28. Juli 2018, 12:00 Uhr

Dörfer

Ilsdorf hat neben Gebrauchtkirche noch mehr Besonderheiten

Der Ort hat nur um die 200 Einwohner, ist aber in Hinblick auf die Bebauung zweigeteilt. Deshalb hat Ilsdorf auch zwei Friedhöfe. Und auch das Kirchlein ist eine Besonderheit.
28. Juli 2018, 12:00 Uhr
Die Zweiteilung des kleinen Ortes Ilsdorf ist aus der Luft sehr gut zu erkennen. Im Vordergrund der kleinere Ortsteil Solms. (Foto: Henß)

Es ist mehrere Hundert Jahre alt, steht aber erst seit 33 Jahren im Ort. Außerdem haben die Ortsbürger vor Jahren einmal für kurze Zeit ein Einbahnstraßensystem anlegen müssen, weil der Zustrom zu einer Veranstaltung sonst nicht zu bewältigen gewesen wäre. Denn vor vier Jahren wurde das kleine Örtchen zum Mekka der »Amigos«-Fans.

Es dürfte wohl nur wenige Orte in der Größenordnung Ilsdorfs geben, die so viele Besonderheiten aufzuweisen haben. Wie der Chronik des einstigen Ortsvorsteher Rudolf Velten von 1998 zu entnehmen ist, hieß bis zum 1. April 1939 ein Teil des Ortes Ilsdorf (der größere) und der andere Solms.

Politisch gehörte Ilsdorf zu dieser Zeit zum Kreis Alsfeld und Solms, als Filialgemeinde von Lardenbach (heute Grünberg), zum Kreis Schotten (die Stadt gehört heute zum Wetteraukreis). Das änderte sich 1939; als beide Ortschaften zur Gemeinde llsdorf vereinigt wurden.

Kirche aus Bernsfeld

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es Bestrebungen, wieder zwei selbstständige Gemeinden zu bilden. Dies scheiterte jedoch am Nein übergeordneter Verwaltungsbehörden. Der Zusammenschluss beider Orte zu einer eigenständigen Kommune bestand somit nur rund 30 Jahre. Am 31. Dezember 1971 wurde Ilsdorf im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Gemeinde Mücke eingegliedert.

Auch das Fachwerkkirchlein des Ortes ist eine Besonderheit, denn es wurde von Bernsfeld nach Ilsdorf umgesetzt. In Bernsfeld war das Baumaterial der Kirche bereits seit über zehn Jahren eingelagert gewesen, denn dort war schon 1972 eine neue Kirche gebaut worden. Im Frühjahr 1983 begannen die vorbereitenden Arbeiten in Ilsdorf, und nach zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde ein erster Gottesdienst an Heiligabend 1985 gehalten. Nicht nur die »Gebraucht-Kirche« hatte schon einige Jahre auf dem Buckel, auch die Orgel sollte dazu passen, und so entschied sich die Kirchengemeinde für ein Barockorgel von 1750. Als wesentliches Teil einer Kirche ist nur die Glocke neu, sie wurde im Beisein von 191 Ilsdorfer Gemeindemitgliedern im Dezember 1985 bei der Firma Rincker in Sinn gegossen.

Natürlich ist der Ort wie die anderen umliegenden Dörfer in erster Linie landwirtschaftlich geprägt, aber wer offenen Auges nach Ilsdorf fährt, wird auch in der Landschaft Besonderheiten entdecken. Denn viele kleine Wasserflächen liegen links und rechts der Straße, weite Geländeteile erscheinen wie mit einem Lineal modelliert. Das sind die Hinterlassenschaften des Erzabbaues bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts.

Was die Infrastruktur anlangt, so gibt es schon lange keine Geschäfte mehr in der Ortschaft. Bis Ende des vergangenen Jahrhunderts gab es immerhin noch eine Gaststätte. Aber ein anderes Geschäft ist eine Besonderheit: Der Name Foto-Magel war bis nach dem zweiten Weltkrieg in der Region ein Begriff. Gegründet wurde die Firma von Heinrich Magel, der mit der Auswanderungswelle des 19. Jahrhunderts nach Paris gegangen war. Dort kam er mit der aufkommenden Technik des Fotografierens in Berührung. 1892 kam derselbe junge Mann, er nannte sich nunmehr Henry, nach llsdorf zurück und übte fortan den Beruf eines Photographen dort aus, gab das Gewerbe über zwei Generationen weiter.

Dass Fotografen in dieser Frühzeit auf Dörfern keine Seltenheit waren, zeigt die Arbeit des Fotografen J.G. Wiegand Fauldraht in Kirtorf in dieser Zeit.

3000 Besucher im Zelt

War der Fotograf schon eine Besonderheit, so sorgte zwei Männer 2014 für Furore: die Feier zu 100 Jahren Freiwilliger Feuerwehr ging mit einem großen Amigo-Festival einher und so wurde der kleine Ort zum Mekka der Volksmusik-Fans. Auch Semino Rossi war zu Gast, rappelvoll war das Zelt mit rund 3000 Menschen.

Was dem Ort lange Zeit zu schaffen machte, ist seit einigen Jahrzehnten glücklicherweise Vergangenheit: Nach starkem Regen oder der Schneeschmelze waren die Wiesen zwischen den Ortsteilen eine Seenplatte, das Hochwasser lief in die Keller.

Für eine Verbesserung der Lage hatte sich damals insbesondere Rudolf Velten eingesetzt, der von 1970 bis zur Gebietsreform 1972 Bürgermeister von Ilsdorf war und nach dem Zusammenschluss Ortsvorsteher und Gemeindevertreter in der Großgemeinde war.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Fotografinnen und Fotografen
  • Friedhöfe
  • Verwaltungsbehörden
  • Vogelsberg
  • Zweiter Weltkrieg (1939-1945)
  • Mücke-Ilsdorf
  • Rolf Schwickert
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.