12. Juni 2018, 12:00 Uhr

Asylbewerber

Afghane bei Firma in Ermenrod unentbehrlich geworden

Für seinen Mitarbeiter hat Friedhelm Baumann nur großes Lob: Er ist fleißig, denkt mit und kann mit den Metallbearbeitungsmaschinen gut umgehen. Safdar Hassani arbeitet seit einem Jahr bei ihm.
12. Juni 2018, 12:00 Uhr
Lob für Mitarbeiter aus Afghanistan (v.l.): Firmenchef Friedhelm Baumann, Safdar Hassani und Betriebsratsvorsitzender Kania Bogdan. (Foto: jol)

Sein Arbeitsplatz ist in der hinteren Ecke der großen Halle der Vogelsberger Metallbearbeitung VMB. Safdar Hassani bedient dort eine computergesteuerte Maschine, um komplexe Werkstücke aus Metall herzustellen. Dabei hat er das Radio mit dem Hessischen Rundfunk laut gestellt, um deutsch zu lernen. Der 37-Jährige war im Frühjahr 2017 auf Empfehlung von Flüchtlingshelfer Erich Seim zu Inhaber Friedhelm Baumann gegangen und sagte nur »Du Chef - suche Arbeit«. Baumann war erst skeptisch, wie er nun, ein gutes Jahr später unumwunden zugibt.

Aber er hat dem Mann aus Daikondi in Zentral-Afghanistan eine Chance gegeben, die er nicht bereut hat. Hassani war April 2017 nur für eine Operation einige Tage krankgeschrieben. Obwohl er gelernter Maurer ist, hat sich Hassani sehr gut eingearbeitet. »Im Rechnen ist er hervorragend, und sein Deutsch wird immer besser,« lobt Baumann. Safdar sei »menschlich eine Größe und integriert sich problemlos«. Der gibt das Lob gerne zurück, »er ist ein guter Mann und hilft mir sehr,« sagt Hassani.

 

Schwieriger Start

 

Dabei hatte er einen schwierigen Start. Denn nach einem 14-tägigen Praktikum wollte ihn Baumann behalten, was nicht ohne Komplikationen ablief. So ging er mit Hassani zur Arbeitsagentur, die ihn an die Ausländerbehörde des Kreises verwies. Dort hieß es, die Agentur sei zuständig, doch die schickte die beiden wieder zur Ausländerbehörde. Erst im dritten Anlauf hat ein Sachbearbeiter der Arbeitsagentur »sehr gut geholfen«, erzählt Baumann.

Dass er sich für den inzwischen 37-Jährigen so eingesetzt hat, liegt daran, dass Baumann keinen anderen für den Job an den Metallbearbeitungsmaschinen gefunden hat. Man stellt in Ermenrod Kleinserien von Teilen aus Metall und Kunststoff her, die zum Beispiel in Elektromotoren verwendet werden. Dafür müssen die Beschäftigten an Maschinen arbeiten, die meist computergesteuert sind. Als Baumann regulär eine Stelle ausgeschrieben hat, schickte die Arbeitsagentur »gut über 20 Leute, von denen aber nur zwei vorbeikamen«. Die waren älter und konnten nicht mit Computersteuerung umgehen.

 

Schnell eingearbeitet

 

Husseini hingegen habe sich schnell eingearbeitet und beherrsche die Maschinen problemlos. Auch menschlich wird er in dem kleinen Betrieb mit acht Beschäftigten voll anerkannt. Das bestätigt Betriebsratsvorsitzender Kania Bogdan, Hassani »ist wunderbar, eine fleißige und zuverlässige Person«. Er sei pünktlich, lernwillig und mache nicht krank und »er ist ein netter Kerl«, lobt Bogdan. Wie Hassani erzählt, stammt er aus Zentral-Afghanistan, seine Frau, drei Kinder und die Mutter leben in Herat, »das ist kein sicherer Ort«. Er würde sie gern nachholen, aber noch nicht einmal sein eigenes Asylverfahren ist abgeschlossen. Sein Antrag wurde abgelehnt, dagegen gehe er mit einem Rechtsanwalt vor. Als er im vergangenen Jahr abgeschoben werden sollte, verfassten die Beschäftigten der kleinen Firma gemeinsam einen Brief und verwandten sich für den Kollegen - »alle haben unterschrieben,« sagt Baumann.

Er unterstützt den Wunsch Hassanis, ein Haus zu kaufen, um die Familie nachzuholen. »Er ist handwerklich begabt, er kann ein altes Haus herrichten, viele stehen sonst leer,« fügt Baumann an.

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