16. August 2018, 08:00 Uhr

Mathe-Buch von 1757

Alltagsaufgabe damals: Was kostet eine Armee?

Ein handgeschriebenes Mathe-Buch von Johann P. Allendörfer von 1757 ist das neueste Exponat des Homberger Brauhausmuseums und bietet Einblick in die Gedankenwelt dieser Zeit.
16. August 2018, 08:00 Uhr
Liebevoll gestaltet: Tilman Niehof mit dem restaurierten Mathe-Buch von 1757, das nun im Museum ausgestellt wird. (Foto: jol)

Das handliche Büchlein aus dem Jahr 1757 hat es Tilman Niehof angetan. Geradezu zärtlich nimmt der Musuemsleiter das frisch restaurierte Werk in die Hand, blättert gedankenverloren durch die Seiten mit Sinnsprüchen, Mathe-Aufgaben und hübschen Zeichnungen. Niehof ist stolz auf das neue Ausstellungsstück für das Brauhausmuseum in Homberg. Es bietet Einblicke in die Gedankenwelt eines gerade einmal 15-Jährigen in einer von Kriegen und Religion geprägten Umgebung. Autor ist Johann Philipp Allendörfer, der von 1741 bis 1813 lebte und sein eigenes Mathematik-Übungsbuch schrieb.

Allendörfer hat das Werk 1756/57 verfasst, eine Recherche ergab, »er muss um die 15 Jahre alt gewesen sein,« sagt Niehof. Johann Philipp Allendörfer lebte in Wehrheim und hat dort eine Strumpf-Manufaktur betrieben. Das bringt Niehof zu der Folgerung, er stamme aus einer hugenottischen Familie. »Die Strumpfherstellung war damals eine Domäne der Hugenotten, darauf verstand man sich nicht in Deutschland,« sagt Niehof. Der Begriff umfasst Protestanten, in vor allem in den 1680er Jahren aus dem mehrheitlich katholischen Frankreich flüchteten. Allendörfer beherrschte drei Sprachen, wie das Mathe-Buch zeigt. Er schrieb auf deutsch, französisch und lateinisch.

15-jähriger Autor sehr gebildet

»Er war jedenfalls ein gebildeter junger Mann, wenn er bereits mit 15 Jahren ein Buch mit Rechenaufgaben verfasst hat,« meint Niehof. In den Aufgaben werden praxisnahe Themen wie Maße, Gewichte, Flächen und Zahlen im Zusammenhang mit Gehältern abgehandelt. Eine Lieblingsaufgabe Niehofs ist die vom den Kürassieren: Unter der Überschrift »Divisio«, Teilen, schreibt Allendörfer: Ein Feldoberst hat unter sich drei Kompanien »Curassierer« mit 345 Mann. Sie nehmen ein Schloss ein und erbeuten 95220 (es folgt ein Zeichen, das Niehof nicht einordnen kann, vielleicht waren Louis d´Or gemeint). Die Frage ist, wie viel jeder erhält. »Facit 276 bekommt ein Jeder.«

Auch in einer anderen Aufgabe geht es um militärisches. So stellt sich Allendörfer die Aufgabe auszurechnen, wie viel der König von Preußen für seine Armee im Jahr aufwendet, wenn er 31 Regimenter zu je 152 Mann hat, die täglich 28 Münzen erhalten. Die Währungszeichen konnte Niehof noch nicht entschlüsseln. Das Problem ist, dass Mitte des 18.Jahrhunderts jedes kleine Territorium seine eigene Währung hatte.

Zwei Exemplare im Museum

Seinen Reiz gewinnt das Buch auch durch seine künstlerische Gestaltung. So hat der Autor seinen Namen auf einer Seite kunstvoll ausgestaltet. Darunter steht ein Lob auf »Jesus den Retter der Welt«. Farbige Verzierungen machen das Mathe-Buch zu einem kleinen Kunstwerk. Niehof freut sich auch, in welch hervorragendem Deutsch es geschrieben ist. »Er schreibt besser als Friedrich der Große, der viele Schreibfehler machte,« lobt er.

Demnächst wird das Buch in der Ausstellung des Brauhausmuseums zu sehen sein. Zunächst muss eine Vitrine angefertigt werden. Dann sind zwei Exemplare des Mathe-Buchs zu erleben. Das restaurierte Werk hinter Glas und eine Kopie, in der man blättern kann. Das Originalwerk war stark angegriffen, so fraß sich die säurehaltige Tinte an einigen Stellen durch das Papier. Der Restaurator hat deshalb die Seiten aufgespalten und auf ein Zwischenblatt geklebt. Mit dem neuen Einband anstelle des zerlöcherten Originals ist es ein ansehnliches Ausstellungsstück. Dabei ist der Bezug zu Homberg nicht sehr stark, denn in den Archivalien der Stadt taucht kein Johann Philipp Allendörfer auf. In einer Widmung taucht allerdings immerhin die Stadt an der Ohm auf.

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