23. Juli 2018, 19:26 Uhr

Ohne Quälen geht es nicht

Pfunde purzeln nicht automatisch

23. Juli 2018, 19:26 Uhr

»Es wird ganz anders werden, als sie denken. Sie werden überrascht sein.« Das sagte Dr. Peter Hien zu Beginn seines Vortrags über Gewichtsreduktion und Training. Knapp anderthalb Stunden referierte er im Rahmen der Vortragsreihe des Krankenhaus-Fördervereins über’s Abnehmen. Am Ende war klar: Ohne Quälen geht es nicht, die Pfunde purzeln nicht automatisch. Vielmehr, so Hien, kommt es darauf an, Körper und Seele zu stärken. »Wenn man das verinnerlicht, dann funktioniert die Gewichtsreduktion.«

Studien zeigen, so der Chefarzt für Innere Medizin am Kreiskrankenhaus, dass die Menschen geistig und körperlich gesund bleiben, die Muskulatur aufgebaut haben. Tai-Chi und Tanzen sind ideal, um Muskeln aufzubauen. Der Schlüssel zum Erfolg sei die Muskulatur.« Und die entstehe nur, »wenn es weh tut«. Beim Sport, beim Training müsse man an die Grenzen gehen. Das zahle sich gleich mehrfach aus. Menschen mit Muskulatur leiden weit weniger an Herzerkrankungen, an Diabetes, Depressionen, Demenz oder Schlaganfällen. Das Krebsrisiko, so Hien, könne um etwa 50 Prozent gesenkt werden.

Ausdauersport wichtig

Wer Muskulatur aufbauen will, der betreibt Muskeltraining und Ausdauersport. Und zwar jede Menge, wie Hien deutlich machte. Bei 20 Kilometern Radfahren verbraucht man gerade einmal 500 kcal, neun Kilometer Skilanglauf entsprechen 630 kcal. In Brötchen ausgedrückt: Für eine Stunde leichtes Joggen kann man sich zwei Brötchen gönnen. »Das ist weniger als man denkt, aber man muss es trotzdem tun«, so der Mediziner. Es gehe darum, dass sich der Stoffwechsel ändert.

Die Muskulatur gleiche die Nachteile von Fettgewebe aus, reduziere den Fettanteil im Körper und im Gewebe. Denn schon heute ist über die Hälfte der Erwachsenen übergewichtig, 2030 werden es 70 Prozent sein, so die Prognose.

Als Ursachen für die vielen Pfunde zählte Hien unter anderem mangelnde Bewegung, die ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln, Süßem, Alkohol, Fleisch und Wurst, aber auch depressive Verstimmung oder Medikamente auf. Zu viel Fett im Körper – da steige das Risiko, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall, Krebs oder eine frühe Demenz zu bekommen.

Wer das Fett bekämpfen will, der soll laut Dr. Hien auf die typischen Diäten aus den Frauenzeitschriften verzichten. »Da bleibt das Fett und die Muskeln verschwinden.« Zudem führt der Jo-Jo-Effekt dazu, dass man später noch mehr Pfunde auf den Rippen hat. Besser hingegen ist es, langsam und stetig abzunehmen, etwa fünf Kilogramm im Jahr. Parallel dazu soll man Muskeln aufbauen.

Eindringlich warnte er vor den »billigen Fetten«, also vor billigem Palm- oder Kokosfett, das sich vor allem in Fast-Food-Gerichten oder auch in billigen Keksen und Kuchen aus dem Supermarkt findet. »Es schmeckt erst mal gut, weil es auf die Geschmacksnerven geht«, berichtete Hien. Aber die schlechten Fette lagern sich in den Gehirnmembranen ein, verschlechtern deren Funktion und »das Hirn schreit nach mehr, sobald der Spiegel sinkt«. Eine Situation, die die meisten kennen – aus dem Schälchen Chips, das man essen wollte, ist dann doch die ganze Packung geworden.

Stark reduziert werden sollte laut Dr. Hien vor allem auch der Fleischkonsum, stattdessen sollte man auf Gemüse, Soja, Nüsse und Kerne, Hülsenfrüchte, auf Milch und auf Eier umstellen. »Viel Fleisch kostet Leistung und baut Muskulatur ab.« Im Durchschnitt isst jeder Deutsche 1700 Gramm Fleisch in der Woche, laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung würden 300 Gramm pro Woche reichen.

Damit die Ernährungsumstellung oder der Verzicht nicht so schwer fallen, riet Hien dazu, sich selbst zu stärken. Man kann Intervallfasten (zum Beispiel zwischen 16 und 7 Uhr nichts essen), man kann sich eine sinnvolle Aufgabe, ein Engagement suchen, ebenso neue Leidenschaften und Aufgaben oder Sport-Bewegung-Training. Und der abschließende Tipp: Einen Naschtag pro Woche einplanen, das hilft, die anderen Tage zu überstehen. »Sie sehen, das Thema hat ganz viel mit der Psyche zu tun«, so das Fazit des Referenten.

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