21. August 2018, 12:00 Uhr

Kahlschlag

Außen Feldholzinsel, innen leer

Die neue Lichtung ist 35 Meter lang und 15 Meter breit – und erkennbar noch ganz frisch. Scharfe Kritik an der Zerstörung eines Biotops bei Maulbach üben Naturschützer, und es wird ermittelt.
21. August 2018, 12:00 Uhr
In der Feldholzinsel sind auf rund 400 Quadratmeter Fläche Bäume und Sträucher gerodet. (Foto: pm)

Fassungslos präsentieren Wolfgang Seim aus Maulbach und Barbara Schlemmer aus Homberg die Bilder eines Kahlschlags. In einer Feldholzinsel in der Gemarkung Sörenteich sind im Frühjahr mehrere große Bäume und das ganze Strauchwerk gründlich gerodet worden. Inmitten der über 100 Meter langen grünen Idylle zwischen zwei Äckern ist eine rund 400 Quadratmeter große Brache entstanden, wie Seim anhand der Aufnahmen schätzt. Die Fällaktion in dem offenbar geschützten Biotop ist an die Stadt Homberg und die Untere Naturschutzbehörde des Vogelsbergkreises gemeldet worden, die Behörde hat Ermittlungen eingeleitet.

Wie Seim und Schlemmer berichten, sind Bäume und Sträucher wohl Anfang April gerodet worden. Dabei sind die Holzfäller fachmännisch vorgegangen, die Bäume wurden direkt über der Erdoberfläche abgesägt, die Sträucher komplett entfernt. Zurück blieb eine Lichtung, die auf den ersten Blick nicht einsehbar ist, erläutert Seim, der in der Maulbacher Naturschutzgruppe aktiv ist. Der Eigentümer des Grundstücks sei vor einigen Wochen dabei gesehen worden, als er Stammholz auf seinen Hof transportierte. Nahe der neuen Lichtung blieben noch einige Baumkronen zurück. Barbara Schlemmer von der NABU-Gruppe Homberg ist besonders erbost darüber, dass an einem Graben gerodet wurde. Denn Wasserläufe sind besonders geschützt. So sind Uferrandstreifen nur eingeschränkt nutzbar. Einig sind sich die beiden Naturschützer, dass die Holzfäller in der Schonzeit aktiv waren. Im Frühjahr dürfen Bäume und Hecken nicht gerodet werden, um nistende Vögel nicht zu gefährden.

Landwirt schon öfter kritisiert

Interessant ist die Vorgehensweise der Holzfäller. Sie wirkten inmitten der Feldholzinsel, ein Saum blieb stehen, um den Umweltfrevel nach außen nicht gleich offenkundig werden zu lassen. Das gesamte Gelände ist vor wenigen Jahren von der Hessischen Landgesellschaft an einen Maulbacher Landwirt übereignet worden – als Ausgleichsmaßnahme für den Landverlust beim Bau der geplanten A 49.

Markus Haumann, Leiter des Hauptamtes bei der Stadt Homberg, bestätigte, dass der Vorfall gemeldet wurde. Zuständig sei die Untere Naturschutzbehörde. Die Pressestelle des Kreises teilte auf Nachfrage mit, der Vorfall werden von der Unteren Naturschutzbehörde untersucht.

Der Landwirt, dem das gesamte Grundstück gehört, ist bereits in Vorjahren mehrfach wegen der Zerstörung von Hecken in die Kritik geraten. Wie in diesem Fall gab es keine Zeugen, die ihn bei Naturzerstörungen beobachtet haben. Allerdings handelte es sich um Hecken an seinen Äckern, im neuen Fall geht es um eine Feldholzinsel inmitten seiner Ackerfläche.

Kahlschlag in einem Biotop

Karl-Heinz Zobich vom NABU Homberg hat ermittelt, dass es sich um das gesetzlich geschützte Biotop »Feldgehölz mit Tümpel nordwestlich von Maulbach« handelt. Die Rodungsarbeiten hält er für einen klaren Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz und das Hessische Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz. Möglicherweise sollte die Fläche nach einer weiteren Abholzung der am Rand stehenden Bäume als Acker noch mitbewirtschaftet werden, mutmaßt Zobich. Mit der Fällaktion sei zweifelsfrei eine Ordnungswidrigkeit begangen worden.

Der NABU werde sich mit der Angelegenheit befassen, eventuell werde man eine Beschwerde beim Regierungspräsidium Gießen erheben. Auch im Naturschutzbeirat des Kreises will er das Thema vorbringen. »Ziel ist nicht allein die Strafe, sondern ein Zeichen gegen die wiederholt mit voller Absicht begangenen Beeinträchtigungen der Natur in unserer Stadt Homberg und den Städten und Gemeinden im Vogelsberg,« teilt Zobich weiter mit. Das betreffe auch Themen wie das illegale Umbrechen von Feldwegen und Seitenstreifen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Biotope
  • Bäume
  • Entwaldung
  • Homberg
  • Karl Heinz
  • Landwirte und Bauern
  • Naturschutzbehörden
  • Naturschützer
  • Regierungspräsidium Gießen
  • Schlemmer
  • Sträucher
  • Vogelsberg
  • Wasserläufe
  • Homberg-Maulbach
  • Joachim Legatis
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 3 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.