05. September 2018, 21:33 Uhr

Kinder sind ihr Ein und Alles

Vor 44 Jahren hat Helga Heidler die Schlüssel zum neuen Ulrichsteiner Kindergarten erhalten, jetzt wurde sie aus dem Dienst verabschiedet. Sie schätzt die Arbeit mit Kindern sehr, und hat deshalb bereits vor zwei Jahren auf die Leitungsfunktion verzichtet.
05. September 2018, 21:33 Uhr
Mit Blumen und einem Lied wird Helga Heidler (2. v. l.) in der Kirche verabschiedet. (Foto: au)

Nach mehr als vier Jahrzehnten als Leiterin des evangelischen Kindergartens Ulrichstein, die letzten eineinhalb Jahre nur noch als Erzieherin, wurde jetzt Helga Heidler am Ende der beruflichen Tätigkeit aus dem kirchlichen Dienst verabschiedet. In einem von Pfarrerin Antje Armstroff geleiteten Gottesdienst, hielt Pfarrer i. R. Manfred Hofmann einen Rückblick über die gemeinsame Arbeit mit Helga Heidler, weil beide fast zeitgleich in Ulrichstein ihren Dienst begonnen hatten.

»War am Anfang noch die Mitarbeit in den Gruppen möglich, so war dies am Ende deiner Leitungstätigkeit eher selten der Fall, weil mehr und mehr Schreibtischarbeit wie zum Beispiel Anträge, Berichte, Stellungnahmen, Entwicklung eines Qualitätsmangements und vieles mehr dazu kamen«, erinnerte Hofmann. Dazu seien die Leiterinnentreffen, Fachfortbildungen, Gespräche mit Vertretern der Kirchenverwaltung und dem Jugendamt, wöchentliche Dienstbesprechungen, die Organisation von Festen, Personalgespräche und vieles mehr gekommen, zählte Hofmann die vielen Anforderungen an eine Kindergartenleiterin auf.

In diesem Zusammenhang verwies er auch auf die Aussage von Helga Heidler: »Ich bin doch Erzieherin, und diesen Beruf wollte ich eigentlich ausüben und nicht am Schreibtisch sitzen.« Diese Einstellung sei auch die Motivation gewesen, die Leitung des Kindergartens abzugeben, um wieder mehr mit den Kindern in der Gruppe zu arbeiten. Für die neue Kindergartenleiterin Carolin van gen Hassend sei sie in dieser Zeit eine hilfreiche und wertvolle Stütze gewesen.

Danke sagte Manfred Hofmann für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, in der so manches zwischen dem Kindergartenausschuss, Kirchenvorstand, Bürgermeister und dem Pfarrer auf dem kleinen Dienstweg habe geregelt werden können. Als kleines Dankeschön überreichte er einen »kleinen Felsen«, der an die Zeit im Ulrichsteiner Kindergarten erinnern solle.

In ihrer Predigt ging Pfarrerin Antje Armstroff auf die Schöpfungsgeschichte ein. In einem Garten habe alles angefangen. Das Paradies als Garten. Einen solchen Garten gebe es nicht nur in der Bibel, am Anfang, als Gott Himmel und Erde gemacht habe. Solche Gärten und Entfaltungsräume gebe es auch heute noch. »In jedem Fall haben wir hier in Ulrichstein einen solchen Garten: unseren Kindergarten«, sagte die Pfarrerin. Dieser habe ja eigentlich einen lustigen Name, denn Kinder habe ja schließlich keiner in den Kindergarten gepflanzt, und sie würden auch nicht mit einer Gießkanne gegossen, damit sie groß würden. Sie fand den Namen ganz schön und passend. Denn das Wort Garten bedeute eigentlich so etwas wie Zaun oder Schutzraum.

Friedrich Fröbel habe vor fast 200 Jahren den Kindergarten ins Leben gerufen und aufgeschrieben: »Wie in einem Garten unter Gottes Schutz und unter der Sorgfalt erfahrener, einsichtiger Gärtner im Einklang mit der Natur, so sollen hier die edelsten Gewächse, Menschen, Kinder in Übereinstimmung mit sich, mit Gott und der Natur erzogen werden.« Und so, wie der erste Garten unter Gottes Schutz gestanden habe, so sollten in einem Kindergarten, die Kinder, also die edelsten Gewächse unter der Sorgfalt erfahrener und einsichtiger Gärtnerinnen und Gärtner gleich Erzieherinnen in unserem Kindergarten aufwachsen, meinte die Pfarrerin.

Um den Garten blühen zu lassen, bastelten die Kinder und Erwachsenen Papierblumen und überreichten sie dann Helga Heidler.

In ihren Abschiedsworten ging Heidler auf ihre Zeit im Kindergarten ein. Wie man so landläufig sage: »Ich könnte ein Buch darüber schreiben«. Nach 44 Dienstjahren könne sie dies auch und blätterte dann in den gesammelten Werken aus vier Jahrzehnten. In den Jahren 1973 und 1974 habe die kleine Stadt am Schlossberg den Kindergarten gebaut, und sie habe den Schlüssel dazu erhalten. Viele Kapitel seien nach dieser ersten Seite des Buches gefolgt. Heute werde das letzte Kapitel aufgeschlagen, und sie gebe den Schlüssel wieder ab. Danke sagte sie abschließend allen, die mit ihren Entscheidungen, Unterstützung oder mit helfenden Händen zum Gelingen der pädagogischen Arbeit beigetragen hätten.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Erzieherinnen und Erzieher
  • Evangelische Kirche
  • Kapitel
  • Kindergärten
  • Manfred Hofmann
  • Pfarrer und Pastoren
  • Vogelsberg
  • Dieter Graulich
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.