04. August 2018, 05:00 Uhr

Nordfrost

»Absehbare Kosten verschleiert«

Alle Mücker Fraktionen begrüßen die Ansiedlung der Firma Nordfrost - aber nicht die Art und Weise. Grüne und CDU kritisieren deshalb den ehemaligen Bürgermeister Matthias Weitzel.
04. August 2018, 05:00 Uhr
Eine sehr staubige Angelegenheit ist derzeit die Großbaustelle für das neue Lager der Firma Nordfrost im Industriegebiet Gottesrain III bei Atzenhain. (Foto: rs)

Tagsüber weht der Wind heftige Staubfahnen über die Großbaustelle für das neue Lager der Firma Nordfrost bei Atzenhain, am Donnerstagabend war leichter Gegenwind in der Gemeindevertretung zu spüren: Nicht grundsätzlich zum Millionenprojekt im Industriegebiet Gottesrain III, aber doch zur Art und Weise, wie die Ansiedlung unter Federführung des vormaligen Bürgermeisters Matthias Weitzel (SPD) über die Bühne gegangen war. Denn der Nachtragshaushalt war unter anderem nötig geworden, weil für die von allen Fraktionen begrüßte Ansiedlung in den letzten Wochen erhebliche Investitionen von rund 1,5 Millionen Euro bekannt wurden. Gleichwohl ist die Ansiedlung der Firma Nordfrost jetzt auch haushälterisch in trockenen Tüchern. Anlass für den Nachtragsetat zum Doppelhaushalt 2017/18 war neben der besagten Investition ein massiver Rückgang der Gewerbesteuer.

In der Diskussion zum Nachtrag monierte Dr. Udo Ornik (Die Grünen), die 1,5 Millionen Euro Mehrkosten zu der Großansiedlung seien vorhersehbar gewesen. Die Kritik gehe an die Adresse des vormaligen Bürgermeisters Matthias Weitzel, dem Dr. Ornik vorwarf, »absehbare Kosten sind verschleiert worden«. Das könne man auch wohlwollend als Wirtschaftsförderung interpretieren. Die erst kürzlich offenbar gewordenen erheblichen Investitionen seien weder in der Gemeindevertretung diskutiert worden noch den Bürgern bekannt gewesen.

SPD sieht keine Verfehlungen

Und der Grünensprecher hatte einen Vergleich über die Größenordnung parat: Hätten sich 20 Mücker Betriebe am Gottesrain III angesiedelt, so hätte jede dieser Firmen 50 000 Euro bekommen können. »Hoffentlich werden in Zukunft solche Projekte nicht mehr schön gerechnet«, appellierte Dr. Ornik. Gleichwohl stimme die Grünen-Fraktion dem Nachtragshaushalt zu.

Dr. Hans Heuser unterstützte die Grünen-Kritik und sagte für die CDU zum Nachtrag, man stimme diesem auch zu. Positiv sei formal, dass der Nachtrag bei einem Doppelhaushalt in der zweiten Halbzeit die Finanzlage der Gemeinde umfassend darstelle. Aus Sicht der CDU falle positiv auf, dass das Land die Gemeinde mit rund 300 000 Euro mehr bedenke, als es in den Vorjahren der Fall gewesen sei.

Ulf Immo Bovensmann sagte für die FW/SPD, die Koalition stimme dem Entwurf des Nachtragshaushaltes zu. Positiv sei, dass bei weniger Einnahmen und mehr Ausgaben weder Steuern noch Gebühren erhöht worden seien. Zu den Mehrkosten den Gottesrain III betreffend hoffte Bovensmann, dass im Nachgang auch mehr Einnahmen für die Gemeinde erzielt würden. Für die SPD äußerte Ottmar Traum, der vormalige Bürgermeister Matthias Weitzel habe zum Projekt Gottesrain III nichts verschleiert. Einen neuen Brunnen hätte man auch unabhängig von der Ansiedlung von Nordfrost für Atzenhain gebraucht.

Der Nachtrag wurde letztlich einstimmig von allen Fraktionen befürwortet.

Interessent für 90 Lkw-Parkplätze

Der Bau des Nordfrost-Lagers hat gerade erst begonnen, da zieht das Millionen-Projekt schon weitere ansiedlungswillige Firmen an: So interpretiert es jedenfalls Bürgermeister Andreas Sommer, der die Gemeindevertreter im Dorfgemeinschaftshaus von Flensungen darüber informierte, dass eine Anfrage gekommen sei, im Industriegebiet einen Lkw-Rast- und Parkplatz ausschließlich für Lkw zu bauen. Rund 90 Lkw sollen auf einer Fläche von etwa drei Hektar stehen können, das mögliche Projekt mit über 50 Arbeitsplätzen bezifferte Sommer auf über zehn Millionen Euro. Wahrscheinlich sei der Hintergrund des Ansiedlungswunsches, dass bei Nordfrost täglich rund 100 Lkw anliefern und aufladen. Jetzt werde die Gemeindeverwaltung zunächst Pläne anfordern und ein Referenzprojekt anschauen. Am Rande der Sitzung wies Dr. Udo Ornik (Die Grünen) darauf hin, dass bei der Ansiedlung des Maxi-Autohofes, für den das Gewerbegebiet einst aufgelegt worden sei, möglicherweise Beschränkungen für Ansiedlungen vereinbart worden seien, die das Geschäftsmodell des Maxi-Autohof tangierten.

Im Bericht aus der Arbeit des Gemeindevorstandes informierte Bürgermister Sommer unter anderem darüber, dass der Sanierungsbeginn am Dorfgemeinschaftshaus Nieder-Ohmen endlich am Montag sei. Er bedauerte, dass die Einrichtung fast drei Monate lang geschlossen gewesen sei, ohne dass sich was getan habe. »Der Stillstand war natürlich ein Desaster für die Vereine« entschuldigte sich Sommer für den späten Sanierungsbeginn. Jetzt bestehe begründete Hoffnung, dass der NCC zum Fasching nicht umziehen muss. Wegen der anstehenden Abrissarbeiten seien die Anlieger benachrichtigt worden.

Ursprünglich hatte das Versorgungsunternehmen OVAG drei Ladestationen für Elektroautos in der Großgemeinde in Aussicht gestellt, die Gemeinde hatte dazu Vorschläge unterbreitet. Jetzt kommt nur noch eine am alten Rathaus in Nieder-Ohmen. Hintergrund ist, dass am Schwimmbad oder großen Märkten sowieso Stationen kommen oder die technischen Basis dazu fehlt.

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