03. August 2018, 05:15 Uhr

Kitas

Homberg kappt bei Betreuungszeiten

Die Eltern müssen für sechs Stunden Betreuung im Kindergarten nicht mehr zahlen. Weil Homberg sein hohes Defizit in diesem Bereich verringern will, wird bei der Betreuungszeit etwas abgeknapst.
03. August 2018, 05:15 Uhr
Das Nachmittagsmodul sieht künftig eine Stunde weniger Betreuung am Nachmittag vor: Nina Mergner (l.) und Alexandra Weidemüller sehen den Bestand des Nieder-Ofleidener Kindergartens in Gefahr. (Foto: ks)

Kleine Dorf-Kitas sind bei Eltern beliebt. Das ist in Nieder-Ofleiden und Büßfeld nicht anders. Auch gegen sechs kostenlose Betreuungsstunden dürften die wenigsten Eltern von Kindergartenkindern etwas haben. Um zu sparen, knapst die Stadt allerdings bei den Betreuungszeiten im neuen Kita-Jahr etwas ab. Etliche Eltern – Beispiel Nieder-Ofleiden – sind alles andere als begeistert.

So können die Eltern in Nieder-Ofleiden ihre Kinder noch bis um 16 Uhr betreuen lassen, vorher war dies bis 16.30 Uhr möglich, das gilt auch für Büßfeld. Auch in der großen Kita in der Hochstraße wird die Öffnungszeit um eine halbe Stunde auf 16.30 Uhr verkürzt. Wer glaubt, die halbe Stunde macht doch nichts, der bedenkt nicht, wie eng getaktet die Tagesabläufe von modernen Eltern oftmals sind.

Es gibt im heutigen Arbeitsleben viele unterschiedliche Modelle, etwa einige volle Tage in der Woche oder auch Schichtdienst in Teilzeit. Darauf weisen im Gespräch die Mütter Nina Mergner und Alexandra Weidemüller hin. Offenbar gehe man aber bei der Stadt immer noch von der Einverdiener-Ehe aus. Die Realität sehe anders aus: »Haus gebaut, Auto, da reicht ein Einkommen nicht.« Und so sind die beiden ziemlich sauer. Denn die jetzt angekündigte Öffnungszeit bis 16 Uhr »mache schon mürbe«. Und selbst die steht auf dem Spiel, so die Sorge der Mütter, wenn nicht genügend Kinder angemeldet werden. Alexandra Weidemüller, selbst in der Kindertagespflege tätig, meint, eine Betreuungszeit etwa bis 15 Uhr »sei in der heutigen Zeit eigentlich gar nicht mehr zu halten.«

Keine Planungssicherheit

Um die sechs beitragsfreien Stunden anbieten zu können, wird in Nieder-Ofleiden die Öffnungszeit am Freitag von 12.30 auf 13.30 Uhr verlängert. Dafür soll dann ab September von Montag bis Donnerstag nur noch bis 16 Uhr geöffnet sein.

Bangen müssen die Eltern aber auch aus einem anderen Grund. Denn die Nachmittagsbetreuung nach 13.30 Uhr soll künftig nur zustande kommen, wenn die Zahl der Anmeldungen mindestens zehn beträgt. Das könnte knapp unterschritten werden. Insgesamt schnüre man mit den neuen Regelungen den Dorfkitas die Luft ab, fürchten die beiden Mütter. »Klar bekommt man in einer Kita mit 100 Kindern wie in der Hochstraße nachmittags schneller die Anmeldungen zusammen, die man braucht.«

Ärgerlich sei auch, dass künftig jedes Jahr neu über die Nachmittagsbetreuung entschieden werden soll. Das sei das Ende jeder Planungssicherheit, die berufstätige Eltern dringend bräuchten. »Das sollte man auch bedenken, wenn man Bauplätze verkaufen und junge Familien ansiedeln will.« Mit einer Kita vor Ort könne man jedenfalls noch richtig punkten. Die Eltern des Krabbelhauses treffe es doppelt, dort würden nicht nur Zeiten gekappt, sondern auch die Beiträge erhöht und beim Personal gespart. Wobei die Beiträge nicht einmal das Problem sind, die hätte man nach Auffassung der beiden Frauen schon vor zehn Jahren schrittweise erhöhen können.

Das hatten Kommunalpolitiker selbst kritisch eingeräumt. Und das Sparpotenzial sei aufgrund der aktuellen Maßnahme sehr überschaubar, so die Nieder-Ofleiderinnen. So werde gerade eine Personalstunde gespart, »ob es das wert ist, wenn man bedenkt, welchen Aufwand die Eltern haben?«.

Das gelte besonders, wenn Eltern keine Großeltern vor Ort haben, die bei der Betreuung einspringen können. »Man kann nicht einerseits eine familienfreundliche Kommune sein wollen und dann auf dem Rücken der Eltern sparen.« Überall werde versucht, aus dem neuen Gesetz das Beste herauszuholen, nur in Homberg sollten Haushaltslöcher gestopft werden. Obwohl die Einsicht da ist, »dass gespart werden muss«. Und die beiden Mütter räumen auch ein, dass die Kinderbetreuung auf dem Land im Vergleich zur Stadt immer noch sehr preiswert ist, »das ist nicht das Problem«. Bleibe man aber bei der jetzigen Haltung, dann werde man die Dorf-Kitas, wie es sie auch noch in Büßfeld und in Maulbach gibt (dort allerdings in kirchlicher Trägerschaft), »irgendwann in die Knie zwingen«.

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