07. Juni 2018, 08:00 Uhr

Tatort-Parodie

Geschwätzige Leiche nervt in Ehringshausen

Die Monatelangen Proben haben sich gelohnt: Das Jugendtheater Ehringshausen begeistert an zwei Abenden mit einer Tatort-Parodie. Die Leiche will nicht schweigen, und was wissen die Mülltonnen?
07. Juni 2018, 08:00 Uhr
Beginn der Ermittlungen, noch herrscht Ruhe am Set, auch die Leiche schweigt, noch ... (Foto: eva)

Das Ensemble des Jugendtheaters der Laienspielgruppe Ehringshausen, das sich schon längst auch über die Grenzen Ehringshausens hinaus einen Namen gemacht hat, gastierte am Wochenende im Theatersaal in Ehringshausen. Und das mit großem Erfolg. Denn mit der Kriminalkomödie »Lara will absolut nicht sterben« aus der Feder von Peter Haus gelang es den jungen Laiendarstellern aufs Neue ihr Publikum zu begeistern. Es war köstlich den Nachwuchsschauspielern zuzusehen wie sie agierten und sich mit Herzblut in ihre Rollen hineinversetzten.

Das Stück ist eine gelungene Parodie auf die etablierte Sonntagabend-Krimireihe »Tatort«, eine zum Schreien komische Persiflage einer Krimi-Inszenierung, bei der Klamauk und Lachsalven garantiert waren. Der Dreh einer neuen Folge steht bevor, und den Zuschauern wird mit einem Blick hinter die Kulissen die Möglichkeit geboten, mitzuerleben, wie es am »Set« zugehen kann.

Die Mülleimer sind Zeugen

Der Moderator oder Regisseur (Eric Krumbein) hat seine liebe Not den Darstellern ihre zugedachte Rolle näherzubringen. Kompromisse müssen eingegangen und kurzerhand Namen in dem Stück geändert werden. So beispielsweise, weil sich die Darstellerin der Kommissarin mit dem vorgegebenen komplizierten Namen »Cornelia Juditha Müllerberger-Schreckendriller« nicht identifizieren kann, oder das Mordopfer auf eine große tragende Rolle gehofft hatte, anstatt schon gleich mit dem ersten Schuss mundtot gemacht zu werden. Wie soll sie als Tote gleich zu Beginn da noch ihr impulsives Schauspieler-Talent unter Beweis stellen?

In der schließlich gedrehten Tatort-Folge spielen, wie könne es anders sein, Habgier, Geld und Macht eine große Rolle. Opfer ist die reiche Erbin Lara, die von ihrer eigenen Mutter und deren Diener Boris Kill in einer sehr dunklen, geheimnisvollen Nebengasse, in der auch Mülleimer eine große Rolle spielen, getötet wird.

Tote will noch nach Malle

Mord mit O-Ton des Opfers nach dem Schuss: »Ah! Ich bin getroffen. Eine Kugel! Zwischen der dritten und vierten Rippe! Hier links, wo das Herz sitzt! Oh weh! Ich denke, es ist mein Ende!« Sie sucht sich eine saubere Stelle und legt sich langsam hin springt dann aber mehrmals wieder auf mit den Worten: »Ich bin noch zu jung! Ich wollte doch unbedingt einmal nach Mallorca! Einen echten Freund hatte ich auch noch nicht!« Das ist Stress pur für den Regisseur, der alle Mühe hat, das Opfer bis zum Eintreffen der Polizei zum Liegen zu bewegen. Eine köstliche Szene.

Die Ermittlung nehmen die alleinerziehende Kommissarin Hella Bock (so der neue Name) und ihre Assistenten Susi Bill und Polizistin (Sergeant) Marie Wolf auf. Kaum zu glauben. Aber trotz nicht so fruchtbarer und vor allem widersprüchlichen Aussagen der zum Teil zwielichtigen Zeugen und Verdächtigen (zu denen unter anderem auch Mülltonnen gehören), nehmen die Ermittlungen langsam Fahrt auf.

Hella Bock ermittelt

Zwischendurch ist das Chaos perfekt. Bleibt doch das Opfer einfach nicht liegen und sieht schon mal gar nicht ein, warum sie nicht weiter mitagieren oder gar bei der Mördersuche eingreifen kann. Schließlich muss sie es doch am besten wissen, wer sie erschossen hat. Alles läuft zeitweise aus dem Ruder und ist zum Haare raufen. Sowohl für den Regisseur mit der stets plappernd umherwandelnden Leiche, als auch für Kommissarin Hella Bock, die sich nebenher noch mit ihrer pubertierenden und sich vernachlässigt fühlenden Tochter sowie deren drogensüchtigem Freund auseinander setzten muss. Doch, wie könnte es anders sein, auch das Ehringshäuser Tatort-Team löst den Fall mit Bravour. Zum Amüsement des Publikums bediente sich die Handlung dabei schonungslos der Klischees und Unsinnigkeiten alltäglicher Kriminalproduktionen, die richtigen Krimi- und vor allem Tatort-Fans, von denen auch viele im Publikum saßen, selbstverständlich bekannt sind.

Der Lohn für die wochenlangen Proben: Freitag und Samstag wurde herzhaft gelacht, und es gab donnernden Applaus.

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