29. August 2018, 21:52 Uhr

Blutiges Ende einer Zechtour

29. August 2018, 21:52 Uhr

Die Narbe und die schmerzhaften Erinnerungen bleiben der jungen Frau erhalten. Doch in welchem Zusammenhang sie einen lebensgefährlichen Messerstich abbekommen hat, das blieb am ersten Prozesstag am Jugendschöffengericht Alsfeld unklar. Aufgearbeitet wird eine Auseinandersetzung zwischen einem inzwischen 21-Jährigen und einer fünfköpfigen Gruppe ebenfalls junger Leute in den frühen Morgenstunden des 16. Juli vergangenen Jahres in Homberg. Am Ende hatte die junge Frau eine Stichverletzung am Oberkörper. Dabei wurden Brustkorb und Milz verletzt, eine Notoperation rettete ihr das Leben. Der Angeklagte hat sich bei ihr entschuldigt und zahlt ein Schmerzensgeld.

Unabhängig davon gibt es einen Strafprozess wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Jugendschöffengericht Alsfeld. Dabei gab es zwei komplett widersprüchliche Versionen des Geschehens in jener Julinacht. Der 21-Jährige erinnerte sich, beim Brunnenfest mit Bekannten bei einigen Schnäpsen zusammengesessen zu haben. Ein früherer Schulkamerad habe sich zu ihnen gesetzt und habe ihn ausgelacht, als er von seinen beruflichen Plänen erzählte. Als der andere ihn schubste, seien beide hingefallen. Als er mit zwei Bekannten gegen 2.30 Uhr nach Hause gehen wollte, habe der Ex-Schulkamerad mit vier Begleitern an einer Ecke gestanden und mit einem Glas nach ihm geworfen. Seine Bekannten seien deshalb weggerannt. Die andere Gruppe habe ihn angegriffen, er sei zu Boden gegangen und gegen Kopf und Körper getreten worden. Schließlich konnte er sich aufrappeln und wollte den anderen laut eigener Aussage Angst machen: »Ich habe mein Messer gezogen.«

Not-OP rettet Frau das Leben

In dem Moment sei die junge Frau aus der Gruppe dazwischen gegangen, sie habe ihm helfen wollen, so der 21-Jährige. Etwas später habe er gemerkt, dass seine Hände voller Blut waren und er weiter getreten werde. Er habe sich aufgerappelt und sei zu einer Bekannten gelaufen. Dort stellte er fest, dass er drei Wunden am Kopf hatte, dazu viele Prellungen. Er wurde etwas später von Polizisten festgenommen und befragt. Zwei Wochen hatte er schwere Kopfschmerzen von einer Gehirnerschütterung und der ganze Körper sei von den Tritten grün und blau gewesen.

Das Opfer der Auseinandersetzung schilderte den Hergang ganz anders. Demnach habe man nach dem Brunnenfest noch in einer Kneipe gesessen und wollte in einer Fünfergruppe nach Hause gehen. An einer Straßenecke habe der 21-Jährige gestanden und sei sofort auf die Gruppe zugerannt. Er sei aggressiv gewesen und als sie versuchte, ihren Freund aus dem Gemenge herauszuziehen, habe sie einen Stich gespürt. Sie ging mit einer anderen Frau aus der Gruppe zur Seite und warnte die anderen, dass der 21-Jährige ein Messer dabei hat. Einer »von unseren Jungs« habe ihm das Messer abgenommen, P. habe es dann von ihnen zurückverlangt. Dass einer der Beteiligten zu Boden gegangen war, wusste sie nicht mehr. Schläge will sie auch nicht gesehen haben. Ein Glas habe niemand geworfen.

Der Gleichaltrige, mit dem der Angeklagte auf dem Brunnenfest den kurzen Disput hatte, sagte aus, er sei von ihm auf der Straße angegriffen worden. Er erinnerte sich ebenfalls an eine »Rangelei«, Schläge gegen P. verneinte er.

Die zwei anderen jungen Männer aus der Gruppe um die Verletzte konnten sich zunächst ebenfalls nicht an Schläge erinnern. Erst als der Richter aus den Vernehmungsprotokollen bei der Polizei zitierte, erinnerten sie sich. Demnach hat einer von ihnen P. die Beine weggezogen und er stürzte. Auch sei P. geschlagen worden.

In Augenschein nahm man auch Kleidungsstücke vom Tattag. Dabei wies die Hose des Angeklagten am Schienbein ein Loch auf, das zu einem Glaswurf passt. Fotos zeigten, dass P. damals grün und blau geprügelt worden war.

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