19. Juli 2018, 21:38 Uhr

Der gute Geist des Hauses

19. Juli 2018, 21:38 Uhr
Ein gutes Team: Nicole Hill (l.) mit ihren Chefs Ute Pfeiffer-Hofmann und Jörg Hofmann sowie Annette Walther vom IFD (rechts). (Foto: pm)

Arbeit hat einen hohen Stellenwert in der deutschen Gesellschaft. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung rangiert ihre Bedeutung auf Platz zwei, wichtiger sind den deutschen Erwerbstätigen nur Familie und Partnerschaft. Diese Einschätzung macht deutlich, wie sehr das Wohlbefinden von einem guten Arbeitsplatz abhängt – das gilt auch für Menschen mit Behinderung. Die Vermittlung von Menschen mit Handicap ist die Aufgabe des Integrationsfachdienstes (IFD). Mit drei Mitarbeiter bietet er an fünf Standorten im Vogelsberg Beratungsstunden an.

»Unsere Klienten sind häufig Menschen, die durch Krankheit oder Unfall eine Schwerbehinderung haben, aber auch solche, die von Geburt an unter einer Behinderung leiden, die sich vielleicht im Lauf der Zeit noch verschlimmert«, erläutert Annette Walther.

»Es kann vorkommen, dass sie mit einem Handicap nicht mehr genauso wie vorher an ihrem Arbeitsplatz tätig sein können. Dann versuchen wir zum einen, mit Hilfsmitteln Möglichkeiten zu schaffen, dass sie dort bleiben können, oder wir versuchen gemeinsam mit dem Arbeitgeber einen alternativen Arbeitsplatz im Unternehmen zu finden«. Ist das nicht möglich, schauen Annette Walther und ihre Kollegen Franziska Gaub und Ingo Conrad, ob sie in einem anderen Unternehmen einen Arbeitsplatz finden können.

»Wir beraten auch Menschen mit Behinderung, die aus persönlichen Gründen ihre Stelle wechseln möchten«, so Walther. Das Team arbeitet hier sowohl mit der Agentur für Arbeit zusammen als auch mit der Kommunalen Vermittlungsagentur und mit den Firmen. Denn nicht nur die Arbeitnehmer profitieren von einer adäquaten Beschäftigung, auch für Firmen hat die Anstellung von Menschen mit einer Schwerbehinderung Vorteile, und sei es auch nur, dass sie ihren gesetzlichen Pflichten nachkommen. »Auch Unternehmen können mir ihren Fragen zur Anstellung eines schwerbehinderten Menschen zu uns kommen«, so Walther.

Ein Beispiel für ein sehr gelungenes Arbeitsverhältnis, das mithilfe des IFD begründet wurde, kann man in Eudorf im Hotel-Restaurant »Zur Schmiede« kennenlernen. Hier arbeitet seit einem Jahr Nicole Hill im Bereich des House Keeping. Sie ist stark hörbehindert und somit auch sprachlich mitunter schwer zu verstehen. Seit einiger Zeit trägt sie ein Cochlea-Implantat, mit dem sie hören kann – eine neue Welt erschließt sich ihr damit. »Es hat einfach gepasst«, bringt Jörg Hofmann, Küchenchef in der Schmiede, es auf den Punkt.

»Natürlich ist die Kommunikation im Team nicht immer einfach, doch Nicole hat schon viel gelernt. Sie ist hoch motiviert, sehr freundlich und aufmerksam und sie hat immer gute Laune.« Einen Menschen mit Schwerbehinderung einzustellen, ist für ihn und seine Frau Ute Pfeiffer-Hofmann keine Frage, sondern eine Selbstverständlichkeit. »Es ist wichtig, dass auch Menschen mit Handicap ihre Chance bekommen zu arbeiten und Geld zu verdienen.«

Dass man mit etwas mehr Erklärungen geringfügig mehr Aufwand hat und die gesetzlichen Anforderungen etwas anders sind, stellt für das Schmiede-Team kein Problem dar, im Gegenteil: »Gerade die Gastronomie bietet Stellen für Menschen mit einer Behinderung – und die haben dann, wenn man mal von den Arbeitszeiten absieht, den schönsten Job der Welt«.

Nach ihrer Meinung gefragt, macht Nicole Hill deutlich, dass sie sehr glücklich ist, in Eudorf zu arbeiten. Ihr Namensschild, das sie als vollwertige Mitarbeiterin des Hotels ausweist, zeigt sie stolz und erzählt von ihren Aufgaben, das sie in die Hotelzimmer führt, aber auch in das Restaurant, die Tagungs- und Festräume und auch in den Wellnessbereich. Überall arbeitet sie akribisch und ist kaum zu bremsen, wie ihre Chefin bestätigt. Dass das Arbeitsverhältnis zustande kam, liegt auch daran, dass man eine Probezeit vereinbaren kann, in der der Arbeitgeber kein finanzielles Risiko eingeht.

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