21. Mai 2018, 18:52 Uhr

Über den Krieg sprach man nicht

21. Mai 2018, 18:52 Uhr
Dieter Schaaf mit alten Fotos seines Vaters und Feldpostbriefen. (Foto: hso)

Zu einem weiteren »Männergespräch« zum Thema »Opa. Vater. Du. Krieg und Frieden« trafen sich zahlreiche Teilnehmer auf Einladung des evangelischen Dekanats Alsfeld im Gemeindezentrum in Groß-Felda. Es trafen sich Teilnehmer, die schon öfter dabei waren, und auch eine Reihe Personen, die erstmals an der Runde teilnahmen.

Themenschwerpunkt bei diesem Treffen war die Vorstellung von Erinnerungs-Fundstücken, welche die Teilnehmer mitgebracht hatten. Auch wurde mit den Teilnehmern ein Besuch der Gedenkstätte und Museum Trutzhain, dem Stalag IX A Ziegenhain, für den 16. Juni vereinbart. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde vertiefte man sich wieder in das Thema und hörte an diesem Abend besonders die Erzählungen der »Neuen« in der Runde mit Wolfgang Reichelt, Dieter Schaaf, Walter Steuernagel und Otto Zulauf.

Sehr bewegend war die Schilderung von Otto Zulauf aus Groß-Felda, der mit 15 Jahren eingezogen wurde und hier besonders seine Erlebnisse und Eindrücke seiner Gefangenschaft als einziger Zeitzeuge, der im Krieg war, schilderte. Walter Steuernagel aus Windhausen erlebte als Kind den Krieg und hier besonders die Bombardierung des Bahnhofs in Ehringshausen, wo er in dieser Zeit wohnte.

Mit Stolz zur NSDAP

Bei den meisten Teilnehmern in der ersten und auch in dieser Runde überwog der Eindruck, dass zu Hause nur wenig beziehungsweise überhaupt nicht über die Erlebnisse im Krieg gesprochen wurde. Anders an diesem Abend. Dieter Schaaf aus Windhausen hatte das große Glück, dass ihm sein Vater Richard, der überzeugter Nationalsozialist war, sehr viel über seine Kriegsjahre und seine Erlebnisse erzählte.

So erzählte Dieter Schaaf sehr detailliert und auch eindrucksvoll von seinem Vater, der 1913 geboren wurde. An einem 1. September wurde er als Mitglied der NSDAP einberufen. Sehr stolz sei er damals gewesen. Mit einer thüringischen Division ging er freiwillig an die Front.

Er hatte den Dienstgrad des Feldwebels und war Ausbilder. Er erlebte den Einmarsch nach Paris und später ging es auch nach Russland bis Moskau. Dort erkrankte er an der Ruhr und wurde ins Lazarett nach Donaueschingen verlegt. Hier hatte sein Vater viele Gedichte geschrieben, zum Beispiel »Heimkehr« und »Mutters Geburtstag« und nach Hause geschickt. Er bewahrt er diese Dokumente und noch vieles andere mehr bis heute bei sich auf.

Wieder genesen, ging es erneut in den Krieg nach Italien. Kurz vor Kriegsende wurde er mit 32 Jahren durch einen Bauchschuss schwer verwundet. Dort hatte sein Vater ein einschneidendes Erlebnis in einem amerikanischen Lazarett. Ein amerikanischer Professor, der Jude war, eröffnete ihm, dass man in dem Land, aus dem er stamme, Juden vergast habe. Sein Vater selbst, so Dieter Schaaf, habe ihm gegenüber glaubhaft versichert, dass er das bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst habe. Im Oktober 1945 war Richard Schaaf schließlich wieder nach Hause zurückgekehrt.

Front am Polarkreis

Dieter Schaaf bezeichnete seinen Vater als sehr religiös. Bezeichnet die Aussage seines Vaters im Alter: »Der, und er meinte damit Hitler, hat mir meine Jugend kaputt gemacht!« Viele mitgebrachte alte Dokumente der Teilnehmer konnte man an diesem Abend in Augenschein nehmen. Es waren zum Beispiel eine Abschrift über die arische Abstammung, Kriegstagebücher, Feldpostbriefe, ein Brief an die Familie, dass der Sohn gefallen sei, ein Buch über die »Front am Polarkreis«, alte Wehrpässe, Auszeichnungsurkunden und viele Fotos von den Vätern und Großvätern als Soldaten. Holger Schäddel stellte abschließend noch beispielhaft einige Bücher vor, die er zum Thema unbedingt empfehlen könne. Zum Beispiel »Kriegsenkel, Nachkriegskinder, Nachkriegsenkel« von Sabine Bode und »Erinnerungen einer Nation« von Neil MacGregor.

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