25. Juli 2018, 08:00 Uhr

Vereine

Langer Krach wegen Vorstandsfahrt bei Alsfelder DLRG

Sechs Jahre haben zwei Mitglieder der DLRG-Gruppe Alsfeld mit dem Vorstand darüber gestritten, ob der Verein für eine Privatfahrt von Vorstandsmitgliedern aufkommen musste.
25. Juli 2018, 08:00 Uhr

Zwei streitbare Mitglieder haben die DLRG-Ortsgruppe Alsfeld der DLRG sechs Jahre lang beschäftigt. Drei Instanzen des Schieds- und Ehrengerichts der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft haben dabei eine Vielzahl von Vorwürfen geprüft. Im Zentrum steht eine Fahrt von Vorstandsmitgliedern vom Januar 2012 und die Aberkennung der Steuerbefreiung für einen vereinseigenen Kleinbus. Der Schaden liegt bei rund 800 Euro, die aus der Kasse der Ortsgruppe beglichen wurden. Die Mitglieder Karl-Erich Weber und Daniel Balicki fordern, dass die beteiligten Vorständler zahlen sollen, Vorsitzender Kai Gehrau sieht dafür keine Veranlassung. Das Schiedsgericht der DLRG hat die Klage zurückgewiesen.

Kern des Verfahrens war eine Fahrt von Vorstandsmitgliedern im Januar 2012. Weber wird deutlich: »Es kann nicht wahr sein, dass die eine private Skifreizeit machen und wir werden dann zur Kasse gebeten.« Vorsitzender Gehrau und Vorstandsmitglieder sind im Januar 2012 mit dem Kleinbus der Ortsgruppe nach Uttendorf in Österreich gefahren. Balicki war damals im Vorstand, hat von der Fahrt aber erst im Nachhinein erfahren. »Deshalb konnte es keine Vorstandsfahrt sein,« kritisiert er.

Weber und Balicki haben akribisch die Schriftstücke zu den Ereignissen gesammelt und belegen im Gespräch immer wieder die Vorwürfe aus den Akten. Auf dieser Basis sagt Weber, dass die Steuerbefreiung für den Kleinbus vom Finanzamt aberkannt wurde, weil bei dieser Fahrt die Bundesgrenze überschritten wurde. Die Ortsgruppe musste die Kfz-Steuer nachzahlen. Vorsitzender Gehrau kontert den Vorwurf.

So sagt er, die Fahrt sei damals vom Vorstand zur Vorbereitung auf die 100-Jahrfeier unternommen worden. Die Rechtmäßigkeit hätten die Schiedsgerichte des Landes- und des Bundesverbands bestätigt. Die Steuerbefreiung des Kleinbusses sei deshalb aufgehoben worden, »weil das Fahrzeug von der Ausstattung her kein Einsatzfahrzeug sein konnte«, sagt Gehrau. Deshalb sei eine Nachzahlung »von knapp 800 Euro« nötig geworden. In der Mitgliederversammlung 2013 sei über diese Steuerforderung gesprochen worden, der Vorstand habe angeboten, die 800 Euro privat zu übernehmen, »das wurde aber abgelehnt«. Das Schiedsgericht der DLRG Hessen hat noch eine andere Erklärung für den Entzug der Steuerbefreiung. Es habe mehrere Fahrten gegeben, die der Steuerbefreiung widersprachen, deshalb sei nicht die Fahrt nach Uttendorf allein für die Sanktion ausschlaggebend. Das teilte Vorsitzender Christian Berk auf Nachfrage mit.

Auch in der Bewertung der Verfahren bei den Schiedsgerichten der DLRG gingen die Einschätzungen auseinander. Weber sagt, er und Balicki hätten 2013 das Schiedsgericht der DLRG Hessen angerufen. Nach einem Gütetermin im Jahre 2015 habe es im Januar 2016 eine Verhandlung gegeben, dabei habe das Gericht geurteilt, dass die Ortsgruppe zu recht die Steuernachforderung übernommen hat. Weber bemängelt, dass dabei der Kleinbus fälschlich als Katastrophenschutzfahrzeug eingestuft worden sei.

Das Verfahren ging an die höhere Instanz, das Schieds- und Ehrengericht des Bundesverbands. Anfang diesen Jahres sei dort das Urteil ergangen, die Beschwerde der beiden Alsfelder wurde abgewiesen. Grund, so Weber: Die Beschwerde hätte gegen den Vorstand als ganzes oder gegen die Ortsgruppe gerichtet werden müssen und nicht gegen einzelne Mitglieder des Vorstands.

Gehrau fasst das Ergebnis der Gerichtsverfahren anders zusammen: Das Schiedsgericht des Landesverbands, in dem auch Juristen mitwirken, hätten befunden, »laut Satzung war alles okay«. Die höchste DLRG-Instanz, das Bundes-Schiedsgericht habe die Vorgänge länger geprüft »und mitgeteilt, dass es satzungsgemäß bei der Fahrt gelaufen ist«. Die Klage umfasste auch Themen wie Kassenprüfung und Vorstandswahl.

Das Verhältnis zwischen Vorstand und den beiden Kritikern ist zerrüttet. So sagt Gehrau, der Bezirk prüfe, ob Weber und Balicki ein vereinsschädigendes Verhalten an den Tag gelegt hätten. Er bemängelte, dass der Vorstand Weber und Balicki mehrfach ein persönliches Gespräch angeboten hätten, das sei aber nicht wahrgenommen worden. »Wir machen im Vorstand ehrenamtliche Arbeit und wenn man sich dann über sechs Jahre hinweg dreimal für eine Fahrt rechtfertigen muss, die satzungsgemäß war, hemmt das einen,« bemängelt er. Weber und Balicki beharren darauf, dass es Ungereimtheiten gab, die aufgeklärt werden mussten. Weber betont, er sei nach 50 Jahren Mitgliedschaft sehr enttäuscht von dem Umgang mit den Kritikpunkten. Man habe Balicki und ihn im Verein »mundtot« machen wollen.

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