29. Juni 2018, 12:00 Uhr

Nachbarschaftsstreit

Ein hoher Zaun soll es richten

Der eine fühlt sich Tag und Nacht schikaniert. Die andere hat den Eindruck, dass der Nachbar sie einfach nur loswerden will. Im Hainbacher Nachbarschaftsstreit soll jetzt ein Zaun die Lösung bringen.
29. Juni 2018, 12:00 Uhr
Ein Zaun (allerdings deutlich höher als hier auf dem Symbolfbild) soll für Ruhe bei den Nachbarn sorgen. Ob’s hilft? (Foto: Archiv)

Im Alsfelder Amtsgerichts herrschte eine angespannte Atmosphäre, als wieder ein seit langem schwelender Nachbarschaftsstreit aus Hainbach mit Hilfe von drei Juristen bearbeitet wurde (die AAZ berichtete mehrfach).

Diesmal ging es darum, dass zwei Pferdehalterinnen erreichen wollen, dass der Nachbar ihre Tiere nicht bedroht. Bei einem Zwischenfall waren die Vierbeiner so erschreckt worden, dass sie panisch davonstoben und sich verletzt hätten, wie die Anwältin der Hainbacherinnen erläuterte.

Der Nachbar wies das zurück: »Das stimmt nicht«. Am Ende einigte man sich auf eine Unterlassungsverfügung. Darin wird festgehalten, dass der Nachbar die Pferde nicht mehr bedrohen oder erschrecken darf, ansonsten muss er ein Zwangsgeld zahlen.

Viel wichtiger: Man einigte sich darauf, einen hohen Zaun zwischen den beiden Grundstücken zu errichten. Bislang ist dort nur ein Maschendraht. Nun soll ein etwa 3,5 Meter hoher Sichtschutz errichtet werden. Die Höhe ist erforderlich, weil das eine Areal höher liegt als das andere. Den Zaun brachte der Richter ins Gespräch, unterstützt wurde das von den Rechtsanwälten beider Seiten. Schließlich konnten sich auch die Kontrahenten mit dem Gedanken anfreunden. Das könnte ein weiteres laufendes Verfahren beeinflussen, wenn es um die Haltung der Pferde geht, wie die Anwältin der Frauen sagte. So gab es am Ende einen Hoffnungsschimmer für eine Verbesserung, die zu Beginn nicht absehbar war. Da saßen sich Kontrahenten gegenüber, die schon mit ihrer Körperhaltung Unnachgiebigkeit anzeigten. Der Nachbar wippte durchgehend mit einem Fuß und die Stimmlage schwoll schnell an, wenn er seine Position verdeutlichte. Er sieht sich einer unerträglichen Provokation durch die Frauen ausgesetzt. Beim gemeinsamen Betrachten einer Karte der Grundstücke drängte er eine der Frauen zur Seite, die es sich daraufhin empört verbat, von ihm berührt zu werden. Die Frauen saßen meist mit verschränkten Armen neben ihrer Anwältin. Wenn eine von ihnen das Wort ergriff, betonte sie, das Opfer von Aggression zu sein.

Die Brücke zwischen den verfeindeten Positionen schlugen die Anwälte. Die Vertreterin der Frauen verwies darauf, dass der Hainbacher die Pferde der Frauen laut beschimpft habe. Da Pferde Fluchttiere sind, seien sie davongelaufen und hätten sich verletzt. Den Frauen gegenüber habe er mit dem Erschießen der Tiere gedroht.

Der Nachbar klagte, von Anfang Mai bis in den August hinein stünden die Pferde jeden Tag hinter seinem Haus. Die Pferdeäpfel sorgten für Gestank und nachts galoppierten die Pferde am Fenster vorbei, als Beamter brauche er aber seinen Schlaf. »Das mache ich seit zwei Jahren mit,« sagte er. Die Frauen würden sogar absichtlich Heu an der Grundstücksgrenze als Futter auslegen, damit sich die Pferde nah an seinem Haus aufhalten. »Ich werde Tag und Nacht schikaniert.« An jenem Tag wollte er grillen, als ein Pferd in der Nähe äpfelte. Dagegen habe er sich laut verwahrt.

Die Position der Pferdehalterinnen fasste ihre Anwältin zusammen, sie verwies darauf, dass es rechtmäßig ist, auf einer Wiese Pferde zu halten. Die Verfahren, die gegen die Pferdehaltung angestrengt wurden, seien alle eingestellt worden. Nach einem kurzen Gespräch zwischen Anwalt und dem Nachbarn gab es eine Verfügung. Darin erklärt der Nachbar, er habe die Tiere verscheucht, das sei aber ohne den Vorsatz geschehen, sie zu verletzen.

Er habe nicht mit Waffengebrauch gedroht, verpflichtet sich aber, so etwas auch in Zukunft nicht zu tun. Und er werde den Pferden keinen Schaden zufügen. Wenn er dagegen verstößt, wird ein Ordnungsgeld bis 250 000 Euro fällig. Der Anwalt des Nachbarn meinte, gerade im Dorf solle man darauf achten, nachbarschaftlich miteinander auszukommen. Er regte an, der Nachbar solle gleich einen Katalog im Baumarkt holen und sich mit den Frauen auf einen Sichtschutz einigen. »Hauptsache, ich habe meine Ruhe,« sagte der Nachbar. Die Frauen nickten - das könnte ein Anfang sein.

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