17. Juli 2018, 08:40 Uhr

Erz-Art

Mücker Kunstwanderweg lädt bis September ein

Der vierte Kunstwanderweg »Erz-Art« in Mücke ist eröffnet. In und um Merlau können nicht nur Kunstinteressierte viel entdecken. Die Heimatgeschichte bleibt nicht außen vor.
17. Juli 2018, 08:40 Uhr

Das war ein wirklich heißer Samstagnachmittag. Und doch sind gut 70 Menschen mitgewandert, um den vierten Kunstwanderweg in Augenschein zu nehmen. So viele wie noch nie, freute sich Volker Schönhals, Vorsitzender des Vereins Kunstturm. Am Anfang- und Endpunkt des Erz-Art4-Kunstweges, also im Kunstturm und in der ehemaligen Lagerhalle am Bahnhof Mücke, sind mehrere Kunstwerke versammelt. Dazwischen verteilen sich einzelne Werke an Wegrändern, auf Lichtungen und der großen Hegwiesee. An den jeweiligen Kunststationen gab es von den Künstlern weitere Erklärungen, die Teilnehmer stellten rege Fragen.

Bürgermeister Andreas Sommer dankte den Organisatoren für den kulturellen Input. »Was wir im Überfluss haben, das ist Landschaft und Natur, woran wir Bedarf haben, das ist geistige Nahrung.« Dafür gab es Applaus. Die Einführung übernahm Kunsthistoriker Volker Bunte (Gießen). Er stellte jeden Künstler kurz vor und gab einen guten Einblick in das, was die Besucher auf dem gut drei Kilometer langen Weg erwartete.

Im Kunstturm ist am auffälligsten die Glasmalerei von Christine Dahrendorf (Marburg): auf eine Molkegrundlage hat sie intensiv leuchtende Naturfarben aufgebracht: Eine ganz erstaunliche Wirkung. Im anderen Raumteil sind schwarze Kreise in einem merkwürdigen Rhythmus an die Wand genagelt (Christine Wigge). Das historische Foto daneben erklärt den Bezug zur Historie des Ortes. Die Bergleute trugen schwarze Anzüge mit großen silbernen Knöpfen, die auf dem Foto leuchten. Karl Rudi vom Vorstand trug eine solche Bergarbeiterjacke. Vor der Eingangstür zum Kunstturm steht ein von Regina Schnersch behauener Stein. Der Basaltbrocken ist einer von mehreren, die sie aus dem Nieder-Ohmer Steinbruch erhielt.

In der Lagerhalle sind ihre anderen Werke zu sehen. Am Rande des Platzes steht ein Werk der Holzbildhauerin Ortrud Sturm. Dafür hat sie den Stamm eines Mammutbaums in zwei eckige Teile gesägt, die obere Schnittfläche mit rot markiert. In der Lagerhalle gibt es drei mit der Motorsäge bearbeitete Pappelholztürme, die mit ihren Zacken ineinander zu passen scheinen.

Was bei dem Gewicht natürlich niemand ausprobieren kann. Die erste Arbeit im Grünen stammt von Monika Bodenmüller, die mit Keramik-Hohlkörpern arbeitet. Diese wirken wie Früchte oder Lederbälle. Ein kleiner von Bäumen umgebener Platz wurde für Evangelos Papadopoulos zum Inspirationsort. Erst zum zweiten Mal schuf er eine Außeninstallation. Seine schwungvolle Holzplattenkonstruktion über Kopfhöhe entsteht intuitiv, erklärt er. Sogar eine funktionierende Neonlampe ist integriert. Klar, dass ein Besuch am Abend reizvoll wäre. Es folgt eine »blühende Landschaft« im Wiesengrund, geschaffen von Sabine Hunecke. Sie hat Metallstäbe mit Symbolen der digitalen Kommunikation geschmückt und davor das Hinweisschild »Datenschmutzlandschaft« aufgestellt. Auf der großen Hegwiese zeigt Friedemann Baader sein Haus, das im Untergrund zu versinken scheint.

Peter Pelikan hat einen Bergwerkseingang geschaffen, den er am oberen Holm mit einem Quasi-Fundstück aus keltischer Zeit schmückte: den einzigen »Mücke-Taler«. Der in kleiner Auflage käuflich zu erwerben ist, genauso wie das Haus von Baader. Dierk Berthel zeigt drei Objekte, die wie gigantische Bohrköpfe auf der Wiese liegen.

Weiter ging’s entlang der Durchgangsstraße bis zum Edeka-Laden. Auf der Wiese davor hat Jan Luke ein fröhliches Dreieck aus Holzlatten geschaffen, passend zum Ort, der einmal Lagerplatz einer Schreinerei war. An der Außenwand des Geschäfts nutzt Markus Elsner die einstigen Fensternischen für drei seiner Fotogroßdrucke. Die Originalvorlagen sind Polaroids, die er im Entwicklungsprozess unterschiedlich manipuliert. Heraus gekommen sind Landschaften im typischen Polaroid-Braungelb. Weitere Fotoarbeiten sind in der Lagerhalle am dahinterliegenden Bahnhof zu sehen. Dort ist neben den bereits genannten noch Markus Stein vertreten, mit seinen keramischen Variationen von Bergspitzen. Die Lagerhalle ist so belassen, wie sie seit Jahrzehnten war, erklärt Schönhals. Für eine Nutzung als Kultur-Veranstaltungsraum müsste einiges getan werden. Bürgermeister Sommer sicherte dabei schon einmal seine Unterstützung zu. Die Wanderer feierten noch mit Livemusik von »The Rockin’ Doctors«.

Bis Mitte September lässt sich der Kunstweg noch besichtigen. In die Innenräume kommt man nur bei den Kunstweg-Führungen, die jeden Sonntag um 14 Uhr angeboten werden. Start ist am Kunstturm Mücke, Ende an der alten Lagerhalle am Bahnhof Merlau. Dauer 2 Stunden. Führungen nach Absprache sind möglich (01 72/1 36 52 86).

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