05. August 2018, 05:00 Uhr

Vor der Einschulung

»Kinder sind heute anstrengender«

Kinder haben sich in den letzten Jahren verändert: Schulleiterin Eva Sartorius von der Grundschule Homberg verweist darauf, dass Lehrer heutzutage immer mehr Erziehungsaufgaben übernehmen.
05. August 2018, 05:00 Uhr
Kinder brauchen viel Aufmerksamkeit – auch in den Pausen an der Grundschule Homberg. (Foto: jol)

Ganztagsangebote, Inklusion, Integration von jungen Geflüchteten und verunsicherte Eltern – wenn man sich eine Weile mit Eva Sartorius unterhält, merkt man, wie vielschichtig heutzutage das Arbeitsspektrum vom Lehrerinnen und Lehrern an der Grundschule ist. Die Leiterin der Einrichtung an der Homberger Hochstraße lobt deshalb ausdrücklich die Entscheidung, einen Sozialpädagogen anzustellen. »Das ist eine sehr gute Idee des Landes,« sagt Sartorius, denn der neue Kollege oder die Kollegin ist »absolut notwendig«.

Schule hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. So nennt die Leiterin die Inklusion als noch lange nicht bewältigte Aufgabe. Denn nun werden Kinder aus Förderklassen an der Grundschule unterrichtet, dadurch ist »die Spanne der Fähigkeiten« größer geworden. In einer Klasse sitzen Lernschwächere und Schlauberger nebeneinander, Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und die ganz stillen, die auch gefördert werden wollen. »Die erzieherische Arbeit wird wichtiger,« folgert Sartorius. Deshalb geht der Trend zu den Ganztagsangeboten, von den rund 240 Kindern in Homberg nehmen 100 auch an den Nachmittagsangeboten teil. Dann müssen die Lehrerinnen und Betreuungskräfte eben auch Erziehungsaufgaben der Eltern übernehmen.

Mit anderen Kulturen klarkommen

Dabei beobachtet die Pädagogin eine größere Unterschiedlichkeit der Kinder. »Sie sind anstrengender geworden« und wollen gezielter gefördert werden. Wenn 20 oder mehr Kinder mit großen Unterschieden zusammensitzen, »wird das schwieriger für die Lehrerinnen«. Manche Kinder tun sich auch schwer damit, Regeln einzuhalten.

Mit den Ganztagsangeboten ändert sich auch die Organisation an der Schule, die nun Essensangebote schaffen muss. Gerade am Nachmittag muss es Förderung bei Hausaufgaben, Angebote zum Spielen und Rückzugsbereiche für Momente der Ruhe geben. »Die einen brauchen Sport, die anderen Ruhe,« fasst Sartorius den Anspruch zusammen.

In der Grundschule sind auch Jungen und Mädchen mit schlechten Sprachkenntnissen dabei, die gefördert werden. Das betrifft Kinder aus Familien mit ausländischen Wurzeln und junge Geflüchtete. Darunter sind auch Sprösslinge, die in Flüchtlingslagern gelebt und keine Kita kennen gelernt haben. »Sie müssen nun lernen, mit einer anderen Kultur klarzukommen,« sagt Eva Sartorius. Manche schaffen das schneller, andere brauchen mehr Zeit. Das kostet viel Aufmerksamkeit der Lehrerinnen. Dabei kann ein Sozialpädagoge oder eine Sozialpädagogin überaus hilfreich sein.

Neuer Sozialpädagoge entlastet

Bislang ist mit Nicole Grün von der schulnahen Jugendsozialarbeit eine Sozialpädagogin an einem Tag pro Woche dabei, »das hilft uns schon sehr«. Die zusätzlichen Stunden der neuen Kraft können sinnvoll in Hausaufgabenbetreuung und Begleitung von einzelnen Schülern im Unterricht investiert werden. Sartorius hofft auch, dass Schüler in einer schwierigen Lage eine »Auszeit« nehmen können. Dann wird der betreffende Schüler nach einen Konflikt aus dem Unterricht genommen und kann sich in einem Auszeit-Raum sammeln.

Der neue Sozialpädagoge kann Lehrkräfte beraten und Elterngespräche führen. Lehrerinnen sind Vertrauenspersonen für Eltern, sagt Sartorius, bislang müssen Gespräche über Schwierigkeiten zu Hause zusätzlich zum Pensum an der Schule geschultert werden. »Wir erhoffen uns eine Entlastung bei der Erziehungsberatung,« formuliert Sartorius. Dafür haben Lehrerinnen zu wenig Zeit. Eine weitere Aufgabe ist vorbeugende Arbeit gegen Gewalt und Süchte. Da geht es um Übungen für Frustrationstoleranz, Ich-Stärkung und soziales Verhalten. Da arbeiteten Lehrerinnen und die Kräfte in der Nachmittagsbetreuung eng zusammen – und im neuen Schuljahr ein Sozialpädagoge.

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