25. August 2018, 12:00 Uhr

Oldtimer

Rarität in creme-türkis kommt aus Groß-Eichen

Bernd Faust liebt altes Metall. Am Sonntag zeigt er zur 1000-Jahr-Feier seine Sammlung, für die er am liebsten ein kleines Museum gründen würde. Darunter ist ein Ford Taunus von 1965.
25. August 2018, 12:00 Uhr
Die 53 Jahre sieht man dem Ford Taunus nicht an. Bernd Faust stellt den P4 am Sonntag beim stehenden Festzug in Groß-Eichen aus. (Foto: rs)

Einmal Ford – immer Ford. Der Wagen mit der blauen Pflaume im Kühlergrill zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Denn bereits die Mutter fuhr zunächst einen 17m, später einen 20m. Erst mit späten 42 Jahren hatte die Hausfrau damals den Führerschein gemacht, der Vater, ein Monteur, hatte nie eine Fahrerlaubnis erworben. Automobiler Höhepunkt in der Familie war letztlich ein Granada. Aber Größe ist nicht alles. Bernd Faust steht stolz neben seinem Taunus P4 Baujahr 1965 – im Vergleich zu einem Granada der Jahre 1972-1985 eher ein Wägelchen. Aber der Oldtimer steht in der Scheune auf Teppichboden top da: zweifarbig edel in creme-türkis, als Viertürer eine Rarität, Vorderradantrieb und noch mit der Ford-Pflaume seitlich unten am vorderen Radkasten. Denn mit dem in den USA entwickelten Modell, das dort eigentlich Cardinal heißen sollte, war sich Ford unsicher. So zierten Kühlergrill und Leckradmitte ein Stadtwappen: das von Köln, wo die Fordwerke sind. Damit brachte Ford eine Konkurrenz zu VW-Käfer und Opel-Kadett auf den Markt.

Wert hat sich vervierfacht

Als Heranwachsender hatte Bernd Faust erstmals bei einem P4 mit geschraubt. Sein Schwager, ein Karosseriebauer, schweißte an einem Ford Taunus, und der junge Bernd Faust half. Damals, in den 1980er Jahren, war der Taunus bereits ein älterer Wagen, der junge Mann war für das Modell gleich Feuer und Flamme. Es sollte dann noch bis 2003 dauern, dass es so ein Modell erwerben konnte. Zufällig las dass Faust in einer Oldtimer-Zeitung eine Annonce, im Saarland wurde ein P4 angeboten, für 2150 Euro damals ein Schnäppchen. Denn der Wagen war in sehr gutem Zustand. Den heutigen Wert taxiert der stolze Besitzer auf das Vierfache.

Auch wenn der Wagen schon über 50 Jahre alt ist: Wenn man einsteigt, hat man den Geruch der Fahrzeuge in der Nase, wie er früher in fast allen verbreitet war. Wie und warum die Autobauer das damals gemacht haben, kann auch Faust nicht sagen. Der Geruch ist jedenfalls so intensiv, dass auch die Handbücher nach Jahrzehnten noch so riechen.

Moped stand lange im Hochwasser

Wenn man einen Oldtimer hat, wächst man automatisch mit den Problemen. Den neuen Auspuff hat Faust selbst unter das Bodenblech geschraubt, ebenso die original Westfalia-Anhängerkupplung. Zu den regelmäßigen Treffen der Ford-Enthusiasten kann er so auf einem Anhänger immer mal eines seiner Mopeds mitnehmen. Die gibt es nun (leider) nicht von Ford, seine favorisierte Marke ist Herkules, aber am liebsten fährt er auf seiner Schwalbe mit seltener Handschaltung aus der DDR. Für 180 Euro hat er sie einst bekommen, sie war etwas überholungsbedürftig, weil sie 2002 im sächsischen Grimma im Hochwasser gestanden hatte. Ein Kumpel brachte das vollverkleidete Moped wieder zum Laufen. Eine Besonderheit ist ein Lastenmoped der Post mit Sachsmotor. Weil der voluminöse Frontgepäckträger für die Pakete fehlte, hat Faust das mit einem Freund nachgebaut. Hinten unter dem Gebäckträger ist noch ein abschließbares Wertfach angeschweißt, in dem der Briefträger in den 1950er und 1960er Jahren die Geldbriefe verwahrte.

Werbeschilder mit Biermarken

Mit einer Ausstellung seiner Werbeschilder-Sammlung im Ernst-Eimer-Museum war Faust erstmals an die Öffentlichkeit getreten. Das war auf große Resonanz gestoßen, ihm sind seither immer wieder neue Schilder angeboten worden, teilweise auch geschenkt. Für die Ausstellung am Sonntag hat Faust zusammen mit seinem Sohn Tom-Luca (18), einem Schreiner-Azubi, die Schilder thematisch geordnet auf Zaunlatten oder Stehleitern montiert. So lassen sie sich leicht transportieren. Geordnete sind sie nach den Themen Tabak, Bier, Maschinen, sowie Post und Versicherung. Viele stammen auch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Bei der Aufarbeitung der Emailleschilder hat er Übung in der Metallbehandlung bekommen, und so konnte er für seinen Ford-Taunus ein Modell in den Farben des großen lackieren: Jetzt steht der kleine Ford creme-türkis im großen auf dem Armaturenbrett.

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