach dem Pfingstgottesdienst das komplette Gotteshaus ausräumen. Dieser Auszug wird im Gedächtnis haften bleiben. Manch älterer Atzenhainer musste schlucken, als Taufbecken, Altar und ganze Kirchenbänke herausgetragen wurden, erinnert sich die Vorsitzende des Kirchenvorstands, Gitta Baumgartl-Weber. Ihr ging der Moment selbst nah, wenn sie an die lange Zeit denkt, die jetzt kommt: »Wenn die Arbeiten in zwei Jahren fertig sind, sind wir glücklich.«

Das ganze Hauptschiff wird saniert, ein ganz neuer Turmaufbau kommt dazu, am Ende muss auch der Innenraum renoviert werden. Pfarrer Nils Schellhaas erinnert sich daran, dass er gleich zu seinem Amtsantritt damit konfroniert wurde, »dass die Atzenhainer Kirche ein großes Thema wird.«

Die Eichenholzdecke, die den Turm trägt, war marode, offenbar war über viele Jahre schon unbemerkt Wasser eingedrungen. Bemerkt wurde der Schaden, als plötzlich Putz von der Decke rieselte. Das ist jetzt fünf Jahre her. Als ein Experte nachschaute, zeigte sich das Ausmaß des Schadens. Die Decke über dem Kirchenschiff war instabil, man war froh, dass das Gebäude nicht ganz geschlossen werden musste. Zudem hatte sich im Gebälk des Turms der Hausbock eingenistet, dessen Maden sich durch die Holzstrukturen gefressen haben, inwendig blieben teilweise nur Brösel von den Balken.

All das war ein ziemlicher Schreck, erinnert sich die Atzenhainerin. Der stählerne Glockenturm, den die Kirche 1960 nach einem Blitzeinschlag erhalten hatte, drückte mit seinem Gewicht auf die Holzdecke, die gesamte Statik geriet ins Wanken. Schon deshalb war die Sanierung dringend angezeigt. Zudem ist die Dacheindeckung aus Schindeln porös und muss erneuert werden. »Uns war klar, dass es teuer wird,« sagt die Kirchenvorstandsvorsitzende. Doch angesichts der Kostenschätzung von 980 000 Euro »hat es uns erst einmal die Füße weggezogen.« Pfarrer Nils Schellhaas macht keinen Hehl daraus, »dass die Maßnahme nicht unumstritten ist«, er und die Kirchenvorstandsmitglieder bekommen öfters kritische Kommentare zu hören oder zu lesen. Doch was wäre die Alternative gewesen, fragen die Gläubigen? Das denkmalgeschützte Gebäude muss erhalten werden und der Bau einer neuen Kirche ist in der heutigen Zeit, wo die Zahl der Kirchgänger deutlich schwindet, keine Option. Also blieb nur die Sanierung und die Landeskirche habe zum Glück rasch zugestimmt, denn sie trägt 80 Prozent der Gesamtkosten. Zudem lief eine Spendenaktion an, viele beteiligten sich, zudem veranstalteten die Atzenhainer ein Kirchenkino für die Sanierung.

Der verbleibende Betrag wird aus den Rücklagen der Kirchengemeinde entnommen und aus einem Darlehen aufgebracht, das die Kirche günstig zur Verfügung stellt. Beim Vorhaben haben die anderen Vorstände im Kirchspiel mitgezogen, wie Regina Pfeiff aus Nieder-Ohmen, Edwin Schmitt aus Bernsfeld und Ursula Bizjak aus Wettsaasen im Gespräch untermauern. Die Gottesdienste finden während der Sanierungszeit in Nieder-Ohmen statt, zu besonderen Anlässen will man eine Scheune in Atzenhain nutzen.

Derzeit laufen die Arbeiten am Kirchturm. Die beauftragte Spezialfirma aus Gladenbach zimmerte im Hof vor der Kirche den gesamten sogenannten Turmhelm neu, der dann am Seil nach oben schwebte und wieder aufgesetzt wurde. Nun gehen die Arbeiten in luftiger Höhe weiter, denn im Inneren des Dachreiters müssen etliche morsche Balken erneuert werden.

Gleichwohl werden Pfarrer und Kirchenvorstandsmitglieder auch nach dem Beginn der Arbeiten noch mit Fragen konfrontiert, ob es wirklich sein muss, für die Kirchensanierung so viel Geld auszugeben. Gitta Baumgartl-Weber hat sich vorgenommen, so zu antworten: »Wollt Ihr wirklich, dass eure Kinder oder Enkel nicht mehr im Dorf getauft werden oder heiraten können?«

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