04. Juli 2018, 05:00 Uhr

Rehkitz tot

Gericht verurteilt Landwirt zu Geldbuße von 1000 Euro

Kitze werden von der Mutter im hohen Gras versteckt, um sie vor Raubvögeln zu schützen. Dann werden sie aber übersehen, wenn Bauern die Wiesen mähen. Jetzt stand ein Landwirt vor Gericht.
04. Juli 2018, 05:00 Uhr
Rehe verstecken Jungtiere zum Schutz. Erst mit drei oder vier Wochen sind Kitze kräftig genug und laufen bei Gefahr weg. (Foto: dpa)

Es habe ihm jemand ein überfahrenes Rehkitz auf die Wiese geworfen. Das behauptete der Landwirt aus dem Altkreis Alsfeld, kam damit aber vor Gericht nicht durch. Der Richter sah das fahrlässige Töten des Jungtiers beim Mähen und verhängte eine Geldbuße von 1000 Euro. Immerhin kam der Bauer um eine schärfere Strafe herum. Die Staatsanwältin hatte eine Geldbuße von 1800 Euro beantragt.

So war das Verfahren angestoßen worden: Eine Frau hatte auf der Wiese des Angeklagten bei Gontershausen zufällig die Entdeckung gemacht. Sie war im Mai vor zwei Jahren mit Familie unterwegs, als ein Reh vor das Auto sprang. Um den Kindersitz zu richten, hielt die Familie an, dabei bemerkte die Frau das auffällige Verhalten des Rehs. Sie ging näher heran und fand ein Rehkitz, das tot auf der abgemähten Wiese lag. Die Nase war abgeschnitten, und an den Hinterläufen waren die Knochen durchtrennt. Sie machte Fotos und zeigte den Vorfall bei der Polizei an.

Dreimal über Wiese laufen reicht nicht

Der Landwirt sah kein Verschulden. Er erinnerte sich an die Mahd an jenem Tag. Er habe vorab die Wiese drei- bis viermal abgesucht, aber keine Spuren eines Rehkitzes gefunden. Zudem habe er von innen nach außen gemäht, damit ein Kitz vor dem Mäher flüchten kann. Dabei habe er weder beim Wenden noch beim Pressen in den Folgetagen Spuren eines Rehs oder Kitzes gefunden. Ihm solle etwas unterstellt werden, sagt er. Es könne sein, dass das Kitz auf der Straße überfahren und auf die Wiese geschleudert worden sei.

Ein Amtstierarzt erklärte, dass Rehe von April bis Juni ihre Jungen auf die Welt bringen. Sie verstecken die Jungtiere im hohen Gras, um sie vor Raubvögeln und Füchsen zu schützen. Im Mai ist aber auch die Zeit, in der Landwirte Heu und Silage machen. Die Rehkitze sind in den ersten drei Wochen nur katzengroß und ducken sich ins Gras. Erst mit drei oder vier Wochen sind sie kräftig genug und laufen bei Gefahr weg. Bundesweit werden jährlich 50 000 bis 100 000 Kitze bei der Mahd getötet.

Mutter findet totes Kitz

Es gebe bewährte Methoden, wie man das »Ausmähen« von Kitzen verhindern kann, sagte der Tierarzt (siehe Zusatztext). Als Einzelner dreimal über eine Wiese zu laufen, reiche nicht aus, um ein Kitz zu finde. Er schloss nach den Fotos einen Autounfall aus, die Verletzungen würden eindeutig für ein Mähgerät sprechen. So sei es typisch, dass Kopf und Hinterläufe verletzt sind, denn bei einem Jungtier, das sich ins Gras duckt, stehen diese Körperteile etwas heraus. Bei einer Schnitthöhe von fünf bis sechs Zentimetern habe ein Jungtier keine Chance. Das Alter des fotografierten Tieres schätzte er auf ein bis zwei Wochen.

Daraus schloss die Staatsanwältin, dass der Landwirt nicht die erforderliche Vorsorge getroffen hat. Dazu sei er aber verpflichtet gewesen. Das mehrmalige Abgehen der Wiese habe nicht ausgereicht.

Die Verteidigerin des Landwirts wollte einen Freispruch. Er habe ausreichende Schutzmaßnahmen getroffen. Es sei nicht auszuschließen, dass jemand anderes das tote Tier auf die Wiese gelegt hat. Der Richter entschied, dass dem Angeklagten kein Vorsatz nachzuweisen ist. Deshalb ging er von einer fahrlässigen Tötung des Kitzes aus, was eine Ordnungswidrigkeit ist. Dass jemand anderes das tote Tier auf die Wiese gelegt hat, sei wegen des Zeitrahmens unwahrscheinlich. Das Problem des Ausmähens sei Landwirten bekannt, der Angeklagte habe mangelnde Vorsorge getroffen.

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