18. Juli 2018, 12:00 Uhr

Arbeitsmarkt

Von der Ärztin zur Altenpflegerin Hohe Hürden

Als Ausländer in Deutschland arbeiten, das ist nicht einfach. Ärztin Rahel Manumbu arbeitet in Kirtorf als Altenpflegerin und büffelt fleißig für ihren großen Traum.
18. Juli 2018, 12:00 Uhr
»Wegen ihm bin ich hier«, sagt Rahel Munumbu und zwinkert ihrem Mann Andrew Paiko im Gespräch zu. Doch noch einen weiteren Lebenstraum würde sie sich gern erfüllen: Wieder in ihrem Beruf als Ärztin arbeiten. (Foto: ks)

Rahel Manumbu kommt aus Tansania. Sie hatte mit einem Stipendium in Kuba Medizin studiert und in Norwegen ihren Master gemacht. Dann ging sie zurück in ihre Heimat und arbeitete in Dar el Salaam. Heute wohnt sie in Homberg und arbeitet im Pflegeheim Haus am Gleenbach in Kirtorf. Eine kleine Weltreise also und der Weg ist noch nicht zu Ende.

Die Liebe hatte die 43-Jährige vor fünf Jahren hergeführt. Dafür gab sie eine Arbeitsstelle auf, die ihr viel Freude bereitet hat. In Deutschland war sie anfangs fest entschlossen, das anstrengende Anerkennungsverfahren auf sich zu nehmen, um als Ärztin arbeiten zu können.

Dann das: Die fehlenden Sprachkenntnisse machten ihr einen dicken Strich durch die Rechnung. Den fachlichen Stoff pauken und gleichzeitig die Sprache so lernen, dass sie die Prüfungen schafft, das wurde der Frau, die neben ihrer Muttersprache Kisuaheli auch fließend Englisch und Spanisch spricht, irgendwann ganz einfach zu viel.

In ihrer Heimat Tansania war die Medizinerin im Bereich Wissenschaft und Forschung tätig. Sie versuchte mit anderen Experten zu erkunden, warum Krankheiten wie etwa Ebola in manchen Gegenden gehäufter auftreten als in anderen.

Bei Partnersuche im Internet kennengelernt

Das hätte so weitergehen können, wäre sie nicht bei der Partnersuche im Internet auf Andrew Paiko gestoßen. Sie lernten sich näher kennen, verliebten sich und beschlossen, die Fernbeziehung zu beenden und zusammen zu leben: »Ich wollte einfach in seiner Nähe sein,« erzählt sie. Der Ingenieur lebt schon lange in Deutschland, hat die deutsche Staatsangehörigkeit, Projekte führen ihn immer wieder auf längere Auslandsaufenthalte.

Sie zogen in eine Wohnung in Homberg, wo Paiko arbeitete, und Rahel Manumbu machte sich daran, das Anerkennungsverfahren für ihren Abschluss zu meistern, gab aber im Laufe der Monate zermürbt von den hohen Hürden auf. Das ist ihr nicht leicht gefallen: »Ich war ziemlich traurig und habe manchmal den ganzen Tag geweint,« erzählte sie im Gespräch mit der Alsfelder Allgemeinen Zeitung. Zwischenzeitlich ging es ihr so schlecht, dass sich ihr Mann ernsthafte Sorgen machte und mit ihr überlegte, ob sie gemeinsam nach Tansania gehen sollten. Sie überlegten es sich aber anders und Rahel Manumbu ging auf Arbeitssuche.

Ausbildung zur Altenpflegerin

Sie macht keinen Hehl daraus, dass das zu Hause herumsitzen ihr überhaupt nicht liegt, es hatte sie regelrecht schwermütig gemacht. Warum, das erklärt sie so: »Ich habe gesunde Arme, Beine , Hände und einen Kopf. Ich will etwas tun und meine Zeit nicht vor dem Fernseher verbringen.«

Schließlich fing sie bei der Firma Kamax in Homberg an, merkte aber schnell, dass ihr die Arbeit im technischen Bereich nicht so sehr liegt. Dann erzählte eine Kollegin, dass überall Altenpfleger gesucht werden. Sie fragte bei der AWO in Marburg nach, machte schließlich ein Praktikum im Seniorenzentrum Goldborn und wechselte nach einigen Monaten ins Haus am Gleenbach in Kirtorf, wo sie bald ihre Ausbildung als Altenpflegerin abschließen wird.

In dem Seniorenheim fühlt sie sich wohl, sie wurde im Team gut aufgenommen, die alten Menschen reagieren sehr positiv auf sie, lachen und scherzen mit ihr und manchmal entfährt ein liebevolles »Schätzelein« dem Mund einer älteren Dame, erzählt sie lächelnd. »Wir mögen Sie sehr«, bestätigt Heimleiterin Carola Braika, »uns sind froh, dass wir sie haben.«. Sie würde die bald ausgelernte Kraft nur ungern ziehen lassen, weiß aber von deren Plänen und hat viel Verständnis. Neben den Schichtdiensten geht für Rahel Manumbu das Deutschlernen zu Hause fleißig weiter. Dann werden Bücher gewälzt und Vokabeln gepaukt, denn es gilt in der nächsten Zeit weitere Sprachprüfungen zu bestehen.

Wenig Zeit für Hobbies

Deshalb bleibt für Hobbies wenig Zeit und auch nicht für ihre große Leidenschaft, das Kochen. Am liebsten nach Rezepten aus der Heimat, mit Reis, Kokosmilch und Maismehl zum Beispiel, das sie im Kirtorfer Supermarkt einkaufen kann. Sie kann momentan auch nicht Autofahren, weil sie die Führerscheinprüfung ebenfalls neu ablgen muss.

Wenn sie auf ihren Mann schaut, dann stellt sie jedenfalls zufrieden fest: »Ich weiß, warum ich hier bin.« Aber ihren zweites großes Ziel will sie nicht aus den Augen verlieren. »Ich weiß, was ich will,« bekräftigt sie.

INFO

Hohe Voraussetzungen für Anerkennung

Die Voraussetzungen für Mediziner aus dem Ausland, in Deutschland anerkannt zu werden, sind recht hoch. Wer in Deutschland als Arzt tätig werden möchte, bei dem wird in einem Großteil der Fälle eine Approbation/Zulassung nicht direkt anerkannt. Der Grund sind die verschiedenen Studieninhalte, die nicht deckungsgleich mit der bundeseinheitlichen Approbationsordnung sind. Für die Anerkennung der Approbation gibt es die sogenannte Gleichwertigkeitsprüfung für ausländische Ärzte – auch Äquivalenztest genannt. Über Einrichtungen wie das Goethe-Institut können Sprachkurse und Sprachtest absolviert werden, die für eine Anerkennung notwendig sind. Als Arzt kann hier nur tätig werden, wer über ausreichend Sprachkenntnisse verfügt. Aktuell müssen ein B2-Sprachzertifikat für allgemeine Sprache und ein C1- Fachsprachkenntnis-Zertifikat für Medizin nachgewiesen werden. (ks)

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