05. September 2018, 05:00 Uhr

Wasser gesucht

In Ulrichstein bohrt man jetzt in Störzonen

Bohrköpfe und Spezialfahrzeuge sind da. Nun kann der Wassernotstand in Ulrichstein handfest angegangen werden. Wegen der innovativen Suchmethode ist das Ergebnis aber nicht sicher.
05. September 2018, 05:00 Uhr
Vorbereitung auf Brunnenbohrung: 1. Stadtrat Werner Funk und Jan Utes vom Bauhof werfen einen Blick auf die Bohrköpfe. (Foto: jol)

Skeptisch schaut Werner Funk in den runden Schacht, der durch eine massive Stahlröhre stabilisiert wird. Unten schimmert Wasser, »etwa knöchelhoch steht das da drin,« sagt Jan Utes zum 1. Stadtrat. Utes ist beim Bauhof der Stadt im Bereich Wasserversorgung beschäftigt und das neue Vorhaben fällt in seinen Aufgabenbereich. Per Probebohrung wird nach einem neuen Brunnen für die Kernstadt gesucht. Denn die Schürfquelle, die bislang das lebensnotwendige Nass liefert, liegt zu knapp unter der Erdoberfläche und weist oft schädliche Keime auf.

Am Donnerstag soll die Bohrung beginnen, die Fachfirma schafft nun die Gerätschaften herbei, um bis in knapp 100 Meter Tiefe gelangen zu können. Die Ingenieurfirma retagg, die mit der Suche nach einer geeigneten Bohrstelle beauftragt war, geht davon aus, dass man in 60 bis 70 Metern Tiefe fündig wird, wie Funk erläutert. Er hofft dass der Bohrtrupp schnell nach unten gelangt und fündig wird. »Sonst stehen wir im Winter ohne eine neue Wasserversorgung da,« fügt der Vertreter des Bürgermeisters an.

Während die Bohrung konventionell läuft, war die Suche nach der geeigneten Bohrstelle außergewöhnlich. Denn die Stadtverordneten haben sich auf ein in Deutschland wenig verbreitetes Suchverfahren verlassen, das »tektonische Störungen« aufspürt.

So wird das Wasser gesucht

Vereinfacht geht das Verfahren so: Techniker der Firma retagg solutions haben beim Hochbehälter Ulrichstein mehrere Störzonen ermittelt. Bei der Untersuchung haben sie eine Schwingung des Bodens mit einem Schlag ausgelöst, ein empfindliches Messgerät ermittelt aus den Schwingungen, ob im Untergrund tektonische Störzonen liegen. Das sind Risse in festen Gesteinsschichten, wie Ilja Beilin von der Firma aus Remscheid bei der Untersuchung im Oktober 2017 erläuterte. Durch diese Risse oder Klüfte kann Wasser aus tieferen Schichten nach oben steigen und über eine Bohrung angezapft werden. Beim Auswerten mit einem Computerprogramm könne man mit 95-prozentiger Sicherheit sehen, wo und in welcher Tiefe eine aussichtsreiche Kluft liegt, teilte Beilin mit.

Das Verfahren wird in Deutschland selten angewendet, doch die Stadtverordneten haben sich hierfür entschieden, weil die Alternative dazu deutlich teurer wäre. Die Stadtverordnetenversammlung hat bereits im Juni eine Bohrung mit 40 Zentimeter Durchmesser bis auf 60 Meter beschlossen. Die Kosten sollen rund 49 000 Euro betragen. Danach werde entschieden, ob bis auf 99 Meter weiter gebohrt wird. Das würde weitere rund 41 000 Euro kosten. Die Firma retagg solutions begleitet die Bohrung, wie Funk an der Baustelle erläuterte. Wenn eine ergiebige Trinkwasserschicht erschlossen wird, soll die Ingenieurfirma ein Erfolgshonorar von rund 55 000 Euro erhalten. Sollte jedoch bei 60 Metern Tiefe keine Aussicht auf Erfolg bestehen, werden die Arbeiten abgebrochen.

Stadt hat einen Plan B

Dann würde die Stadt auf Plan B umschwenken, der den Bau einer Versorgungsleitung vom Hochbehälter in Helpershain beinhaltet. Dieses Wasserreservoir wird aus dem Brunnen in Köddingen gespeist. Wie eine Untersuchung ergeben hat, gibt dieser genügend Wasser, um auch noch die Bewohner der Kernstadt zu versorgen. Gebaut werden müsste eine Leitung mit Pumpstationen über den Berg. Eine Kostenschätzung geht von 570 000 Euro aus. Das ist die teuerste aber auch die sicherste Variante.

Dass erst jetzt mit der Bohrung begonnen wird, liegt an dem Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium, das mehrere Wochen in Anspruch genommen hat. Wie Stadtrat Funk weiter sagte, hat sich die Bohrung auch deshalb verzögert, weil die Baufirma nicht eher anfangen konnte.

Die Dauer der Arbeiten ist schlecht absehbar, weil das von den Bodenverhältnissen abhängt. Utes hat gehört, dass die Bohr-Arbeiter kürzlich 20 Tage brauchten, um 40 Meter Tiefe zu erreichen.

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