07. Juli 2018, 12:00 Uhr

Nordfrost

Erschließung in Atzenhain kostet 4,65 Millionen Euro

Das Erschließen für Nordfrost kommt die Gemeinde Mücke zunächst teuer, hinzu kommen ein Rückgang bei der Gewerbesteuer und eine Erhöhung der Kreisumlage. Wie kann man reagieren?
07. Juli 2018, 12:00 Uhr

Vor einem Gewinn steht meist eine Investition: Das wurde den Gemeindevertretern aus allen Ausschüssen am Donnerstagabend deutlich, als es um den Nachtragshaushalt zum Doppeletat 2017/18 ging. Denn bevor die Kommune einen Ertrag aus der Ansiedlung der Firma Nordfrost im Industriegebiet Gottesrain bei Atzenhain verbuchen kann, müssen das Areal erschlossen und die Infrastruktur geschaffen werden. Und das kostet. Insgesamt werden 4,65 Mio. Euro veranschlagt. Das zu schultern wäre in einem normalen Haushaltsjahr nach Verkauf des Areals am Gottesrain wohl kein besonderes Thema gewesen, wenn nicht zeitgleich der Eingang der Gewerbesteuer stark zurückgegangen wäre (1,326 Mio. Euro). Im Dorfgemeinschaftshaus von Flensungen gab es dazu eine rege Diskussion, der Nachtrag soll nach weiterer Behandlung in den Ausschüssen in einer Gemeindevertretersitzung am Donnerstag, dem 2. August, beschlossen werden.

Amortisation nach fünf Jahren

Bürgermeister Andreas Sommer leitete in die Sitzung aller Ausschüsse mit dem Hinweis ein, dass so eine Zusammenkunft eher ungewöhnlich sei. Aber es seien wichtige Ausschreibungen für den Ausbau des Industriegebietes Gottesrain III auf den Weg zu bringen, Basis dafür sei der Nachtragshaushalt. Gründe zum Nachtrag sind nach Angaben des Bürgermeisters drei große Gruppen: Die Gewerbesteuer ergibt 1,326 Mio. Euro weniger als erwartet, der zweite Posten sind die höheren Aufwendungen von 654 000 Euro für Kreis- und Schulumlage. Alleine das macht eine Abweichung von fast zwei Mio. Euro aus. Der dritte Posten sind die Erschließungskosten für Nordfrost, unter anderem geht es dabei um die Trinkwasser- und Löschwasserversorgung sowie ein Regenrückhaltebecken unterhalb der Autobahnanschlussstelle in Richtung Süden, was sich zusammen auf immerhin 4,65 Mio. Euro summiert. Dabei werden alleine die Kosten für die neue Trinkwassergewinnungsanlage auf rund 1,1 Mio. Euro veranschlagt.

Bürgermeister Sommer informierte, das rund 13 Hektar große Grundstück sei an Nordfrost für 3,26 Mio. Euro veräußert worden. Die Investition zur Erschließung müsse sich im Verlauf der kommenden Jahre amortisieren, er gehe von fünf bis sechs Jahren aus. Zudem werde von Nordfrost erst dann das Grundstück bezahlt, wenn die Basis für eine ordentliche Baugenehmigung vorliege. Positiv wertete der Bürgermeister, dass rund zehn Prozent des seither verkauften Wassers alleine Nordfrost abnehmen werde. Zu erwarten seien in dem Gebührenhaushalt dann zwischen 300 000 und 350 000 Euro jährlich von der neuen Firma.

Brunnen auch ohne Nordfrost

Wie Thomas Heidlas von der Bauabteilung informierte, hat es im Herbst 2017 einen Leistungsversuch beim Atzenhainer Brunnen gegeben. Der habe gezeigt, dass der Brunnen die jetzt neuerdings benötigte Wassermenge nicht liefern könne. Der erste Brunnen liegt unterhalb der Straße von Atzenhain nach Nieder-Ohmen kurz vor dem Waldrand. Der Vorschlag eines Fachbüros für eine zweite Bohrung ist weiter unterhalb in Richtung Kratzberg (Modellfluggelände) auf der anderen Seite des Waldes im Tal.

Sommer stellte zu der anstehenden Brunnenbohrung klar, auch ohne Nordfrost hätte es wegen des seitherigen Industriegebietes einen weiteren Trinkwasserbedarf gegeben. Deshalb sei es auch falsch, von einem »Nordfrost-Brunnen« zu sprechen. Es gehe eher um einen Brunnen für das Industriegebiet Gottesrain beziehungsweise einen Ersatzbrunnen für Atzenhain.

Dr. Ornik (Grüne) meinte, üblich sei, dass man die Vorleistungen bei Baugebieten umlege, das sei im Fall der Nordfrost-Ansiedlung offenbar nicht gegeben. »Wenn wir das vorher gewusst hätten, hätten wir vielleicht andere Verkaufsverhandlungen mit Nordfrost geführt«, sagte der Fraktionssprecher. Heidlas stellte die Dimensionen in Relation: Wenn man den Abschnitt drei am Gottesrain so kleinteilig erschlossen hätte, wie in den ersten beiden Abschnitten, hätte man noch höhere Kosten gehabt. Und die anstehenden Kosten hätten noch einen besonderen Hintergrund: Im Baugewerbe habe man Preissteigerungen von 20 bis 50 Prozent. Ottmar Traum (SPD) gab zu bedenken, durch den neuen Wassergroßabnehmer stabilisiere man die Situation insgesamt, denn die Bürger würden immer mehr beim Wasser sparen.

Finanziert werden soll die entstandene Finanzlücke laut Bürgermeister über Rückstellungen und Verschieben von vorgesehenen Maßnahmen.

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