27. Juli 2018, 12:10 Uhr

Geschichte

Wer taucht mit Feldataler Ralf Weidert ins Mittelalter ein?

Ralf Weidert möchte eine Interessengemeinschaft Mittelalter gründen, die Ritterfeste organisiert oder eine hölzerne Burg (»Motte«) baut. Dafür sucht er Mitstreiter.
27. Juli 2018, 12:10 Uhr
Stilecht von der Filzmütze über das Leinenhemd bis zum Holzschuh: Ralf Weidert wirbt für einen Mittelalter-Club. (Foto: jol)

Ralf Weidert will Geschichte mit Händen greifbar machen. Im Gespräch mit der Alsfelder Allgemeinen Zeitung schwärmt er für stilgerechte Kleidung, die ohne Kunststoffe auskommt, Abende ohne elektrisches Licht und Projekte, die frühere Zeiten sinnlich erlebbar machen. Deshalb will er mit dem »Freyen Volck zu Chisteriche-Amene« an Mittelaltermärkten teilnehmen und alte Handwerkstechniken erproben. In einem Aufruf im Feldatal-Boten hat er den Startschuss für das Projekt gegeben, nun hofft er auf Interessierte.

Damit knüpft Weidert an eine Bewegung an, die in Deutschland viele Fans hat. In Romrod, Alsfeld und im nahen Ulrichstein haben in früheren Jahren mehrere Mittelalterfeste ein großes Publikum angelockt. So erinnert sich Stefanie Schäfer, die mit ihrem Mann Michael das »Freyfolk zu Ulrichstein« organisiert hat, an eine gut siebenjährige Aktivität des Vereins.

Drei bis vier Veranstaltungen jährlich habe man mit einem dutzend Mitstreiter besucht. Mit Versorgungszelt, Jurte und Schlafzelten bildete man ein Ritterlager. Schaukämpfe mit Schwertern und originalgetreue Gewandung im Stil des 13. Jahrhunderts rundeten das bunte Bild ab.

Nach einigen Jahren zogen die Schäfers dann aber die Reißleine, weil »nur wenige die ganze Arbeit machten und die anderen sich nur amüsierten,« erinnert sich Stefanie Schäfer. Sie berichtet darüber, dass die Szene in zwei Gruppen zerfällt. Da gibt es auf der einen Seite die professionellen Veranstalter von Ritterturnieren und auf der anderen Seite die Mittelalterfans, die kleine Märkte ohne Eintrittsgeld und ein großes Programm betreiben.

Auch für Weidert steht die originalgetreue Wiedergabe des Mittelalterlebens im Vordergrund. Der Historiker ist vor sieben Jahren nach Kestrich gezogen, aber die IG »Freyes Volck« soll Menschen aus der ganzen Umgebung einbeziehen. Dabei möchte er gern die Zeit vor etwa 1000 Jahren ins Zentrum stellen. Zunächst können die Mitglieder der Interessengemeinschaft in passender Kleidung als Gruppe an Mittelalterveranstaltungen teilnehmen. Dabei schwebt ihm keine kommerzielle Rittergruppe vor, sondern ein Zusammenschluss von Menschen, die in der Freizeit in Rollen aus alten Zeiten schlüpfen.

Später könnte man ein Bauprojekt angehen, stellte er sich vor: »Typisch für diese Gegend ist nicht eine Burg, sondern eher eine Motte, der Vorläufer der Steinburgen, aber aus Holz,« sagt der Mittelalterfan. Mit alten Handwerkstechniken können die Aktiven einen Turm mit Ringwall aus Holzpalisaden errichten. Dadurch war einst das Wohnhaus eines Adligen gesichert. »Ich möchte, dass die Leute Spaß daran haben.« Bei Interesse könne man einen Mittelalter-Markt organisieren und andere Gruppen einladen. Eine solche Veranstaltung wäre eine Bereicherung für ganz Feldatal. Notwendig wäre hierfür die Rückendeckung durch die Gemeinde, um ein Gelände nutzen zu können.

Weidert ist Geowissenschaftler und Historiker im Ruhestand. Wichtig ist ihm der nicht-kommerzielle Aspekt.

Weidert besucht gerne Mittelalterfeste im Gewand der damaligen Zeit. Das Hemd ist aus Leinen und Wolle, mit Naturgarn genäht. Stulpen aus Leder schützen die Unterarme, damals konnte ein kleiner Kratzer tödlich sein. Holzschuhe waren üblich, wie der Rentner erläutert. Der Filzhut ist naturbelassen, »original mit Mottenlöchern«.

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