06. September 2018, 08:00 Uhr

»Ohm sweet Ohm«

Überlebt Sherlock Holmes in Homberg?

Sie arbeiten nur akustisch auf der Bühne. Doch sie regen die Fantasie der Zuhörer so an, dass Gänsehaut die Folge ist. Den Auftritt von »Hörtheatrale« wird man nicht so schnell vergessen.
06. September 2018, 08:00 Uhr
Sie arbeiten nur akustisch, aber Stefan Gille und Daniel Sempf alias Sherlock Holmes und Dr. Watson lassen im »Fall Moriarty« immer wieder gespenstische Szenen in der Fantasie der Zuhörer entstehen. (Foto: kag)

Ein einfacher architektonischer Kubus, ein schwarzer Vorhang, um den Blick zu fokusieren und die Weite der Welt dahinter, die Raum bietet, sich in ihr zu verlieren. Das ist das perfekte Ambiente für ein Spiel, das keine Augen braucht, um es zu verfolgen. Mit großer Freude präsentierte »Ohm sweet Ohm« das fünfte Kulturgut des Jahres im Autohaus Nord. Zwischen Mercedes-Sternen und Glashülle fand sich das, wonach die Kulturschaffenden aus Homberg schon seit langen Jahren trachteten: die Szenerie, welche die »Hörtheatrale« aus Marburg benötigt, um ihre prächtigen Hörspiele zu inszenieren.

Mit im Gepäck hatten Stefan Gille und Daniel Sempf alias Sherlock Holmes und Dr. Watson den »Fall Moriarty«. Ein böser Gegenspieler, wenn nicht gar »das Böse der Welt«, wie es Holmes formulierte. Er sagte dies keineswegs ohne Zeichen der Furcht in seiner Stimme nachzuweisen. Tatsächlich: Auch der sonst als furchtlos geltende, geniale Detektiv hat seinen Widersacher gefunden. »Er will mich umbringen«, gesteht er seinem Freund und Helfer Watson und schlägt eine Reise in die Schweiz vor.

Was will die Haushälterin?

Mit auf diesen Weg nahmen die beiden Schauspieler das große Publikum, welches sich entspannt in die Stühle lehnte, nur um immer wieder dann nach vorne zu schnellen, wenn die Theatralik die Spannung nährte und Nebelschwaden über die Bühne zogen. Mit patentem Geräuscharchiv ausgestattet, untermalten die beiden Hörspezialisten ihre Rollen, ließen Züge starten und Loks dampfen oder Steine den Abhang hinabrollen. Ein wichtiges Detail, wie sich herausstellen sollte. Denn Holmes sollte tatsächlich auf seinen Widersacher treffen. Oder doch nicht? Starb er? Oder überlebte er den Angriff des schieren Bösen? Es wäre vermessen, die Geschichte zu verraten, soll sie doch noch oft erzählt werden. Doch das, was aus der Feder von Arthur Conan Doyle einst floss und zwischen den Titeln »Das letzte Problem« und »Das leere Haus« durch die »Hörtheatrale« zusammengefasst wurde, ließ das Blut in den Adern gefrieren und wieder fließen. Da gab es auch kein Pardon, als sich herausstellen musste, dass ausgerechnet die Haushälterin von Holmes zum größten Puzzleteil geraten sollte. Wie gut, dass eine der Anwesenden spontan ihre Sprechrolle übernehmen und damit den Abend und sein Kriminalflagschiff sicher in den Hafen leiten konnte.

Der Applaus war den Akteuren sicher – besonders angesichts der einzigartigen, die eigene Phantasie inspirierende, Inszenierung, die »Ohm sweet Ohm« bereicherte.

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